Hallo Halbkanadier,
grundsätzlich ist der Ansatz richtig - und bei starken Algenproblemen auch der einzig wirklich wirksame - die Algen durch ständigen Entzug des für sie lebenswichtigen CO2 zu bekämpfen. Allerdings muss dies auch "richtig" gemacht werden. Da sind mir bei dir und den dir erteilten Ratschlägen einige Schwachpunkte aufgefallen.
Zunächst, anhand deiner Fotos bin ich mir recht sicher, dass es sich nicht um Cyanobakterien, sondern tatsächlich um eine Fadenalgenart handelt.
Fadenalgen treten besonders gern bei sehr nährstoffarmen, sauerstoffreichen und Kohlendioxid gesättigten Wasserverhältnissen auf. Deshalb findet man sie häufig auch bei neueingerichteten Becken und bevorzugt in stark durchströmten Bereichen.
Natürliche Fressfeinde wie Seeigel, Seehasen oder herbivore Fische können immer nur kleinere Algenbestände im Zaum halten. Es werden meist nur frische Kurztriebe gefressen, lange Fäden dagegen fast immer verschmäht. Ich habe vorbeugend immer Algenfresser im Becken; bei starker Ausbreitung sind sie aber wirkungslos.
Somit verbleibt als sinnvolle Maßnahme tatsächlich nur ein sehr langfristiger Entzug von CO2; langfristig deshalb, weil wir immer nur CO2-Untersättigungen, nie aber ein völliges Fehlen von CO2 erreichen können. Zwischen der Umgebungsluft und dem Wasser findet immer ein - allerdings sehr langsamer - CO2-Austausch statt; also je nach Situation ein CO2-Eintrag oder auch ein Abgabe. Durch Atmung der Fische und nächtlicher CO2-Abgabe der Algen sowie bei höherem CO2-Gehalt der Luft wird dem Aquarienwasser ständig CO2 zugeführt. Erreichen wir allerdings eine dauerhafte Untersättigung, dann fehlt den Algen im Lauf der Zeit der nötige Kohlenstoff, aus dem sie im Rahmen der Photosynthese Kohlenhydrate (Bestandteil ihres Organismus) bilden können.
Deine bisherigen Versuche hierzu waren offensichtlich nicht ausreichend!
Irrtümlich war schon der Ratschlag, die Alkalinität anzuheben. Entgegen der immer wieder in den Foren anzutreffenden Auffassung bewirkt eine höhere Alkalinität nämlich keine frühere CO2-Untersättigung, umgekehrt ist es der Fall! Diese entsteht bei KH 5,5 bereits ab einem pH-Wert 8,2, bei KH 8 aber erst bei pH 8,35. Ein dauerhaft stark erhöhter pH-Wert ist aber nötig, um auch dauerhaft CO2-untersättigte Wasserverhältnisse zu erreichen.
Durch die Verwendung von Atemkalk allein kann zwar der CO2-Eintrag aus der Luft etwas verringert werden. Dabei müsste aber die gesamte Luft für den Gasaustausch mit dem Wasser, also der an der Wasseroberfläche und vor allem der im Abschäumer, über Atemkalk laufen. Auch ist dieser Effekt viel zu gering, um eine ausreichende Wirkung zu erreichen.
Wirklich erfolgreich ist daher eigentlich nur die sogenannte "Kalkwassermethode", bei der dauerhaft - ganz besonders wichtig vor allem auch nachts!!! - der pH-Wert bei etwa 8,6 - 8,8 gehalten wird. Dadurch entstehen wirklich dauerhaft CO2-untersättigte Verhältnisse ohne Erholungspausen für die Algen.
Die Methode ist etwas umständlich und muss wirklich lange aufrecht erhalten werden, hilft dann aber auch zuverlässig.
Wie ich dies mache, siehe hier:https://www.riffaquaristikforum.de/content/31-kal…lgen-und-andere
Gruß
Bernd