Fisch&Reptil 2003 - Pressespiegel

  • Aus der Stuttgarter Zeitung vom 29.11.2003

    Das Paradoxe an der Liebe zu Tieren aus dem Meer

    Wie der Film "Findet Nemo" den Handel ankurbelt und was die Aussteller der Sindelfinger Messe "Fisch & Reptil" davon halten

    SINDELFINGEN. Der Handel mit Aquarien- und Terrarientieren ist ein millionenschweres Geschäft, das boomt. Das zeigt auch die "Fisch & Reptil", eine der drei größten Messen dieser Branche. Dort will man den Trend durch den Kinofilm "Findet Nemo" nutzen.

    Von Anja Tröster

    "Nemo" lautet der Kampfschrei, mit dem zurzeit viele Familien die Aquariengeschäfte stürmen. Nicht nur Kinder sind begeistert vom Charme des (früher einmal Clownfisch genannten) Orangeringelfisches aus dem gleichnamigen Kinofilm. Die Begeisterung führt viele so kurz vor Weihnachten geradewegs in die Aquariengeschäfte der Region. Dort ist man ebenso wie bei der Sindelfinger Messe auf die neue Klientel vorbereitet: Die Firma Tetra etwa wirbt für ein Komplettset in mehreren verschiedenen Größen - 54, 72 und 112 Liter - mit Nemos Konterfei.

    Ein Etikettenschwindel: In solch kleinen Aquarien lassen sich keine Meerwasserfische halten. "Ich habe wegen Nemo noch keinen einzigen Orangeringelfisch verkauft", betont der promovierte Biologe Gerald Meixner von Florazoo in Filderstadt deshalb auch. "Wenn die Leute hören, was man zur Haltung dieser Tiere alles an Technik benötigt, dann ist ihnen das meistens zu teuer." Stattdessen versuchen Zoofachhändler die Einsteiger zu robusten Süßwasserfischen wie Guppys, Platys und Welsen zu überreden. "Wir Händler sind nicht unbedingt glücklich über diesen Film", behauptet Claude Schuhmacher, der Organisator der Messe. Vor allem deshalb, weil Nemo am Ende durchs Klo in die Freiheit taucht. Für einen echten Fisch wäre das der sichere Tod, wie er betont.

    Dennoch betrachtet Norbert Zajac, Deutschlands größter Zooversandhändler und Mitveranstalter der Messe, den Kinofilm "als Chance" für den Fachhandel. "Wir bekommen so eine neue Zielgruppe für ein Hobby, das bisher meistens von der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen wurde", sagt er. Und ködert Anfänger mit der Aussicht, dass mit spätestens zwei bis fünf Jahren Erfahrung die Haltung von Meerwasserfischen machbar sei.

    Die Innsbrucker Verhaltensforscherin Ellen Thaler, die als Autorin im Fachmagazin Koralle des Natur- und Tier-Verlags schreibt, schüttelt über den aktuellen Nemo-Trend nur den Kopf: "Was mich am meisten fasziniert, ist die Tatsache, dass offenbar niemand richtig hinschaut - schließlich handelt der Film davon, wie schlecht es den Tieren in dem Aquarium geht!"

    Doch die Kinobesucher erliegen reihenweise dem Charme der Tiere. Zwei Prozent der Deutschen halten laut Norbert Zajac Aquarienfische, zwei Promille sind Terrarianer. Die Zahl der potenziellen Kunden ist also groß. Laut Greenpeace ist die Bundesrepublik nach den USA und Japan der drittgrößte Markt weltweit. Für viele Drittweltländer sind Aquarienfische ein wichtiger Exportartikel - seien es Neonsalmler aus dem Amazonasbecken oder Gelbe Seebader aus der Region um die Inseln von Hawaii. Ein Millionengeschäft: "Die Gewinnspannen sind hier größer als im Drogenhandel", sagt Ellen Thaler.

    Tatsächlich werden die Bedürfnisse der Tiere dem Geschäft zuliebe oft untergeordnet. In einem Zuffenhauser Zoogeschäft etwa schwimmen zurzeit zwei knapp einen Meter lange Schwarzspitzenriffhaie. Auch in einem mannshohen Aquarium können die Jäger sich kaum artgerecht bewegen. Doch Haie sind in, wie jeder Beobachter der Aquaristik weiß. Und der Preis von knapp 2000 Euro pro Tier spricht für sich. Auch Norbert Zajac glaubt fest daran, dass diese Haie in einem Aquarium artgerecht gehalten werden können - "es kommt eben drauf an, in welchem".

