Nachzucht (Futter-) Mysis

  • Guten Morgen,

    ich sammle gerade meine erste Erfahrungen mit der Nachzucht von o.a. Mysis.

    Leider habe ich im Internet bisher keine brauchbaren Informationen dazu gefunden (ich muss ja nicht alle Fehler selbst durchlaufen, oder doch?).

    Kann mir jemand weiterhelfen?

    Viele Grüße,

    Jörg

  • Hallo Jörg!

    Ich habe mich damit schon etwas näher beschäftigt und vor längerem für einen Bekannten etwas zusammengeschrieben. Es handelte sich um Brackwassermysis. Ich füge das einfach mal ein.

    Gruß

    Wolfgang

    Zitat

    Die Zucht betreibe ich im Wesentlichen in einem 840-L-Becken, das ungefähr im Verhältnis 1/3 zu 2/3 unterteilt ist. Die Mysis befinden sich im kleineren Abteil, im größeren halte ich die Palaemonetes varians (Schwimmgarnelen). Das Becken steht im Freien, ist abgedeckt und wird nicht beheizt (im Winter wird es vollständig entleert). Es steht so abgeschattet, dass es nur kurz etwas Morgensonne und dann erst wieder nachmittags Sonnenschein erhält. Eine Erwärmung über 25° C versuche ich mit weiterer Abschattung zu erreichen, kann aber an heißen Tagen einen Anstieg bis ca. 28 ° C nicht immer verhindern (schadete aber weder den Mysis noch den Garnelen). Der Salzgehalt beträgt 20 ‰, schwankt jedoch aufgrund Verdunstung bzw. Auffüllung mit Regenwasser. Früher habe ich nur bei Sonnenschein mittels Solarenergie und einer 12-V-Membranpumpe (Schego electronic) belüftet, mittlerweile belüfte ich dauerhaft über einem grobperligen Ausströmer, aber nur ganz leicht. Dies dient weniger der Sauerstoffversorgung als der Umwälzung und der Erzeugnung einer leichten Strömung, die mir für den Beutefang der Mysis günstig erscheint. Im Freilandbecken ist kein Bodengrund. Es bilden sich aber recht schnell Algenbeläge und vor allem eine schlauchartige Alge wuchert geradezu. Die regelmäßige Entnahme dieser Alge (auf die Doktorfische bei einem Bekannten ganz wild waren) dient der Verbesserung der Wassergüte. Die Mysis glaube ich haben sonst nichts davon, außer dass sich die Jungtiere im dichten Gestrüpp verstecken können (die Alttiere gehen da nur ungern rein).

    Im Frühjahr, wenn die Gefahr strenger Nachtfröste vorbei ist (ich wohne gut 500 m ü. NN), fülle ich das Becken mit etwa 700 L recht eisen- und nährstoffreichem Brunnenwasser. Dazu gebe ich etwas Nanochloropsis aus einer laufenden Kultur. Wenn sich der Inhalt zu einer grünen Brühe entwickelt hat, was bei niedrigen Temperaturen, steigendem Tageslicht und der guten Nährstofflage recht schnell geht, kommen die Tiere hinzu. Die Wassertemperatur fällt dabei oft noch auf ca. 10 ° C.

    Gefüttert werden die Mysis, die nicht substragebunden sondern ganz überwiegend im Freiwasser leben, hauptsächlich mit einer täglichen guten Portion frisch geschlüpfter Artemien, aber auch mit Brachionus, Cyclop Eeze und fein zerbröseltem Trockenfutter. Bei den Versuchen im letzten Jahr war das Ergebnis nicht recht befriedigend. Ich hatte den Verdacht, dass die Alttiere kannibalisch den Nachwuchs größtenteils auffressen. Das haben auch andere Züchter beobachtet, wobei es wohl Unterschiede bei den Arten gibt. Ein manuelles Sortieren der Tiere ist aufgrund der Behältergröße und des trüben Wassers so gut wie unmöglich. Ich habe dann ein automatisches Überführen der Jungtiere mittels Luftheber mit vorgeschalteter Gaze versucht, aber auch das war bei mir nicht erfolgreich. So hatte ich im Herbst den Bestand zwar erhöht, aber nicht so erheblich, dass eine rentable Futterentnahme möglich gewesen wäre. Die Tiere habe ich – anders als die Garnelen – nicht überwintert.

    Im Frühjahr dieses Jahres habe ich mir wieder Mysis zukommen lassen und sie in das Becken gesetzt. Diesmal habe ich aber die Futtermenge vor allem bei den Artemien erheblich erhöht. Ich sorgte dafür, dass stets Nauplien im Zuchtbehälter vorhanden waren, die sich aufgrund der Algen auch recht lange hielten und wuchsen. Jeden Tag gab und gebe ich frisch geschlüpfte Nauplien hinzu, sporadisch auch die anderen genannten Futtermittel. Die Vermehrungs- bzw. Überlebensrate stieg damit deutlich. Zu einer richtigen „Massenzucht“ kam es aber trotzdem nicht. Aber immerhin konnte ich regelmäßig einige Tiere zur Verfütterung entnehmen und den Bestand trotzdem steigern.
    Im August war ich dann eine Woche weg. Zuvor habe ich sehr gut gefüttert und auch erwachsene Artemien eingebracht, in der Hoffnung, deren Nauplienproduktion trage zur Ernährung der Mysis bei. Bei meiner Rückkehr musste ich aber feststellen, dass die Mysispopulation ganz erheblich zurückgegangen war. Das mag z. T. damit zu tun haben, dass die Lufttemperaturen in dieser Zeit ungewöhnlich tief lagen (nachts bei 5° C). Ich glaube aber, dass ein Nahrungsengpass wesentlich mitursächlich war. Zwar waren noch Artemien im Becken, sie waren aber auf eine Größe herangewachsen, die wohl nicht mehr dem Beuteschema der Mysis entsprach. Einige Zeit nach Wiederaufnahme der normalen Fütterung konnten wieder vermehrt Jungtiere festgestellt werden. Möglicherweise hängt die Populationsschwankung aber auch damit zusammen, dass sich die von mir gehaltene Art im Wesentlichen saisonal nur 2 mal im Jahr vermehrt. Hier muss ich aber noch weitere Erfahrungen sammeln.

    Die Aquaristik ist eine Liebhaberei, bei der die Liebe im Vordergrund stehen soll und nicht die Haberei!

  • Hallo Wolfgang,

    danke für Dein Statement.

    Ja, die Nahrungsdichte scheint ein entscheidender Faktor zu sein. Die stürzen sich auf alles was in deren "Beuteschema" passt.

    Viele Grüße,

    Jörg

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