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Original von Robert Baur
Hallo Jörg 
Wie immer eine sehr gute Antwort.
Nun habe ich aber noch eine Frage....
Wieso zeigen unserer Acroporen eigentlich schon immer auch tagsüber ihre Polypen. Ich meine so pauschal lässt sich das nicht sagen, aber es sind der überwiegende Teil.
Ist ihnen das Licht zu wenig oder zu wenig stark weil sie ihre Polypen zeigen?
Ich denke daran das die selben Korallen bei Harald tagsüber keine Polypen zeigen, aber bei uns schon. Harald verwendet 250 Watt BLV wir die 14.000er von Aquaconnect. (werden allerdings beim nächsten anstehenden Wechsel getauscht da sie zwar schön blau sind, aber mir der 10.000er besser gefällt - und das sicher nicht nur mit sondern auch den Korallen)
Könnte es hier einen Zusammenhang geben ?
Viele Grüße
Robert
PS. ich kann erst in zwei TAgen antworten weil ab gleich bis Freitag Abend weg.
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Hallo Robert,
in zwei Tagen hab ich das Thema vergessen
Deshalb jetzt direkt die Antwort.
Prinzipiell, wie Peter (tolles Becken, Peter
) schon schrieb, ist es wahrscheinlich Art- bzw. Individuenabhängig. Nicht jede Korallenkolonie hat die gleichen Photoakklimatisations-Fähigkeiten wie eine andere Kolonie der gleichen Art. Also wird man in unseren Becken immer verschiedene Beobachtungen machen können.
Zu dem Beispiel 250W BLV bei Harald und Performance bei Dir:
Wenn wir die Spektren der Leuchtmittel betrachten, dann findet man als Einheit immer nur die "relative Intensität". Das heißt, wenn das Spektrum aufgezeichnet wird, nimmt man den höchsten Peak, setzt diesen gleich 100% und rechnet dann bzw. läßt vom Computer dann per Dreisatz alle anderen relativen Intensitäten ausrechnen. Das ganze nennt man dann auch ein normalisiertes Spektrum.
Das heißt im Klartext, ich kann zwar die Emissionsspektren von Leuchtmitteln vom Verlauf her beurteilen, aber ich weiß nicht, wieviel photosyntetisch nutzbare Strahlung letztlich erzeugt wird. Ob das nun 250 µmol/cm2/s oder 1000 µmol/cm2/s sind.
Photoinhibition wird natürlich v.a. von dem Spektralbereich erzeugt, der von den Photosynthesepigmenten absorbiert wird. Und der liegt bei Dinoflagellaten zwischen 430 und 480 nm. Aber das nicht nur: unter bestimmten Voraussetzungen können durch Lichtbrechnung und Streuung auch andere, normalerweise photosynthetisch nicht nutzbare Strahlungsanteile prinzipiell zu einer Photoinhibition beitragen. Und das ist nicht selten.
Wenn man die Photonenflußdichte misst, dann nimmt man nicht nur den Anteil zwischen 430 und 480 nm, sondern den zwischen 400 und 700 nm.
Wenn ich also ein Leuchtmittel habe, das zwischen 400 und 500 nm stark emittiert und ein zweites Leuchtmittel habe, das zwischen 500 und 600 nm gleich stark emittiert, dann ist die gemessene PAR-Strahlungsintensität (Photonenflussdichte) bei beiden Leuchtmittel gleich. Aber die Korallen werden unter dem 400-500 nm Leuchtmittel besser wachsen als unter dem 500-600 nm Leuchtmittel.
Die Erfahrungen, die ich mit dem Aquaconnect Performance machen konnte, war/ist die, das die Korallen schnell wachsen und darüber hinaus auch alle schön geöffnet sind, wie Du das schon sagst. Bei dem 400W 14000 K BLV den ich in der Uni über dem Becken habe, zeigen die Korallen auch eher das Verhalten, nur sehr kümmerlich aufzugehen. Bei dem 70W HQI zu Hause sind meine Korallen alle sehr gut auf.
Und daraus resultiert eben die Hypothese, das man mit wenig guter Strahlung mehr erreichen kann als mit viel unnützer Strahlung. Der BLV emittiert letztlich sehr viel Violettstrahlung und wenig Blaustrahlung. Die Blaustrahlung ist wichtig für die Photosynthese, die Violettstrahlung regt zwar die Fluoreszenzpigmentbildung an, verlangsamt aber dadurch eher das Wachstum. Das heißt, bei hoher Leistung des Leuchtmittels wird bei den BLV Brennern der Anteil an photosynthetisch nicht so gut nutzbarer Strahlung sehr stark erhöht und führt hier möglicherweise zu einer erhöhten Photoinhibition. Hingegen, bei meinem 70W Brenner ist dieser Anteil für die Korallen gut vertragbar, aber weil letztlich der Blauanteil niedrig ist, recken sie sich nach dem Licht.
Der Aquaconnect Performance denke ich hat einen deutlich höheren Blauanteil als der BLV 10000K. Dafür muß der Brenner aber möglicherweise auch weniger Strahlung emittieren um die gleiche Photosyntheseleistung zu erzeugen wie der BLV. Dabei ist der Anteil an photosynthetisch schlecht nutzbarer Strahlung auch nicht so hoch, so dass die Korallen ihre Polypen immer noch zeigen können. Das muß auch nicht unbedingt heissen, das die Korallen zu wenig Licht bekommen, denn:
wenn die Korallen an die vorherrschende Strahlung akklimatisiert sind, dann können sie durchaus ihre Polypen tagsüber exponieren ohne das den Zooxanthellen etwas passiert. Das hat natürlich den Vorteil, das v.a. auch der Stoffaustausch mit der Umgebung viel besser funktioniert als wenn das nur nachts geschieht. Wie alle Organismen muß das, was in die Zellen reingeht, irgend wann auch mal wieder raus. Und das funktionert immer besser, wenn der Polyp der Strömung ausgesezt ist. Genau so ist es auch mit der Aufnahme von gelösten anorganischen Nährstoffen und organischen Verbindungen.
Also rein aus stoffwechselphysiologischer Perspektive ist es besser, strömungsexponiert zu stehen als tagsüber im Koralliten eingezogen zu warten bis es dunkel ist. Wenn es sich der Polyp erlauben kann, tagsüber exponiert zu sein, dann wird er das auch machen.
Ich hoffe, das war nicht zu konfus und es ist klar, was ich meine?