Hi,
jetzt will ich auch was dazu sagen:
1) Ich kann mir vorstellen, wie Frank das mit dem Meeresbiologen gemeint hat,
aber ich will mal folgendes los werden (auch wenn die story einige schon kennen):
Am 17. oder 18. Mai 2003 (also dieses Jahr) hat mir in einem persönlichen
Gespräch einer der Obermeeresbiologen-Gurus in Australien was "Coral Bleaching" betrifft
wahrhaftig und ernsthaft klarmachen wollen, das man Acropora Arten in einem
offenen System mit natürlichem Meerwasser im Durchfluß und natürlichem
Sonnenlicht nicht über mehrere Monate am Leben erhalten kann.
Ich will also nie mehr hören, dass ich von Aquaristik Plan
hätte, weil ich Meeresbiologe bin. Wenn in der Meerwasseraquaristik nur
Meeresbiologen am Werk wären, dann würden wir heute noch über die
Verbesserung der Pflegebedingungen von Glasrosen sprechen.
Das mal vorweg, dass ich was die Theorie angeht etwas Plan habe mag
ja sein, das macht mich aber noch lange nicht zu einem halbwegs guten
Aquarianer.
2)Ich habe die Zeovit-Methode über knapp 1,5 Jahre sowohl an meinem
Privatbecken als auch in meinem Experimentierbecken in der Uni getestet,
und war sehr zufrieden damit. V.a hat mich der Ehrgeiz gepackt, herauszufinden,
wie es funktioniert, ohne dabei irgend wem Schaden zuzufügen.
Jetzt, nach dem ich mich intensiver mit Kohlenstoffquellen etc. beschäftigt
habe und Michael mit mir seine praktischen Erfahrungen mit dem Einsatz von
Ethanol geteilt hat (wofür ich sehr dankbar bin), weiß ich auch wieder
etwas mehr über die Zeovit-Methode.
Natürlich sind beide Methoden miteinander zu vergleichen, man muß sie
nur in ihrer Anwendung differenziert betrachten. Die Eigenschaftten von
Zeolithen sollten mittlerweile jedem bekannt sein. Das im Zeofood Acetat drin
ist, ob beabsichtigt oder nicht, kann man riechen. Das dort Aminosäuren und
Vitamine drin sind (letztere kann man auch riechen), gibt der Vertreiber
als Informationen an. Was in der Bakterienlösung drin ist, spielt aber
meines Erachtens keine Rolle.
Die Zeovit-Methode ist eine Komplettmethode, bei der einerseits Bakterien
mit einer Kohlenstoffquelle ernährt werden, andererseits Ammonium zur
Steigerung der Nitrifikationsraten an Zeolithe gebunden wird, wichtige
Nährstoffe in Form einer Nährstofflösung zudosiert werden und die
Bakterienpopulationen ständig mit neuen und sich in der
angebrochenen Nährlösung neu entwickelnden Bakterien versorgt wird.
Darüber hinaus werden Spurenelemente über eine hohe Wasserwechselrate
hinzugeführt und über den Einsatz von Aktivkohle das Wasser von
Gelbstoffen geklärt.
Die Ethanoldosierung macht nur vier Sachen:
1) Sie steigert die Denitrifikationsrate
2) Durch die Vermehrung von Bakterien (welche, spielt überhaupt keine
Rolle) wird der Phosphatgehalt gesenkt
3) Es entsteht Bakterioplankton, das wiederum abgeschäumt werden kann und
darüber hinaus als Nahrung für Filtrierer dient.
4) sie klärt das Wasser teilweise über die Anheftung von Kolloiden an
die Bakterienpartikel
Die Zeovitmehthode macht das gleiche und noch etwas mehr:
5) sie fördert die Nitrifikation über die Ammoniumadsorption auf dem Zeolith
6) sie führt wichtige Nährstoffe in verwertbarer Form zu
7) das Zeolith selbst ist sehr wahrscheinlich über die Freisetzung von
Eisen und Mangan an der Wasserklärung beteiligt.
Die beiden Methoden sind also vergleichbar, nur das die Zeovit-Methode
wie gesagt eine Komplettmethode ist, die Ethanoldosierung aber nicht.
Was Thomas Pohl geschrieben hat, ist mir völlig egal. Ich verdiene im
Gegensatz zu anderen Leuten in der Aquaristikszene kein Geld. Er wird
seine Gründe haben, den Test so zu schreiben, wie er es getan hat.
Was ich im Kopf habe, ist das, was ich in Sindelfingen erzählt habe:
Eine Methode zu etablieren und bekannt zu machen, mit der man auf sichere
Weise für eine Mehrheit von Aquarianern den Gehalt an anorganischen Nährstoffen
senken kann, um es damit möglich zu machen, dass wir uns auf die Entwicklung
von geeigneten Futtermitteln konzentrieren können und entsprechende
Mengen an Futtermitteln ins Becken zu schütten. Das ist für mich
die Zukunft.
Es ist absolut lächerlich, die Farbigkeit von Korallen anhand einer
einzigen Methode fest zu machen. Eine Koralle wird farbig, wenn sie ideale
Voraussetzungen findet und die nötige Energie hat, um Chromoproteine
zu bilden. Dann macht sie das, und v.a. wenn sie der notwendigen
solaren Strahlung ausgesetzt ist. Und es gibt genügend Beispiele von
bunten Korallen mit allen möglichen Aquariensystemen.
Das Argument, eine blaue Koralle auch blau zu erhalten ist aus
biologischer Sicht einfach unsinnig. Es mag aus aquaristischer Sicht
ein Ansporn sein, dies zu ermöglichen, aber damit macht man die
Aquaristik nicht besser oder schlechter, sondern hält sich mit
absolut unwesentlichen Dingen auf.
Wie viele Korallen habe ich im Riff gesammelt die grün, blau oder rot
waren und die sich unter Verwendung von natürlichem Meerwasser und
natürlichem Sonnenlicht in andere Farben in gleicher Intensität umgewandelt
haben. Es ist eine natürliche Sache, wenn sich Korallen umfärben, und das
passiert im Riff genau wie im Aquarium. Es weiß kein Wissenschaftler
und kein Aquarianer, warum das so ist. Aber es liegt sicher nicht an
einem bestimmten Aquariensystem.
Es aber als aquaristisch relevantes Kriterium anzusehen, eine Koralle in
der Farbe zu erhalten, wie sie importiert wurde, da kann ich mir nur
an den Kopf greifen. Als ob wir in der Aquaristik nicht vor genügend
anderen Problemen stehen würden, als dass wir uns mit so einem Kinderkram
beschäftigen müßten.
So langsam geht mir das Zeovit vs. Wodka Geschwatze und v.a. die Diskussion
über die Farbigkeit echt auf den Keks. Es soll jeder das machen, womit er
die besten Erfahrungen gemacht hat und gut ist.
Bei der Ethanoldosierung geht es um die Senkung von Nitrat und Phosphat und
um die Bereitstellung von Bakterioplankton. Fertig.