Hi Frank,
artgerechte Haltung ist definitionssache, und für mich sehr wohl ein Begriff, der in der Tieraltung nicht fehlen darf. Wie gesagt, es kommt darauf an, wie man artgerechte Haltung definiert, man kann sagen, "hauptsache, das Tier überlebt" (als extrem negatives Beispiel), oder "das Tier muß balzen und ablaichen" (als das andere Extrem, womit die Fischhaltung auf ein paar Arten beschränkt wäre). Dazwischen ist Spielraum, über den man diskutieren sollte.
Ich will mich hier nicht als aquaristischer Ordnungshüter oder super erfahrener Aquarianer aufspielen (was ich nicht bin), aber ich halte es für sinnvoll, über das Thema so "extrem" zu sprechen, damit man sich später, wenn man vor dem Händlerbecken steht, auch daran erinnert (so helfe ich mir im Prinzip selbst, wenn ich irgendwann mal vor der Situation stehe, dass ich mich in einen kleinen Palettendoc "verliebe"). Ein bißchen Abschreckung ist denke ich in dem Zusammenhang gut. Und ich rede niemanden ein schlechtes Gewissen ein, das hat jeder für sich selbst zu beurteilen, welchen Fisch er/sie sich nun kauft und welchen nicht. Wenn sich jemand einen Weißkehl kauft und dann ein schlechtes Gewissen hat oder auch keines hat, ist mir doch egal. Entweder man steht dazu oder nicht und läßt es halt bleiben, aber kaufen und dann schlechtes gewissen ist doch ziemlicher Blödsinn.
Bezüglich Balz- und Paarungsverhalten mag ich fehlinformiert sein, aber soweit ich weiß, sind Doktorfische freilaicher und keine Substratlaicher. Vielleicht weiß jemand mehr darüber.
Es fehlt nicht allen Fischen Platz im Aquarium, es gibt genug Fische die in der Natur auch nicht mehr Platz in Anspruch nehmen als im Aquarium. Dazu kommt dann der Schwimmstil- und der Bewegungsdrang. Letzterer ist bei Doktorfischen so extrem, dass man über Platzansprüchen kaum diskutieren kann, weil niemand so ein großes Becken hat. Ein navarchus oder Pfauenkaiser schwimmt in der Natur wie im Aquarium erstens langsam, sucht andauernd auf Steinen nach fressbaren, und dreht sich dann einfach um und schwimmt langsam zurück, schwimmt dabei in Höhlen und hat längst wieder vergessen, dass er sich umgedreht hat, wenn er was fressbares gefunden hat. Hier ist das Problem die artgerechte Ernährung mit Schwämmen etc., aber nicht unbedingt der Platzanspruch.
Das Kaiserfisch-Importverbot war vor meiner Zeit, und natürlich sind z.B. die Leute nach Luxembourg, Belgien oder Frankreich gefahren, und haben sie sich da geholt. Aber dabei ging es auch nicht um die Haltung an sich, sondern darum, dass man dachte, die Bestände damit zu sichern. Ich würde bei einem Importverbot für Doktorfische mit der Haltung argumentieren, nicht mit den Fangzahlen. Da sind aber wenigstens die Leute geziehlt in die Läden gefahren, und haben sie sich gekauft. Die meisten Doktoren verkaufen sich doch, weil sie gerade im Händlerbecken schwimmen und halt zufällig da sind. Meistens wissen die Leute doch gar nicht, was es für eine Art ist, und v.a. wie der Fisch drauf ist. Der japonicus z.B. hat so ein "liebes Gesicht", da würde wohl keiner drauf kommen, dass der ein Schweinehund ist.