Frank
ich kann Deine Beobachtungen nur bestätigen. Trotz Absetzen der Kohlenstoffquelle ist in dem Becken eines Mitarbeiters nach Monaten immer noch ein sichtbarer Belag vorhanden, der vor der Wodkamethode nicht vorhanden war.
Dies läst die Vermutung zu, das der Eingriff durch Kohlenstoffquellen in einem kleinem geschlossenem Ökosystem nicht nur kurzfristg Auswirkungen auf die verschiedenen Nährstoffkreisläufe, sondern auch durchaus längerfristige Auswirkungen mit sich zieht. Durch den Belag ist natürlich auch der Gasaustausch in den lebenden Steinen gehemmt und viele Prozesse laufen noch in anderen Bahnen als voher. Vermutlich können wir gar nicht alle Faktoren in Ihrer Komplexität berücksichtigen, die sich durch das hinzufügen von Kohlenstoffquellen ergeben.
Die Gefahren einer falschen Anwendung (und als Hersteller ist das eine fest kalkulierbare Größe) sind bei der Wodkamethode in meinen Augen nicht unproblematisch. Das gilt natürlich auch für andere Methoden, bei denen es sehr auf die richtige Anwendung ankommt wie z.B. auch die Zeovitmethode. Schon die Tatsache, das Jens durch das Zufügen einer Stickstoffquelle seinen Orthophosphatgehalt erst reduzieren konnte zeigt doch deutlich, das man sich auch mit dem Verhältnis C:N:P beschäftigen sollte und nicht nur über die Wodkamethode spricht.
Jede Zugabe einer Substanz in ein Aquarium führt in der Regel zu einer entsprechenden Reaktion. Bei Nährstoffen (z.B. Wodka) mit einer Zunahme der Biomasse, bei Spurenelementen nicht selten zu toxischen Anreicherungen (besonders Metalle wie Zink, Chrom etc.) und mit jeder Zugabe ist der Pfleger als Beobachter gefordert, womit natürlich auch der Pflegeaufwand steigt.
Daher hatte ich schon immer für die Schaffung von zusätzlicher Siedlungsfläche für Bakterien sowohl aerob als auch anaerob plädiert. Hier könnte der Pfleger als Architekt regulierend durch z.B. die Schaffung von anaeroben Zonen bei Nitratanreicherungen eingreifen. Ob man dies nun mit dem Schlammfilter, Jaubert, mehr Lebendgestein oder DSB macht ist eigentlich zweitrangig. Entscheident ist die schlichte Tatsache, das durch die vergrößerten Siedlungsflächen auch automatisch die biologische Abbauleistung gesteigert wird, und somit ein System sich viel besser selbst passiv regulieren kann und der Pflegeaufwand damit auch eher geringer ist. Zumindest geringer als das aktive Verändern der Nährstoffe durch den Pfleger. Natürlich ist die Schaffung von Besiedlungsflächen kein Garant, da selbst bei hohen biologischen Abbauleistungen immer nur zeitlich versetzte Reaktion auf entsprechende Schwankungen im System einsetzen, aber bei nicht gravierenden Veränderungen sollte das "Sicherheitspolster" bei solchen Systemen deutlich höher und Schwankungen im System geringer sein.
In meinen Augen gibt es daher keine "Methode", die generell zu empfehlen oder nicht zu empfehlen wäre. Schon aufgrund der Verschiedenheit der Becken nicht. Wenn ich jedoch ein System verändern möchte, so würde ich heute das nicht durch Dosieren von Nährstoffen versuchen (außgenommen Limitierungen liegen vor), sondern konstruktiv durch Veränderungen oder Erweiterungen (z.B. Refugienbecken) der Systeme anstellen.
Viele Grüße
Oliver