Hallo Bernd,
naja, du sprichst von verengtem Blickwinkel, aber letztlich kritisierst du gerne solche Systeme oder auch die Verwendung von Totgestein. Nach dem Motto, das haben wir schon so viele Jahre so gemacht, das hat sich bewährt usw. Ich glaube, keiner hier in diesem Thread hat was gegen Wasserwechsel gesagt, tatsächlich ging es eher in die umgekehrte Richtung
Ich sehe das viel neutraler, es ist doch schön, dass wir heutzutage so viele Möglichkeiten haben, ein Meerwasserbecken zu betreiben. Es ist falsch, das gute alte Berliner System auf "veraltet" zu verengen, genauso ist es falsch, die neueren Systeme als Kommerz, instabil usw. zu verengen.
Es gibt Vor- und Nachteile, keine Frage und da kann sich dann jeder entscheiden. Zum Thema Kommerz: ein Systemanbieter, der selber Salzhersteller ist, hat immer auf den regelmäßigen Wasserwechsel als MUSS hingewiesen. Seit der Anbieter selbst ICPs anbietet, ist das nun kein MUSS mehr. Ein Schelm wer Böses dabei denkt. Ist nunmal so.
Zum Thema Austrag von schädlichen Verbindungen: hier wäre eher eine Diskussion interessant, inwiefern sich diese Dinge austragen lassen. Ozon hatte ich ja schon angesprochen, aber ob das sicher alles unerwünschte/potentiell Schädliche umwandelt, weiß ich nicht (Hajo, ich habe leider mein Buch vom Glaser verlegt, was mich ziemlich ärgert
Aber ich meine, dass da auch nur sehr allgemein was dazu drinnen steht.) Teilwasserwechsel ist hier sicher ein probates Mittel, wobei das auch von der Häufigkeit abhängt. Ich denke, 10% im Monat wird auch nicht unbedingt ausreichen.
Was ich als Kritik gut finde und was auch schon mehrfach angesprochen wurde, ist das Hinterherrennen nach ICP SOLL Werten, zumal oft noch gar nicht geklärt ist, was eigentlich wirklich essentiell ist (siehe Beitrag von Hans-Werner). Das ist sicher ein Kritikpunkt und ich finde auch, die ICP Anbieter sollten das besser erklären. Was ich oft lese ist "laut ICP habe ich so und so viel Phsophat im Becken, ich verstehe nicht warum meine Korallen weiß werden, der Tröpfchentest verfärbt sich nicht. Im schlimmsten Fall wird dann sogar Adsorber eingesetzt. Ich wünsche mir hier von den Anbietern, dass sie Kunden darauf hinweisen, in jedem Fall Phosphat nochmal mit dem Heimtest nachzumessen bzw. dass der Phosphatwert, den die ICP ausgibt, ein errechneter Wert ist aus Gesamtphosphor.
Aber auch hier gilt, man muss sich informieren, lesen und sich damit beschäftigen. Es gibt Leute, die bei jedem Problem sagen "mach Wasserwechsel, das hilft immer", was derselbe Quatsch ist wie der ständige Verweis auf ICPs und dann dem Rätselraten auf Basis irgendwelcher Werte.
Jeder weiß irgendwann, dass ein Becken in der Regel gut läuft, wenn Salinität, KH und Calcium konstant gehalten werden, Nährstoffe vor allem in Form von Phosphat vorhanden sind und so wichtige Spuren wie Jod in der richtigen Konzentration vorliegen. Alles weitere ist dann die Kür - ob mit regelmäßigem Wasserwechsel oder nicht.
Grüße
Chris