SPS/Phosphat Probleme

  • Hallo,

    ich habe schon viel im Forum gelesen und dabei schon viel gelernt, super Sache!
    Deshalb hatte ich auch bis zum Herbst ein recht gut funktionierendes Becken, SPS wuchsen gut.

    Plötzlich kamen Cyanos auf und das Korallenwachstum stockte.
    Habe dann gemessen, Nitrat nicht nachweisbar(Salifert), Phosphat 0,1 (Merck), die Werte waren eigentlich immer nahe 0 seit dem das Becken steht, ca. 10 Jahre. Etwa zur gleichen Zeit kam die Wodka Methode auf, die ich gleich ausprobierte (2ml/100l Wasser). Erfolg war, dass ich wohl das letzte bischen Nitrat auch noch herauszog und sich die SPS vom Stamm her auflösten. Also Wodka abgesetzt, Abschäumer aus, normal weitergefüttert. Die Korallen erholten sich wieder, standen aber insgesamt recht schlecht, Die Polypen kamen bei einigen Arten kaum noch heraus. Phosphat fast 0.25mg/l. Die Cyanos fühlten sich wohl. Meine Diagnose, Phosphat-Nitrat-Verhältnis stimmt nicht. Also habe ich wieder mit dem Wodka angefangen und gleichzeitig Natrium-Nitrat behutsam (nicht löffelweise) zugegeben. Aber die SPS stehen immer schlechter lösen sich jetzt von den Spitzen her auf und schleimen stark ab. An den Spitzen hängen lange Fäden, vermutlich Bakterien.

    Als Wodka verwende ich "Rachmaninoff" € 5,70, ist der ok?

    Jetzt weiß ich nicht mehr was ich tun soll!

    weiter Wasserwerte:
    Ca 400mg/l
    Kh 8

    Wer hat einen guten Rat?

  • Hallo Hans!

    Willkommen im Forum. Ich denke das Deine Verdachtsdiagnose einer Stickstofflimitation stimmen wird. Schlechtes Polypenbild und ein Wachstumsstop sowie die Vorgeschichte mit schon vor Wodka wenig Nitrat sprächen dafür.

    Die Wodkagabe scheint bei einigen Becken den Nitratabbau bei weitem stärker zu fördern als die Phosphatbindung. Es gab hier schon mehrere Schilderungen dieses Effektes. Es gibt auch Schilderungen, wonach die Absenkung des Phosphatwertes langsamer und verzögert, dann aber effektiv erfolgt.

    Die Idee, ein Nitrat zu dosieren, ist bei dem Verdacht einer Stickstofflimitation sicher nicht verkehrt, aber würde ich da eher an Kalziumnitrat denken, immerhin kann das Kalzium von den Korallen auch genutzt werden. Die Alternative wäre die Gabe von Staubfutter, allerdings hättest Du damit auch einen zusätzlichen Eintrag von Phosphat/Phosphor.

    Die momentanen 0,25 mg/l Phosphat sind natürlich zuviel, wenn Deine Korallen seit Ewigkeiten deutlich niedrigere Werte gewohnt sind. Da die Gabe von Wodka auf den Phosphatwert bislang keine Wirkung zeigte, würde ich sie sein lassen. Statt dessen solltest Du den Einsatz eines Phosphatabsorbers wie z.B. RowaPhos oder Contraphos überlegen (in aufsteigender Dosierung, um nicht zu schnell abzusenken). Dazu weiter vorsichtige Gabe von einem Nitrat (z.B. Kalziumnitrat) oder Ammoniumchlorid (Vorsicht). Siehe dazu auch hier: http://www.korallenriff.de/Sindelfingen2003/kokott2003.pdf

    Zu Thema Wodka:

    http://www.korallenriff.de/alkoholmethode2.html
    http://www.korallenriff.de/alkoholmethode5.html

    Wie lange hattest Du den Wodka im Einsatz? Wie hast Du angefangen und (Dosis?) und wie gesteigert? Womit mißt Du Nitrat?

