Zitat
Original von Resa
HI iP,
der Jörg kann im Augenblick nicht da er auf sein Diplom büffelt, er wird sich aber am Montag melden.
Hallo zusammen,
Prüfung erfolgreich hinter mich gebracht und bereit für aquaristische Diskussionen
etwas verspätet, sorry!
Zunächst zur Eisenlimitierung an sich:
Dem einen oder anderen sagt der Begriff "Redfield-Ratio" etwas. Hierbei geht es darum, das man in marinem Phytoplankton die Mengen an Kohlenstoff, Stickstoff, Phosphor und Eisen bestimmt und dabei festgestellt hat, das diese vier Nährelemente in einem bestimmten Verhältnis zueinander angereichert sind, nämlich:
C : N : P : Fe = 106 : 16 : 1 : 0,01
Für die silikatabhängigen Diatomeen (=Bacillariophyceen) wurde hier noch der Siliciumgehalt mit einbezogen, was aber hier egal ist.
Anhand dieser Reihenfolge kann man (wenn man es auf andere marine photoautotrophe Organismen überträgt) sehen, welches Nährelement am ehesten bei einer akuten Nährstofferhöhung oder -erniedrigung das Wachstum limitiert.
Kohlenstoff wir meist vernachlässigt.
Wenn sich das Verhältnis Stickstoff zu Phosphor erhöht, z.B. 20:1, dann wird Phosphor wachstumslimitierender Faktor sein. Andersherum, wenn das Verhältnis kleiner ist, z.B. 10:1, wird Stickstoff der limitierende Wachstumsfaktor sein.
Gleiches gilt bei Eisen. Wenn man im Aquarium Stickstoff und Phosphor erhöht, dann wird Eisen limitieren.
Eisen ist das viert häufigste Nährelement in den photoautotrophen Organismen und deshalb taucht es als Spurenelement nach Phosphor in der Reihe auf.
Ich vertrete selbst schon seit langem die Meinung, das in unsere Aquarien bei hohen Phosphatgehalten nicht nur Phosphat an sich das Problem ist, sondern das der daraus resultierende Eisenmangel der entscheidende Punkt ist. Zwar gilt Phosphat als Calcifizierungshemmer in skelettbildendern Korallen, als v.a. Steinkorallen. Aber in vielen Fällen - so zeigten es neuere Untersuchungen - wird dadurch die Calcifizierungsrate selbst oft sogar gesteigert, jedoch auf Kosten der Brüchigkeit des Skelettes. Wenn unsere Korallen bei hohen Phosphatkonzentrationen ausbleichen, dann ist dies eher auf die akute Eisenlimitierung zurückzuführen.
Eisen wird uns in Zukunft noch lange beschäftigen, weil es ein sehr kritischer Parameter ist, der sich bislang nicht gut messen läßt, und den wir nur schwer beeinflussen können.
Eisen ist auch in der Natur vielfach wachstumslimitierender Faktor, weil Eisen in Meerwasser kaum löslich ist und wenn überhaupt nur als dreiwertiges Eisen in Lösung vorkommt, das für Pflanzen nur schwer verwertbar ist (nur Eisen-II, als Fe2+, kann direkt verwertet werden. d.h. Fe3+ muß zunächst energieaufwendig zu Fe2+ reduziert werden!). Hier werden wir noch viel zu experimentieren haben.
Zur Dosierung: ich kann Bernd Nur allzu gut verstehen, das ER öffentlich keine Empfehlung geben möchte, wie wir Eisen am gescheitesten nachdosieren können.
Völlig einverstanden bin ich auch damit, das wir individuell auf das Becken abgestimmt eigene Eisenlösungen herstellen sollten. Dazu muß man natürlich erst einmal an die Chemikalien kommen, darüber hinaus dazu in der Lage sein, die Lösungen korrekt anzusetzen (also Einwaagen und Volumina berechnen sowie über die Geräte verfügen) und sie entsprechend richtig zu dosieren. Und das ist insgesamt für die meisten Leute ein Problem.
Wie gesagt können wir Eisen im Meerwasser nicht gut quantitativ bestimmen. Ob uns eine Eisendosierung etwas bringt oder nicht, können wir also nur anhand unserer Beobachtungsgabe beurteilen. Oft treten die Effekte aber erst nach einer gewissen Zeit ein, und schnell erhöht man zwischendurch mal die Dosierung und macht damit mehr falsch als richtig.
Eine falsche Zugabe von Eisen kann weitreichende Folgen haben:
1) Eine zu hohe Eisenkonzentration fördert sehr stark das Algenwachstum und kann zu heftigen Algen- und Cyanobakterienplagen führen.
2) Eisen ist ein Mikroelement, und in hohen Konzentrationen ist Eisen auch toxisch, sowohl für Fische als auch für die Korallen.
3) Eisen fällt sehr schnell aus, v.a. als unlösliche Eisenoxide. Diese in der Dekoration können auch hier von Algen und Bakterien möglicherweise aufgespalten werden und zu Algenproblemen führen.
Chelatisiertes Eisen hat den Vorteil, das man damit eigentlich keine Überdosierung erreichen kann, weil die Komplexe schnell abgeschäumt werden. Das wird von vielen Leuten und Herstellern immer als negativ und meerwasseruntauglich angesehen, aber ich bin mitlerweile genau anderer Meinung:
Erstens dissoziieren die Komplexe nach der Dosierung zum Teil und geben damit das komplexierte Eisen frei. Zweitens erreicht man mit weniger oft mehr: also selbst wenn was abgeschäumt wird, geht man damit kein großes Risiko ein und kann gerade als nicht so experimentierfreudiger Aquarianer etwas herumtüfteln.
Ich würde deshalb von Eisensulfaten abraten, auch wenn dies zunächst die einfachste Möglichkeit zu sein scheint.
Statt dessen würde ich z.B. iP oder JestersTears dazu raten, mit den in der Süßwasseraquaristik erhältlichen Eisen-II-Komplexverbindungen in Tablettenform in ihren Refugien zu arbeiten. Die gibt es von einer namhaften Firma für Süßwasserprodukte und -pflanzen.
Ich würde die Tabletten nicht ins Hauptaquarium geben (!) sondern nur in den Refugien benutzen.
Die Empfehlungen des Herstellers für den Süßwassereinsatz müssen wir natürlich vergessen: die sind unbrauchba!
Wie gesagt, nur in den Refugien benutzen. Hier kann man dann anhand des Algenwachstums und vielleicht auch anhand der Farbintensität der Algenthalli mit der Zeit erkennen, ob diese Eisenzufuhr etwas bringt. Also langsam rantasten und über mehrere Wochen beobachten! Erst mal nur eine Tablette ins Refugium geben und gut schauen, ob sich im Laufe der Zeit etwas tut. Also nachdem sich die Tablette aufgelöst hat, mal 10-14 Tage warten.
Vielleicht können wir hier auch offiziell mal darüber diskutieren, in wie fern andere (v.a. Bernd Quirbach & Frank Diehl als Experten in der Planktonzucht) den Einsatz der hier genannten Eisen-II-Komplex-Tabeletten befürworten oder dem widersprechen!