Hallo Thomas und Rüdiger,
danke für deine Beschreibung. Die beschriebene Lösung ist aber im Grundsatz keine Neuerung!
Gelöstes reines Calciumhydroxid, also Kalkmilch und kein Kombipräparat, hat einen pH-Wert von ca. 12,5. Durch die Zugabe kann man den pH-Wert anheben und gleichzeitig die Ca-Konzentration erhöhen bzw. den Ca-Verbrauch ausgleichen. Rüdiger, die Dosierung lässt sich aufgrund der individuellen Verhältnisse (Verbrauch, CO2-Eintrag, Säurebildung im Rahmen von Abbauprozessen) kaum rechnerisch oder über pauschale Tabellen ermitteln. Geht es "nur" um den pH-Wert, so muss man die Dosierung durch laufende Messungen des pH-Wertes bestimmen.
Die reine Kalkwasserzugabe hat aber ihre Grenzen und Probleme: Zunächst kann man nur soviel Kalkwasser zugeben, wie Wasser aus dem Becken verdunstet. Andernfalls würde man die Salinität des Beckenwassers senken.
Theoretisch könnte man das Calciumhydroxid auch direkt ins Aquarium geben, aber dies macht auch wenig Sinn. Erstens löst es sich im Wasser schlecht (nur 1,7 g pro 1 L Wasser) und zweitens kann der nicht gelöste Rest je nach Reinheitsgrad div. ungewollte Rückstände enthalten. Wegen der ätzenden Wirkung käme auch nur eine Zugabe in einem von den Tieren getrennten Bereich infrage.
Wegen der schlechten Löslichkeit setzt man das Kalkwasser daher getrennt mit einem Überschuss Calciumhydroxid an und gibt nur das gelöste Kalkwasser ohne den entstandenen Bodensatz zu.
Das dritte Problem hierbei ist der Umstand, dass damit keine Carbonat-Ionen direkt ins Aquarium kommen. Die Calciumkonzentration könnte also in einem Übermaß steigen, die Alkalinität und damit das Pufferungsvermögen aber unzureichend bleiben. Je nach Situation, also Atmung, Fütterung, CO2-Produktion oder Verbrauch etc. entstehen ja ständige Schwankungen im CO2-Status des Beckens mit Einfluss auf den pH-Wert.
Kalkwasser selbst kann allenfalls indirekt die Carbonatmenge erhöhen, wenn nämlich durch die Erhöhung des pH-Wertes das Carbonatgleichgewicht Richtung CO2-Untersättigung verschoben wird und nun - und nur dann !!! - durch einen optimalen Gasaustausch mit der Umgebungsluft ausreichend CO2 geliefert wird, um Hydrogencarbonate zu bilden.
Um dies alles ständig zu regeln und zu steuern, bräuchte man einen riesigen Kontrollaufwand. Einfacher geht dies, wenn man parallel zusätzlich mit einem Kalkreaktor arbeitet, da sich Kalkreaktor und Kalkwasser mit ihren gegensätzlichen Auswirkungen auf den pH-Wert gut ausgleichen.
Um diesem technischen Aufwand zu umgehen, der sich nicht bei jedem kleineren Becken lohnt, haben sich die Balling-Methode, die von unserem Forenfreund Hans-Werner eingeführt wurde, sowie deren Abwandlungen recht breit etabliert.
Es führen also viele Wege nach Rom, und in der Praxis können alle gute Erfolge nachweisen.
Gruß
Bernd