So, heute melde ich mich nach längerer Zeit mit einem Update über die beiden bipartitus zurück. 
Das kleinere Tier wurde ja heftig von dem größeren Tier gejagt und verschwand für immer längere Zeit im Sand. Das Jagen wurde so schlimm, dass es sich nur noch alle 3 Tage morgens zum Fressen blicken ließ, so geschehen am 23.09., 26.09. und 29.09.
Ich habe mich an diesen Tagen mit der Futtergabe blitzmäßig beeilt, bevor das kleine Tier genervt und gestresst vom größeren Tier wieder im Sand verschwand: erst Flockenfutter, anschließend Artemia und Mysis.
Der kleine bipartitus hat stets alles gierig in sich hineingestopft, was ging, bis er den Schnabel nicht mehr zubekommen hat. Nach 15 Minuten Wartezeit noch mal eine letzte Gabe Artemien, die dann wieder "reinpassten".
Schon während und kurz nach dem Fressen ging der größere bipartitus auf den kleineren bipartitus los, er hat ihn so blitzschnell durchs Riff gejagt, dass es für das menschliche Auge manchmal nicht nachvollziehbar war. Manchmal hat er sich vor so einer Attacke erst senkrecht mit dem Kopf nach oben und gespannten Flossen vor dem kleinen bipartitus aufgebaut. Ich sehe solch ein Verhalten auch bei den anderen Lippfischen wie meinem ornatus und deute das als Drohgebärde. Anschließend gabs die übliche Jagerei durchs Becken. Der Kleine warnach kurzer Zeit ruckzuck in seinem Sandbett verschwunden und tauchte erst 3 Tage später zur morgendlichen Fütterung wieder aus dem Sand auf. Dass der Kleine schnell an Masse verlor und nach einer Woche dünn wie ein Blatt Papier war könnt ihr euch sicher vorstellen.
Ich hatte mich zwischenzeitlich damit abgefunden, das kräftigere, größere Tier abzugeben. Also Fischfalle mit Spiegel ins Becken und 3 oder 4 Tage drin gelassen. Als einziger ist mir der ornatus in die Falle gegangen, der bipartitus sah sich zwar von ausserhalb der Falle im Spiegel, drohte etwas, aber reingegangen in die Falle ist er kein einziges Mal. Immer blieb er kurz vor dem Eingang stehen. Also Falle wieder raus.
Ich war sauer, die Zeit drängte, ich wollte den kleinen bipartitus nicht durch Verhungern oder Stress verlieren. Ich konnte mich aber auch nicht dazu durchringen, den kleinen oder großen bipartitus aus dem Sand mit zwei Netzen auszugraben. So ganz genau wusste ich nicht deren Lage im Sand, zumal die Tiere beim Eingraben unter dem Sand ein Stück weiter surfen bis zu ihrem endgültigen Schlafplatz.
Nach dem 29.09. änderte sich die Lage etwas. Der kleine bipartitus tauchte "schon" am 30.09.2009, 01.10 und 02.10. morgens sofort auf, nachdem das Licht angegangen war und stellte sich fürs Essen vorne ans Glas, wenn er mich reinkommen sah. Was mich dann etwas erleichterte, er blieb auch 1 -2 Stunden nach der Fütterung draussen. Das war mal was Erfreuliches. Der größere bipartitus hat währden dieser Stunden immer wieder gedroht und gejagt, allerdings mit der Neuerung, den Kleinen auch mal zwischenzeitlich in Ruhe zu lassen, ihn intensiv zu beobachten oder gar wegzuschwimmen. Ich konnte diese ruhigen Zeitabschnitte erst gar nicht fassen. Der kleinere bipartitus war in diesen Tagen aber auch ohne die Jagerei furchtbar unruhig und ist fast ständig am Glas auf- und abgestiegen.
Manchmal konnte ich beobachten, wie der kleine bipartitus auf den großen bipartitus zuschwamm, also Kontakt suchte. Er hat sich regelrecht angebiedert bzw. aufgefordert, wenn er mit abgestellten Flossen und dabei den Körper zu einem "S" verbogen, auf den größeren bipartitus zuschwamm. Der größere bipartitus hat darauf mit langsamen Bewegungen und ebenfalls abgestellten Flossen reagiert. Das Aussehen ändert sich ebenfalls während dieser Kontakaufnahme, beide Tiere wechseln von gelb-grün im Gesicht nach türkis-hellblau. Man umkreist sich so für einige Zeit. Kurze Zeit später ist es dann auch wieder mit der Harmonie vorbei und die Jagerei geht wieder los. Nach ca. zwei Stunden mit diesen abwechslungsreichen Auftritten ist der Kleine dann für den Rest des Tages wieder im Sand verschwunden.
Hier mal ein paar Schnappschüsse von dem Dialog der Beiden:


Mit dem 03.10. und bis heute wurde der Umgang zwischen den Beiden immer entspannter, die Jagereien nahmen an Intensität und Häufigkeit ab, heute habe ich noch keine Jagerei sehen können. Ich sitze natürlich auch nicht ständig vor dem Aquarium. Aber immer, wenn ich zufällig vorbeischau, geht es absolut friedlich zu zwischen den Beiden und sie tuckern gemächlich durch die Korallen oder über den Bodengrund.
Ich hoffe für die Beiden und für meine Nerven, dass diese Lage so bestehen bleibt und die bipartitus die Situation, wer das Weib und wer den Mann gibt, endgültig klären konnten.
Noch mal ein Bild von heute, 05.10.:
