Hallo Thomas,
Du hast ja schon viele hilfreiche Beiträge v.a. zur Schadensbegrenzung erhalten. Und Carsten hat Dir auch den wichtigen Denkanstoß gegeben, das die Denitrifikation nur in einem anoxisch (anaeroben) Milieu stattfinden kann.
Ich selbst bin zwar nicht gerade ein Held in Sachen Mikrobiologie, aber das ein oder andere kann ich zum Thema vielleicht noch beisteuern.
Der Knackpunkt an der Sache mit den denitrifizierenden Filterbakterien ist der, das sie sog. fakultative Anaerobier sind, d.h. sie können ihren Metabolismus in Abhängigkeit vom Sauerstoffgehalt umstellen (sonst wären sie auch in der Verkaufspackung nicht lebensfähig):
Wenn der Sauerstoffgehalt abnimmt und einen bestimmten Schwellenwert unterschreitet, können sie zum Beispiel Nitratatmung = Denitrifikation betreiben. Ist Sauerstoff vorhanden, betreiben sie einen "normalen" aeroben Metabolismus, wie alle anderen aeroben Organismen auch.
Bakterien findet man v.a. substratassoziiert vor. Aber sie sind auch in der freien Wassersäule vorhanden und gerade hier können sie sich unter optimalen Bedingungen rapide vermehren. Optimal heißt hier v.a.: eine organische Belastung des Wassers. Nitrat ist ein anorganischer Nährstoff, genau wie anorg. Phosphat. Um solche Substanzen geht es hier nicht.
Acetat, Zucker (Honig, Traubenzucker, ...) oder auch Aminosäuren sind organische Verbindungen, die die wichtigen Nährelemente Kohlenstoff und im Falle der Aminosäuren auch Stickstoff enthalten. Auch organische Phosphorverbindungen sind sehr häufig im Wasser gelöst. Die organische Wasserbelastung ist für uns nicht leicht zu messen, leider.
Ich würde mich den anderen Aquarianern anschliessen wollen und vermuten, das Du durch die Zugabe der Bakterienlösung, die anscheinend auch noch Acetat als C-Quelle enthält,
1) die organische Wasserbelastung gesteigert und
2) durch eine von vorne herein zu hohe Gesamtkeimzahl in der freien Wassersäule
eine Eutrophierung geschaffen hast, die zu einem akuten Sauerstoffmangel führte. Da die Bakterien im aeroben Milieu Sauerstoff veratmen, wird der Sauerstoffgehalt im Wasser, wie Carsten es bereits gesagt hat, abnehmen. Auch wenn Dein Abschäumer ständig läuft kann es durchaus zu einem Sauerstoffmangel führen, an den sich die Korallenfische nicht gut akklimatisieren können (weil sie eben eine konstante O2-Sättigung bei gegebener Temperatur gewohnt sind).
Obwohl ich Gegener der Redox-Messung bin, hätte in diesem Falle eine Messung die Basis für unsere Vermutungen bestärken können. Eine hohe organische Wasserbelastung und eine damit verbundene Sauerstoffzehrung im Wasser führt zu einer Abnahme des Redoxpotentials.
Ich möchte Dir empfehlen, Deine Abschäumung zu optimieren um einerseits den Sauerstoffgehalt zu erhöhen (Belüften, wie Carsten schon sagte) und andererseits die organische Wasserbelastung zu minimieren. Weitere Maßnahmen wäre eine Absenkung der Wassertemperatur um einige Grade, um einerseits den (temperaturabhängigen) Sauerstoffgehalt zu erhöhen und andererseits die Stoffwechselrate der Bakterien zu senken. Auch eine Verlängerung der Beleuchtungszeit um eine Stunde könnte helfen, das photosynthetisierende Organismen länger O2 produzieren und auch durch ihren eigenen Metabiolismus organische Verbindungen verbrauchen (v.a. Grünalgen wie Caulerpa können hier ganz hilfreich sein).
Unter bestimmten Voraussetzungen sind solche Mittelchen gar nicht verkehrt, aber in den meisten Aquarien ist die organische Wasserbelastung trotz Abschäumung derart hoch, das die Bakterien regelrecht in einer Kohlenstoffsuppe schwimmen. Die Zugabe von solchen C-Quellen ist also bedenklich.
