Hallo Mirco,
den Atomausstieg haben nicht Lobbyisten diktiert. Es war das von Ideologien und Medienkampagnen beeinflusste Halbwissen einer deutlichen Bürgermehrheit.
Die Wind-und Solarenergie ist deshalb wesentlich teurer, weil hier einerseits die teuren Investitionskosten - z.B. der Offshore-Windanlagen oder der noch gar nicht vorhandenen Überlandleitungen - und andererseits die falschen Subventionsgarantien zu Buche schlagen. Hinzu kommt die mangelnde Beständigkeit dieser Energien. Mal müssen andere Energieträger aushelfen, wenn die Erneuerbaren nicht liefern, mal müssen Überkapazitäten "entsorgt" oder verschleudert werden, wenn plötzlich zuviel Strom erzeugt wird und extreme Schäden an Leitungen und Umspanneinrichtungen drohen. Dies kostet immense Summen!
Gleichzeitig fallen für den nicht benötigten Strom trotzdem die völlig überzogenen Entgelte an.
Unsozial ist dieses System ohnehin, was aber die Klientel der Grünen noch nie interessiert hat. Die alleinerziehende Mutter zahlt mit ihren knappen Mitteln die extrem angestiegenen Stromkosten und finanziert damit den Gewinn der Gutsituierten - nur die waren in der Lage entsprechende Investitionen zu tätigen.
Was auch gern vergessen wird, ist die Frage der Energiebilanz der Anlagen. Wieviel Energie ist notwendig für die Förderung und den Transport der Rohstoffe, den Herstellungsprozess und den Transport und Aufbau der Anlagen? Am KIT Karlsruhe (= Universität und Forschungszentrum) haben dies Maschinenbauer im Studium einmal berechnet, mit verheerenden Ergebnissen!
Natürlich war die Kernenergie auch nicht zum Nulltarif zu erhalten. Aber da waren die Investitionen zum großen Teil schon getätigt und unsere führende Rolle im Anlagenbau, die auch in der Zukunft weltweit weit bessere Sicherheit generiert hätte, hatte der deutschen Wirtschaft satte Gewinne (und uns Steuergelder) gebracht.
Richtig ist, dass das Endlagerproblem noch nicht gelöst ist, aber dies fällt so oder so an. Aber auch hier produzieren ideologische Scheuklappen ungeheure Zusatzkosten und verhindern wissenschaftlich exakt ermittelte Lösungen.
Es muss ja auch zu denken geben, dass keine große Industrienation unserem Beispiel folgt. Da kommt man dann immer mit einer Vorbildfunktion. Aber "am deutschen Wesen muss die Welt genesen" hatten wir ja schon einmal und sind damit zu recht gewaltige auf die Schnauze gefallen.
Bleibt noch der Wunderglauben an den Wüstenstrom: Das Problem ist, dass wir hier keine Wüsten haben, Leitungswiderstände einen verlustarmen Transport verhindern (ganz abgesehen davon, dass da auch ein unbezahlbares Leitungsnetz erst errichtet werden müsste), vor allem aber ganz einfache Dinge nicht bedacht wurden, die dazu geführt haben, dass alle Großinvestitoren aus derartigen Projekten wieder ausgestiegen sind: Niemand hatte nämlich die Sandstürme in der Wüste in seinem Kalkül. Diese bedecken nicht nur die Photovoltaikanlagen ständig mit Sand, sondern zerkratzen auch erheblich die Gläser. Daher vorerst nichts mit Wüstenstrom!
Man muss eben alles zu Ende denken und daran fehlt es leider viel zu oft.
Gruß
Bernd