Wieder mal eine heute eingegangene Pressemitteilung:
Ozean als CO2-Lager
Forscher beweisen vertikalen Transport von Kohlenstoff in die Tiefsee
Bremerhaven (pte, 29. April 2004 16:28) - In den Weltmeeren kann
wesentlich mehr CO2 in die Tiefsee transportiert werden als bisher
angenommen. Das berichten Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts
für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven
http://www.awi-bremerhaven.de und des französischen Laboratoire
d'Oceanographie de Villefranche in der jüngsten Ausgabe der
Fachzeitschrift Nature http://www.nature.com hin.
Den Forschern ist es gelungen, zu beweisen, dass die im Wasser gelösten
von Algen produzierten Zuckermoleküle durch ihre Zusammenlagerung
Partikel bilden. Diese Partikel spielen eine wesentliche Rolle bei dem
vertikalen "Transport" organischer Kohlenstoffverbindungen in die
Tiefsee. Bisher waren Experten davon ausgegangen, dass gelöste organische
Substanzen nicht zum vertikalen Kohlenstofftransport in die Tiefsee
beitragen.
In Experimenten, die in elf Kubikmetern großen Modell-Ökosystemen in
einem norwegischen Fjord durchgeführt wurden, konnten die Wissenschaftler
den Unterschied zwischen gelösten und partikulären Substanzen genau
erforschen. Während gelöste Substanzen mit dem Wasser treiben, sinken
Partikel, wie etwa Algenmaterial, ab und können somit Elemente wie
Kohlenstoff von der Wasseroberfläche in die Tiefsee bringen. Der größte
Teil der von Algen produzierten organischen Kohlenstoffverbindungen liegt
im Meer jedoch in gelöster Form vor. Spezielle, gelöste
Zuckerverbindungen können untereinander zu Partikeln verkleben. "Wir
haben nun gezeigt, dass die Bildung von diesen Partikeln im Verlauf von
Algenblüten schneller ist als die bakterielle Zersetzung der gelösten
Zucker. Somit können diese Partikel, die reich an Kohlenstoff sind, in
den tiefen Ozean absinken", so die Forschungsleiterin Anja Engel. Mit
einem Computermodell ist es den Wissenschaftlern daraufhin zum ersten Mal
gelungen, die Dynamik der Bildung von Partikeln aus gelösten
Zuckermolekülen zu simulieren.
Die Produktion von Zuckerverbindungen hängt neben der Physiologie und der
Artenzusammensetzung der Algen auch von globalen Umweltveränderungen ab.
So kann der Anstieg der CO2-Konzentration oder der Eintrag von
Nährstoffen in die oberen Wasserschichten vermutlich die Bildung von
Zuckern beeinflussen. Das könnte Konsequenzen für die Aufnahme und
Speicherung von Kohlendioxid im Ozean haben.
(Ende)
