Hallo zusammen,
wir haben die schlechte Angewohnheit, Menschen zu glauben, was sie versprechen.
In Bild und auch in Ton.
Man kauft mit den Augen.
Die Farbe ist ein Hauptargument.
Vielleicht etwas, was eine Entscheidung stärker beeinflusst, als rationaler Verstand.
Sofern der noch intakt ist, wenn man vor einem Händlerbecken steht.
Eine graue Tanzmaus wird zum Ladenhüter, wenn nebenan der Mitbewerb mit eingefärbten Tieren punktet.
Dergleichen werden bonbonfarbige Anemonen ihren beigebraunen Schwestern immer den Rang ablaufen, sofern die mit Lebensmittelfarbe eingefärbten Tiere noch einige Robustheit aufweisen.
Es werden Becken aus unterschiedlichen Motiven ins Netz zur Schau gestellt, und der geneigte Betrachter speichelt ob der bunten Vielfalt.
Man wird zur Nachahmung verleitet.
Dabei wird oft vergessen, dass diese „Aquarelle“ nicht über Nacht gewachsen sind, sondern teilweise unter Mühe und mit Sachverstand über einen längeren Zeitraum.
Empfehlungen per Video oder Fotos im Internet sind nicht frei von Objektivität und die Spreu vom Weizen zu trennen, ist einem Anfänger nicht gegeben.
In manchen Diskussionen beim Händler vor Ort geben sich die Märchenerzähler die Klinke in die Hand und verunsichern mit ihrem Halbwissen die übrige Klientel.
Korallen, Blaulicht, Photosynthese und Fluoreszenz bleiben immer ein aktueller Diskussionsstoff.
Den 60:40 Verhältnissen meiner Meerwasser-Generation stehen 90:10 Verhältnisse heutiger Reeferszenen gegenüber.
Wie man lesen und sehen kann, auch mit Erfolg.
Weshalb es auch nicht die Discobeleuchtung grundsätzlich zu verteufeln gilt.
Der Schlüssel zu Erfolg liegt in der Anpassung.
Die Allerwenigsten verstehen PAR zu interpretieren, sodass mit der allseits beliebten Methode „learning by doing“ oft Schäden an den Tieren auftreten.
Äusserst selten werden voradaptierte Korallen angeboten.
Diese scheinen aber zweckgebunden zu sein, da wiederum der abrupte Wechsel zurück zu tagesähnlichen Spektren bei diesen Korallen zu Verlusten führt.
Den Grund für den leichten LPS-Trend sehe ich nicht nur in der Fluoreszenz, sondern in der inflationären Tendenz bei den SPS.
Oder einfach gesagt: Was an Acroporen in den Markt hineingeschickt wird, kommt doppelt und dreifach wieder heraus.
Ein Kreislauf, der zumindestens für den Händler wenig optimal verläuft.
Man kauft keine Korallen, die man selbst wie Sauerbier anbieten muss.
Solange noch genug Lebensraum im Aquarium zu Verfügung steht, desto stärker vermehrt sich manche Art.
Sie erhöht damit nicht nur ihre quantitative Präsenz im Aquarium, sondern auch später ihre Allgegenwertigkeit im Handel.
Ein positiver Aspekt:
Es steigert ebenfalls die Chancen auf Anpassungsfähigkeit durch angepasste Mutationen.
Wenn ich mein näheres Umfeld so betrachte, sind in etlichen Becken die Acroporen schon dreimal durchgetauscht, und wandern teilweise wegen der bekannten Abnahmeschwierigkeiten in den Müll.
Ich muss es leider so deutlich formulieren.
Highend-Korallen sind bei diesen Betrachtungen ausgenommen, da sie Bedingungen unterliegen, die für die meisten schwer zu erfüllen sind, oder trotz mehrfachen Versuchs, daran scheitern.
Man wendet sich dann anderen Arten zu.
Logisch.
Gruß
Hajo