    Gruß,

    Michael

  • Hallo Michael,

    danke für Deinen Rat. Zu Deinen Fragen, ich hatte den Wodka ca. 14 Tage im Einsatz, zuerst über drei Tage 0,5ml/100l dann drei Tage 1ml/100l und schließlich 2ml/100l. Nitrat mess ich mit Salifert wobei ich die Färbung jedoch optisch über eine Selbstbau-Elektronik auswerte.
    Das sollte Stimmen. Rein optisch halte ich den Test als sehr schlecht ablesbar, da erkennt man abends unter Kunstlicht einen anderen Wert als bei Tageslicht.

    Mich wundert vor allem, daß die SPS sich an den Spitzen auflösen, ich habe noch keine solche Schilderung im Zusammenhang mit Wodka gelesen. Gibt es Erfahrungen was ein Auflösen der Spitzen bewirkt. Mir war der Gedanke sympatisch, daß ich mit den dabei entstehenden Bakterien die Korallen füttern kann.
    Kann es an der Sorte Wodka liegen die ich verwende (Rachmaninoff).

    Gruß Hans

  • Hallo Hans!

    Mir ging es ähnlich: Ich fing Ende Dezember mit Wodka an, um den Korallen durch die zu erwartende Bildung von Bakterioplankton etwas gutes zu tun, habe langsam aufdosiert, da mein Nitrat nicht sehr hoch war. Zusätzlich begann ich mit einer hoch dosierten Gabe von Staubfutter (Ultramin-F, Cyclops-Eeze). Im Januar dann Stillstand des Korallenwachstums und schlechtes Polypenbild. Nitrat 1-2 mg, Phosphat 0,06 mg/l. Verdacht: Stickstofflimitation.

    Also entschloß ich mich, die Wodkadosierung auszuschleichen. Zeitgleich nahm ich einen Topfaußenfilter in Betrieb, um den Nitratwert "biologisch" zu erhöhen. Dies klappte gut, bei Nitratwerten um die 10-15 mg/l wurde der Filter wieder deaktiviert. Die Korallen standen gut, Zeichen von Wachstum bei den SPS. Danach pendelte sich Nitrat bei 5-10 mg/l ein.

    Durch die fortgesetzte Staubfütterung, von der ich allerdings den Eindruck habe, daß sie den Korallen nichts oder zumindest nicht viel bringt, begann allerdings der Phosphatwert zu steigen und erreichte, trotz Phosphatadsorber, 0,2 mg/l. Da nur mit großem Aufwand (Phosphatabsorber in Fließbettfilter) Werte um 0,1 mg/l zu erzielen waren, begann ich erneut mit der Gabe von Wodka, dieses Mal noch niedriger dosiert als zuvor. Gleichzeitig begann ich mit der Zugabe von Tropic Marin Pro Coral Organic, einer Stickstoffquelle. Ich vermute, daß dies u.a. Ammoniumchlorid oder ein anderes Ammoniumslaz enthält. Derzeit liegt Nitrat wieder bei 1-2 mg/l, was aber besser vertragen wird, als zuvor. Phosphat ist ohne Absorber bei 0,06 mg/l. Trotzdem werde ich die Wodkadosierung noch etwas reduzieren (z. Zt. 0,6 ml/100 l), da ich als Ziel 5 mg/l Nitrat anstrebe.

    In einem anderen Thread (http://forum.korallenriff.de/index.php?page…adID=11022&sid=) wird derzeit über die Möglichkeiten zur Behebung einer Stickstofflimitation diskutiert.

    Gruß,

    Michael

  • Hallo Ihr zwei ....

    ich habe momentan genau das gleiche Problem wie Ihr ... empfindliche Steinkorallen fangen an, von unten her Auflösungserscheinungen zu zeigen (ebnfalls Wodkaeinsatz, Nitrat nicht nachweisbar, Phosphat erhöht bei ca. 0,25 mg/l).
    Ich habe jetzt auch Wodka ganz unterbrochen, Abschäumer nur noch nachts und dosiere seit 2 Tagen Calciumnitrat. Ich meine auch schon Besserung insofern festzustellen, daß sich die Polypen der betroffenen Korallen wieder zeigen.
    Cyclops Eeze - Eintrag habe ich wegen des Phosphats ebenso abgestellt.

    Mit welcher Dosierung startet man wohl am besten bei Calciumnitrat?

    Ich habe jetzt mit einer Lösung 20 mg auf 0,5 l destilliertes Wasser begonnen. Davon gebe ich pro Tag 2 x 1,5 ml auf ca. 330 l Beckenwasser zu.
    Zusätzlich gebe ich weiterhin Ultramin F und Tropic Marin Pro Coral Organics zu ...

    Gruß Ralf :grinning_squinting_face:
    {400l-Riff,Aquastar-automatisiert,HQI 2x150W+Blau/Mondlicht,Ström.-Ebbe/Flut/Wellen,Kalkreaktor,Ozon,UV,Stand+Dichte-Regelung mit autom. Wasserwechsel,Titan-Kühler,Rieselfilter,Zeovit,autom. Plankton+Spurenelemente/Aminosäuren-Dosierung}

  • Hallo Ralf!

    Ich vrweise Dich mal auf den schon oben als Link angegebenen Vortrag von Jörg Kokott aus SiFi 2003. Auf den letzten Seiten steht vieles zur Symptomatik von Nährstofflimitationen und deren Behebung. Das file ist etwa 2 MB groß, der Download ist aber lohnend und abspeichern sollte man es sich in jedem Falle, man kann immer wieder drin nachlesen.

    http://www.korallenriff.de/Sindelfingen2003/kokott2003.pdf

    Gruß,

    Michael

  • Hallo Michael :]

    den Artikel habe ich selbstverständlich gelesen :winking_face:

    unter anderem deswegen habe ich eine Stickstofflimitierung diagnostiziert .... die Dosierung von Calciumnitrat habe ich aus diesem Artikel als Basis genommen ... allerdings - da ich etwas beunruhigt bin - die Dosierung gleich mal mit erhöhter Menge begonnen ... deswegen die Frage nach Erfahrungen damit .... lieber beobachte ich etwas genauer und reagiere entsprechend, als daß ich bei fortschreitender Auflösung der betroffenen Korallen zu lange warte ... (ich nehme an, daß Jörg die Anfangs-Dosierung sehr vorsichtig empfohlen hat)

    Gruß Ralf :grinning_squinting_face:
    {400l-Riff,Aquastar-automatisiert,HQI 2x150W+Blau/Mondlicht,Ström.-Ebbe/Flut/Wellen,Kalkreaktor,Ozon,UV,Stand+Dichte-Regelung mit autom. Wasserwechsel,Titan-Kühler,Rieselfilter,Zeovit,autom. Plankton+Spurenelemente/Aminosäuren-Dosierung}

    Einmal editiert, zuletzt von Ralf (8. April 2004 um 15:41)

  • Hallo Ralf,

    nach meinen Erfahrungen bewirkt ein zu niedriger Nitratgehalt ein auflösen der Korallen von unten, wie bei dir, die Koralle "frist sich selber auf". Der Prozess geht jedoch relativ langsam voran und ist deshalb nicht so kritisch.
    Anders ist es mit einer zu hohen/schnellen Nitrat Dosierung, hier wird die Koralle von oben - an den stark beleuchteten Stellen und an den Spitzen - geschädigt und das geht relativ schnell.

    Gruß Hans

  • Hallo Ralf!

    Also mit einer genau dosierten Zugabe habe ich keine Erfahrungen. Wie ich oben geschrieben habe, gebe ich derzeit Pro Coral Organic von Tropic Marin hinzu. Ich vermute, daß es sich um ein Ammoniumsalz handelt, weiß aber leider nichts genaues dazu. Ich vermute, daß die Firma ihr Geheimnis auch nicht preigeben will.

    Wende Dich doch mal an Tom Horn, der hat Kalziumnitrat ausprobiert und nutzt jetzt Ammoniumchlorid. Markus Resch empfiehlt statt der Anwendung von Kalziumnitrat die Gabe von Ammoniumchlorid.

