Neue Ära in der Riffaquaristik?

  • Hallo Angi oder wer sonst Lust hat,

    kann mal wer kurz in wenigen Sätzen zusammenfassen, ich habe hier keine Soundkarte.

    Warum durch Copepoden?

    Der "Korallen-Holobiont" ist heute noch ein weitestgehend unverstandenes Netzwerk, ein Mikrokosmos aus wechselwirkenden Mikroorganismen, Zooxanthellen und dem Korallentier, da ist sicher noch einiges möglich.
    Potenzial für eine neue Ära ist also durchaus drin, aber was haben Copepoden damit zu tun? Geht es um Fischzucht?

    Grüße

    Hans-Werner

  • Hi Hans-Werner,

    ich hab hier nur den Onboardlautsprecher mit mieser Tonqualität, der Podcast ist superleise und das Interview findet am Telefon statt. Hab jetzt Kopfschmerzen vom lauschen!!
    Es geht um "neue" Copepoden für Aufzucht von zb Kaiserfischen oder Haltung von Azoos.

    gruss
    rainer

  • Das Copepoden der Schlüssel zur Ernährung fast aller Meerestierlarven und Wirbellosen sind, ist seit hundert Jahren bekannt.

    Nur eine erfolgreiche Massenzucht ist bisher niemandem gelungen, was im Übrigen für die weltweite Aquakultur von viel größerer Bedeutung ist, als für uns paar Aquarianer.

    Das Problem der Copepodenzucht ist schlicht und einfach, daß diese, genau wie alle Krebse, große Eier haben und in Ihrer Entwicklung mehrere Larvenstadien durchlaufen. Ein zeitaufwendiger Prozess, der eigentlich eine Massenzucht unmöglich erscheinen läßt.
    Seit Jahrzehnten arbeiten Heerscharen von Wissenschaftlern weltweit an diesem Problem. Sollte da jetzt plötzlich eine neue "Wunderart" auftauchen?

    KORALLENWELT - gegr. 1993 - Torsten Luther - Inhaber
    Tätigkeitsschwerpunkte: Aquariendekorationen, Abyzz Pumpen, Propellerpumpen, Großanlagen, Planungen

  • Zitat

    Original von Korallenwelt
    Das Copepoden der Schlüssel zur Ernährung fast aller Meerestierlarven und Wirbellosen sind, ist seit hundert Jahren bekannt.

    Nur eine erfolgreiche Massenzucht ist bisher niemandem gelungen

    Hallo

    Ersteres ist richtig, zweites nicht. Es gibt eine ganze Reihe von Produzenten und auch Aquarianer, die massenweise Copepoden züchten. Ein bekanntes Beispiel ist zB. der carnivore Tigriopus californicus, der auch von vielen hier aus dem Forum mit Erfolg gezüchtet wird. Oder auch Tisbe sp., die von den Aquariumscheiben abgesaugt und dann in separaten Behältern weiter kultiviert werden. Wohl jeder Seepferdchenzüchter hat solche Kulturen am laufen.

    Ich selbst kultiviere u.a. Tigriopus seit Jahren in Massenzucht, ohne das auch nur einmal die Population zusammengebrochen wäre. Jetzt im Sommer habe ich in meinen Outdoorkübeln so viele davon, dass ich alle meine Fische (mit Ausnahme der großen Seepferdchenarten, die mögen lieber Garnelen) ausschließlich mit Lebendfutter versorgen kann, ohne das die Population weniger wird. Auch die großen calanoiden Copepoden eines bekannten Biomasseproduzenten lassen sich einfach züchten, weil sie neben Mikroalgen auch Detritus, Biofilme, suspendiertes Partikelmaterial wie Blütenstaub, Hefen und selbst Brachionus verwerten. Nitokra ist ein weiterer sehr leicht zu züchtender Spezies.

    Zur dauerhaften Ansiedelung in einem tropischen Refugium eignen diese Arten sich aber wenig. Tigriopus labt sich nämlich auch an den kleineren benthisch orientierten Tisben, die in jedem Aquarium das mit Lebendgestein betrieben wird, leben, genauso wie an den oben beschriebenen käuflich überall in Deutschland erhältlichen calanoiden Spezies. Auch sind die Nauplien von Tigriopus oder bisher käuflich erwerbbarer Calanoida zu groß, um damit kleinmäulige Fischlarven bzw. kleinmündige Korallen und Feinstfiltrierer zu füttern. Und letztendlich sind das alles keine tropischen Arten, die dauerhaft in tropisch warmen Wasser wie in unseren Refugien/Aquarien überleben können.

    Und genau darum geht es in dem PodCast. Die Zukunft ist da. Von nun an gibt verschiedene echte tropische laborvermehrte Arten käuflich zu erwerben, so dass man für alle Münder seiner Pfleglinge die passende Größe anbieten kann (35 my bis 3.000 my).

    Einmal editiert, zuletzt von angi (24. Juni 2011 um 17:10)

  • Hallo,

    ich habe jetzt ein längeres Stück angehört aber noch nicht alles. Es finden, was ich wahrgenommen habe, eher wenige Begründungen statt, eher viele Visionen und Projektionen. Natürlich wird, wenn man glaubt etwas neues gefunden zu haben zuerst einmal zuviel hineinprojiziert und es werdeb unrealistische Hoffnungen hinein gesetzt.

