Hallo,
ich kann Dir aus eigener Erfahrung berichten: Dieses Thema ist zum Kotzen! Und niemand wird Dir dabei tatsächlich helfen oder das Risiko übernehmen können. Auch der Statiker nicht. Aber lies bitte meine Erfahrungen zum Thema.
Ich ziehe oft aus beruflichen Gründen um und möchte mein Aquairum immer dabei haben.
Dabei achte ich darauf, dass ich in einen Betonbau ziehe und dass ich mein Aquarium an einer tragenden Wand aufstellen kann. Sonst auf nichts.
Schau einfach in die Aquariengeschäfte. Muss nicht mal Meerwasseraquaristik sein. Dort stehen zu Hauf Aquarien, die 700 Liter oder mehr fassen. Diese Aquarien überschreiten alle die Belastung von 150 kg / qm bei Weitem! Meinst Du diese würden weiterhin in Massen verkauft, wenn dadurch ständig Decken einbrechen würden? Oder Wasserbetten? Der Typische Aquarien- oder Wasserbett-Käufer macht sich doch keine Platte darüber, ob seine Wohnung das hält oder nicht. Es wird halt gekauft aufgestellt, befüllt, fertig. Habe schon oft sogar gesehen, wie Mieter in Hochhäusern Aquarien im Wohnzimmer in der Mitte des Raumes als Raumteiler stehen hatten. Das waren keine kleinen Kaliber, sondern Aquas, die an die Tonne Gewicht hatten. Da wunderte es selbst mich, dass es seit Jahren so hält.
Nun hatte ich mal genau das Problem wie Du und wollte auch auf Nummer Sicher gehen. Aber das auf Nummer Sicher gehen, ist nicht so einfach wie man denkt.
Die Aussage, der Boden hielte nur 150 kg / m² ist korrekt. Das ist eine Baunorm für Wohngebäude. Jeder Boden wird so gebaut, dass er diese Norm und diese "mickrige" Gewichtsbelastung aushält. Dies wird auf dem Papier garantiert, mehr nicht.
Also hatte ich bereits in zwei Wohnungen Statiker eingeladen.
Das Problem ist, dass meist die genauen Armierungspläne und die Bodenpläne nicht vorliegen oder der Statiker sich nicht darauf verlassen kann, dass der Boden auch tatsächlich so gebaut wurde, wie es in den Plänen steht. Der Statiker haftet aber dafür, wenn er eine zu hohe Belastung Dir genehmigt und trotzdem was einbricht. Die Lösung der Statiker ist also, die Haftungsproblematik umzugehen, indem sie einfach Dir nur das genehmigen, was in der Wohnbaunorm steht, also die 150 kg pro qm.
Aus diesem Haftungsgrund wird dann ein Statiker ohne Estrich und Bodenbohrungen, sowie ohne Röntgen (was einer der Statiker bei mir vorschlug) keine höhere Gewichtsbelastung schriftlich freigeben. Der eine Statiker den ich in einer Wohnung hatte, sagte, man könne vermutlich an der Tragenden Wand bis zu 1000 kg pro m² aufstellen. Aber schriftlich könne er mir eben nur die 150 kg attestieren.
Aber mal ehrlich: Welcher Vermieter schaut dabei locker zu, wie der Statiker mehrere Bohrungen in seine schöne Decke macht, die fast durch die komplette Decke gehen, um Proben für die Betonanalyse und Betonzusammensetzung zu haben? In der Regel sucht sich dann der Vermieter einen weniger "aufwendigen" Mieter aus, der nur wohnen will und sein heiliges Eigentum nicht überanspruchen wird. Es ist leider so.
Der andere Statiker in einer anderen Wohnung hat unter vorgehaltener Hand gemeint, er könne mir auch nur die 150 kg schriftlich genehmigen. Ich könne aber tatsächlich das Gewicht vermutlich um ein vielfaches überschreiten.
Er sagte, ich soll es probieren. Sollte der Betonboden überbelastet werden, wird er nicht mit einem Knall einbrechen, sondern langsam über Wochen oder Monate durchbiegen. Es werden an den tragenden Wänden ggf. Risse auftauchen, etc. Er sagte aber auch, wenn ich das mache und es schief geht und ich dann sage, er hätte mir dazu geraten, würde er es leugnen.
Ich habe das mal gesehen, wie es aussieht: Es war in einer mehrstöckigen Tiefgarage. Die Querbalken welche die Decke trugen haben sich richtig durchgebogen. Sah wie ein auseinander gezogenes "U" aus. Hielt aber trotzdem und die Tiefgarage hält immer noch.
Wie gesagt. Beide wollten nicht haften, weil sie nicht in den Boden reinschauen können. Pläne liegen oft nicht mehr vor oder Boden wurde nicht entsprechend der Pläne gebaut, wie sehr oft der Fall. Armierungen werden nicht nach Plan gelegt oder der Beton wird einfach aus Kostengründen verdünnt. Das kontrollierte in den 60er Jahren niemand. Und meines Wissens tut es auch heute kaum jemand bei Privatbauten.