    Gruß,

    Michael

  • Hallo,

    ich hatte das Calciumnitrat dem Ammoniumchlorid wegen der erhöhten Gefahr für die Fische vorgezogen ... hat sonst keiner Erfahrung mit Calciumnitrat? Tom Horn scheint zur Zeit nicht "verfügbar" zu sein ...

    Gruß Ralf :grinning_squinting_face:
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  • Hi,

    habe eben auf Tom Horn´s Seite gesehen, daß er Ammoniumchlorid dem Calciumnitrat wegen der Kosten vorgezogen hat, was ich bei ca. 2,50 € gegenüber 8,- € pro 100g über ca. 2 Jahre nicht genau nachvollziehen kann :grinning_squinting_face: :grinning_squinting_face: (er hat sich wohl im Verbrauch verschätzt) ...

    Wegen der genannten Gründe versuche ich es erstmal mit Calciumnitrat ...

    Trotzdem noch ein paar Fragen nach Euren Erfahrungen: was würdet Ihr zu folgenden Punkten für Kommentare abgeben?

    1. Calciumnitrat oder Ammoniumchlorid oder Tropic Marin Pro Coral Organic (oder vielleicht eine Kombination daraus?)?
    2. zusätzlich weiter Ultramin F (eventuell sogar Cyclops Eeze)?
    3. Wodkadosierung komplett stoppen oder gemäßigt weiterfahren?

    das alles unter Berücksichtigung der Tatsache, daß Phosphat in meinem Becken recht hoch ist (0,25 mg/l) ... eventuell kann bei erhöhter Stickstoffzufuhr bei gleichzeitiger Kohlenstoffgabe mehr davon zu Bakterioplankton aufgebaut und dem System entzogen werden ... so daß letztendlich der Phosphatgehalt sinkt und damit das Verhältnis Stickstoff - Phosphor zum Besseren geändert wird ....

    Gruß Ralf :grinning_squinting_face:
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    3 Mal editiert, zuletzt von Ralf (8. April 2004 um 18:45)

  • Hallo zusammen
    ich habe einen Kunden der Wodka dosiert, sein PO4 und NO3 Wert waren jenseits von gut und böse.
    Nun ist NO3 nicht nachweißbar und PO4 bei ca. 0,25, er hat mir geschildert das die Xenia bei Zugabe von Wodka zusammenbricht und sich nach zwei Tagen wieder erholt. Gibt er nach zwei Tagen wenn die Xenia sich erholt hat wieder Wodka zu bricht sie wieder zusammen.
    Vielleicht kann man an diesen Verhalten eine Extremlimitierung erkennen, natürlich nur wenn andere auch so etwas beobachten.

    Mfg Gunther

  • Hallo zusammen!

    Was m.E. jetzt immer deutlicher wird ist die Tatsache, daß es wohl zwei unterschiedliche Reaktionen auf die Gabe von Wodka gibt:

    - Abfall von Nitrat- und Phosphatwerten, wobei bei einigen der Phosphatwert etwas länger braucht, bis er runtergeht.

    - Deutlicher und rascher Abfall des Nitratwertes ohne merkliche Auswirkungen auf den Phosphatwert (oder gar Anstieg?).

    Interessant wären in diesem Zusammenhang auch Angaben über die Dauer und Dosierung des Wodkas sowie der Ausgangswerte. Vielleicht können ja einige, die Wodka einsetzen dazu nocht etwas mitteilen.

    Gruß,

    Michael

  • Hallo Michael
    sicherlich löst sich Po4 noch lange aus den Steinen, aufgefallen ist es mir als ich einen Kunden hatte der eine Beckenauflösung gekauft hat die ewig nicht gepflegt wurde.
    Er hatte nach einbringen der Steine und des Bodengrundes aus der Auflösung PO4 und NO3 Anschlag.
    Ich hatte vorgeschlagen das ganze Wasser gegen meins aus der Steinkorallenanlage zu tauschen.
    Ein Tag später hatte er wieder 1mg/l PO4 im Becken und NO3 zart rosa.
    Das Becken hatte 250l.

    Mfg Gunther

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