    Ich denke, um die Chancen und Grenzen dieser Copepodenzuchten realistischer beurteilen zu können, müsste man folgende Fragen beantworten: Copepoden gelten als ungewöhnlich DHA-reich. Das macht sie vermutlich zu dem wertvollen Aufzuchtfutter, das sie sind. Ich habe mal gelesen, sie reichern das DHA an. Ich weiß nicht, ob das so richtig formuliert ist. Für micht deutet das an, dass DHA gespeichert und andere Fettsäuren wie EPA verbrannt werden. Ich habe da gewisse Zweifel. Ich denke, die Nahrung von Copepoden ist möglicherweise DHA-reich und die Copepoden spiegeln das Fettsäurespektrum ihrer Nahrung wieder.
    Eine dritte Alternative wären Desaturase- oder Fettsäure-Elongase-Enzyme der Copepoden, so dass sie DHA aus anderen Fettsäuren neu bilden können.
    Weiß jemand, ob dazu schon genaueres bekannt ist, die Fischzüchter vielleicht?

    Grüße

    Hans-Werner

    P. S.: Bin eben eher zufällig über eine Artikel gestolpert über die Fettsäurezusammensetzung von Heilbutt-Larven, die mit angereicherten Artemien oder mit Copepoden gefüttert wurden, genau passend zu meinem Beitrag.

    Einmal editiert, zuletzt von Hans-Werner (24. Juni 2011 um 21:56)

  • Hallo Hans-Werner,

    zunächst danke für den interessanten Link!

    Bei John Mauchline in "The biology of calanoid copepods, Band 33" finden sich Hinweise, dass diese Lipid Depots sich saisonal bei vielen CV und adulten Spezies finden. Diese Depots sollen mit der Futterdichte und der individuellen Nahrung korrelieren.
    sh. Seite 247 ff http://books.google.de/books?hl=de&lr…q=lipid&f=false

  • Hallo Angi,

    hier noch ein Artikel zu den unterschiedlichen Fettsäure-Verhältnissen, die für unterschiedliche Fischarten optimal für die Larven- und Jungfischentwicklung sind.

    Das lässt die Sache doch noch etwas komplizierter erscheinen. Ob es also mit der Einführung von ein paar neuen Copepoden-Arten in die Zucht schon getan ist? Das soll aber nicht heißen, dass sich damit nicht neue Möglichkeiten auftun, die es wert sind, probiert zu werden. Die Frage ist eher, neue Ära oder langsame und mühevolle Weiterentwicklung?

    Grüße

    Hans-Werner

  • "Von einer neuen Ära spricht man, wenn ein bedeutendes Ereignis oder eine Entdeckung oder Erfindung das bisherige Leben bzw. die Lebensumstände vieler oder gar aller Menschen nachhaltig verändert. Es beinhaltet grundsätzlich eine positive oder neutrale Bewertung dieses Zeitalters."


    soweit Wiki

    Ich glaube wirklich nicht das ein paar Krebschen in einem Aquarium eine neue Ära einleuten. Auch wenn die AquaKultur Fortschritte macht ist und bleibt es ein mühevoller Weg mit kleinen Erfolgen....

    Gruss

  • zweites nicht. Es gibt eine ganze Reihe von Produzenten und auch Aquarianer, die massenweise Copepoden züchten.

    Naja Angi, ich will Dich ja nicht entmutigen, aber in der Wissenschaft und der Aquakultur versteht man unter massenweise aber etwas anderes!

    Eine Anemonenfischlarve verspeist bei Licht etwa alle 10 bis 15 SEKUNDEN einen Brachionus! Wir haben uns, als wir noch Fische züchtetet, sehr lange damit beschäftigt! Keine Copepodenkultur der Welt, die kenne, würde einem Fraßdruckr von 200 Anemonenfischlarven auch nur eine Woche standhalten. Aber ich lasse mich gern überraschen.
    Allerdings spricht man bei einer erfolgreichen Aquakultur schnell mal über mehrere 10.000 Fischlarven, die gleichzeitig fressen müssen.

    Wie der Zufall es so will, habe ich gerade einen jungen Biologen im Betrieb, der sich hier auf diesem Gebiet seine wissenschaftlichen Sporen verdienen will. Der konnte mir aber auch noch nichts Besseres anbieten.

    Letztendlich ist es so, wie Hans Werner schon schreibt: Alle DHA Quellen in der Natur sind letztendlich in der Masse pflanzlichen Ursprungs und werden im nächsten Glied der Nahrungskette aufkonzentriert und gespeichert. Der Ansatz für die Zukunft ist sicherlich nach wie vor hier zu suchen, aber ich lasse mich gern überraschen!

    Ein Audio Interview reicht mir da aber nicht, ich will Bilder und Videos von Jungfischen sehen!

    KORALLENWELT - gegr. 1993 - Torsten Luther - Inhaber
    Tätigkeitsschwerpunkte: Aquariendekorationen, Abyzz Pumpen, Propellerpumpen, Großanlagen, Planungen

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!