    Ellen Thaler dagegen tut ein solcher Anblick weh. Als sie ihre Kritik an der Verbrauchsaquaristik auch im Fachmagazin "Datz" äußerte, gab es sogar Morddrohungen. Weil ihre aufrüttelnden Worte kaum wirkten, glaubt Thaler inzwischen nur noch an ein Mittel: "Die Tiere so teuer wie möglich verkaufen, damit es wenigstens wehtut, wenn eines stirbt." Nur so lasse sich die "Verbrauchsaquaristik" einschränken.

    Claude Schuhmacher, der Organisator der Sindelfinger Messe, ist da optimistischer. Ökonomie und Ökologie lassen sich aus seiner Sicht durchaus vereinbaren: "Nur gesunde Fische bringen auch Umsatz", sagt er. Aus diesem Grund arbeitet er als Händler mit einer Fangstation auf der philippinischen Insel Cebu zusammen, die von dem deutschen Meeresbiologen Thomas Heeger geleitet wird. Sie arbeitet als eine der ersten Fangstationen nach den Richtlinien des International Marine Aquarium Council (Mac).

    Dieser Verband will eine Zertifizierung für nachhaltigen Handel durchsetzen, die vor allem den Fischern vor Ort mehr Einkommen bringen soll, ähnlich wie das bei fair gehandeltem Kaffee passiert. Mac wird inzwischen nicht nur vom World Wildlife Fund unterstützt, sondern auch von den UN als Nichtregierungsorganisation und Kooperationspartner anerkannt. Wer Fische von einem Mac-zertifizierten Händler kauft, sagt Schuhmacher, kann sich sicher sein, dass sie aus einem nachhaltig bewirtschafteten Riff kommen und nicht mit Gift gefangen wurden. Ellen Thaler, die mehrfach Fische aus Thomas Heegers Fangstation bezogen hat, bestätigt den spürbaren Unterschied. "Ich war sehr erstaunt, was für fantastisch gesunde Fische ich bekommen habe", sagt die österreichische Verhaltensforscherin.

    Für die Gesundheit solcher Tiere müssen Aquarianer allerdings einen höheren Preis bezahlen. Ob sie dazu bereit sind, muss sich noch zeigen. Ellen Thaler ist skeptisch, dass der nachhaltige Handel auf lange Sicht funktionieren wird. "Das Repertoire, das gefragt wird, wird er langfristig mit diesen Fangmethoden kaum abdecken können", glaubt sie. Claude Schuhmacher, der sich als einer der ersten deutschen Betriebe zurzeit der Mac-Zertifizierung unterzieht, glaubt allerdings fest an das Umweltbewusstsein seiner Kunden - und dass Aquarianer gewillt sind, ihren Beitrag zur Erhaltung der von ihnen gepflegten Fische und Korallen zu leisten.

    Unter der Internet-Adresse http://www.fisch-reptil.de gibt es Informationen zur Messe. Am Sonntag, 30. November, referiert der Bremer Wissenschaftler Mark Wunsch um 10.30 Uhr über die Versuche, Korallen in Farmen zu züchten und damit Riffe wieder aufzuforsten.

  • Aus der Stuttgarter Zeitung vom 26.11.2003

    Dreitägige Messe zu Fischen und Reptilien

    SINDELFINGEN (aja). Am Freitag, 28. November, um 14 Uhr beginnt in Sindelfingen die dreitägige Fachmesse Fisch & Reptil, die sich vor allem an Aquarianer und Terrarianer wendet. Sie zählt zu den drei größten Messen dieser Branche in der Bundesrepublik. Mehr als 100 Aussteller präsentieren in der Messehalle technische Neuheiten. Im so genannten "Aqua-Terra-Symposium" referieren an allen drei Tagen Autodidakten und auch Wissenschaftler über neue Erkenntnisse bei Zucht und Haltung ihrer Tiere. Eine Diashow über die Riffe der Malediven (Sonntag, 15.30 Uhr) sowie ein Vortrag über das Potenzial von Korallenfarmen (Sonntag, 10.30 Uhr) dürfte nicht nur Fachleute, sondern auch interessierte Laien ansprechen. Außerdem stellt sich der Förderkreis Korallenriff vor, der mit Spenden die Kinder von Fischerfamilien auf den Philippinen unterstützen will. Die Messe hat freitags, samstags und sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

    [B]

  • Zitat

    Original von C. Schuhmacher
    Ohh man

    als wenn ich das so zu Ihr gesagt hätte .....


    Gruss Claude

    *g*

  • Hallo Claude!

    Tröste Dich, selbst wenn Du nichts gesagt hättest wäre das falsch zitiert worden :grinning_squinting_face:


    "just keep swimming ..." (Dori)

    Gruß,

    Michael

  • Hallo,

    ...selbst wenn Du nichts sagst, hast Du gegenüber der Presse schon eine Aussage gemacht!

    Grüße

    Markus

    Grüße aus Tirol - dem Herz der Alpen
    PS: wozu an die See fahren, wenn man "Meer" zuhause hat?

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