Willst Du also auf Nummer Sicher gehen, dann schaffst Du das Hobby entweder ab (leider) oder mietest nur noch Erdgeschoss ohne darunter liegendem Keller. Da kann ausser Estrich einzubrechen, nicht mehr pasieren. Sonst ist es immer ein Risiko. OK: Es könnte noch die Bodenplatte einbrechen, wenn diese und das Fundament darunter wirklich verbrecherisch gebaut wurden und der Boden darunter nicht verdichtet wurde. Es gibt einfach so viele Variablen, die man nicht überprüfen kann, dass man den Statiker und sein Handeln fast verstehen kann. Der der hält seinen Kopf hin für die Mistarbeit, die die anderen meist wissentlich aus Kostengründen verbockt haben.
Ich mache es seit dem auf's Risiko, das ich aber für überschaubar halte. Ich habe auch ein Wasserbett, dass in Mitten des Schlafzimmers steht. Das ist auch nicht eingebrochen.
Aquarien um die 700 Liter oder etwas mehr sind mir auch bisher im Betonbau noch nicht eingebrochen. Der Betonbau sollte aber nicht unbedingt 60er Jahre sein. Da wurde in die Betonmischung oft mehr Sand als Beton gemischt, aus Kostengründen. So viel dann zu Plänen, die nicht umgesetzt wurden. So lange der Bau aber Mitte oder Ende 70er Jahre war, würde ich persönlich für mich das Risiko eingehen.
Bei anmietung mache ich es so, dass ich den Vermieter frage, ob ich ein Wasserbett und ein Aquarium mit ca. 900 Liter aufstellen kann. Ich zeige ihm dann ein Bild von einem Aquarium, wie es mit so einer Füllmenge oft im Fachhandel zu sehen gibt. Die sehen gar nicht so riesig aus. Die meisten Vermieter denken dann so, wie ich es oben schrieb. Nämlich, wenn Wasserbetten und Aquarien durch die Decken brechen würden, würden sie nicht verkauft werden. Also merkt man im Mietvertrag das an oder lässt sich dies vom Vermieter vor Vertragsschluss per Email beantworten und damit bestätigen. Damit ist man bei Deckenbruch aus dem Schneider.
Meine Meinung: Diese Norm ist Schwachsinn, weil diese 150 kg ein gut bestückter Bückerschrank schon locker überschreitet. Geschweige denn ein Wasserbett oder ein Aquarium oder ein voll Befüllter Gefrierschrank von z.B. 330 Liter Volumen. Diese 150 kg sind einfach Weltfremd, wie sonst was. Ein dicker Mann mit 120 kg Gewicht auf einem 40 kg schweren Sessel müsste damit bereits durch die Decke krachen.
Die Problematik wird dann auch noch von der Arbeitsweise der Statiker und ihrer Angst vor Haftung nur noch torpediert.
Wenn man also diese Norm um jeden Preis einhalten muss, ist das Aquarianer-Hobby nicht auszuführen in normalen Wohnräumen.
Außer man kann dieses Hobby in Aquarien mit einem Wasserstand von sagenhaften 15 cm ausüben. Denn bereits diese Wasserhöhe entspricht dieser 150 kg Maximalbelastung. Dazu kommt aber noch das Glas, der Unterschrank und die Technik. Somit ist Vorsicht geboten, denn da könnte streng nach dieser Norm die Decke schon einbrechen. Also arbeitet man besser zur Sicherheit mit einer Wasserhöhe von 10 cm, damit nichts schief gehen kann. Du verstehst, was ich meine?
In meinen beiden Fällen war das Geld für den Statiker jedenfalls herausgeschmissenes Geld! Leider.
Wenn mir das alles egal wäre, hätte ich sicher keinen Statiker geholt. Aber mit solchen Ergebnissen habe ich auch nicht gerechnet.
Nach meinen Erlebnissen, wäre meiner Meinung nach es schon zielführender im Forum einfach eine Umfrage zu starten, in der jeder einträgt, in was für einer Wohnung er wohnt (also Baujahr und Deckenart: Beton / Holz / unbekannt), wie schwer sein Aquarium ist und auf welcher Fläche es steht, sowie wo es steht (an tragender Wand, an nicht tragender Wand oder Raummitte mit Angabe der Raumgröße).
Hätten wir genug solcher Daten zur Hand, könnte man eine Auswertung machen und zumindest Schätzungen abgeben, welche Bodenbelastung an welcher Stelle bei welcher Bodenart in welchem Haus von bestimmten Baujahren möglich sein könnte.
Andererseits könnte man auch mit Google danach suchen, ob es Berichte darüber gibt, dass Jemandem der Boden unter einem Aquarium oder Wasserbett einbrach. Viel konnte ich nicht finden. Und das meiste dürfte sich tatsächlich auf Holzböden oder in eigenregie ausgebauten Dachböden abgespielt haben.
Aber so eine Umfrage würde mich wirklich interessieren.