Stickstoffhaltige Aminosäuren

  • Hallo Forum
    Mit großem Interesse verfolge ich die Threats ums Thema Nitratzuführung in nährstofflimitierten Becken. Also direkter NO3 Zugabe in Form von Calziumnitrat
    Hat jemand Erfahrungen mit einer geziehlten Gabe von Stickstoffhaltigen Aminosäuren, ich denke da an Glutamin, Lysin oder Arginin. Diese Aminosäuren besitze ja zusätslich zum N der Aminogruppe noch weitere Stickstoffmoleküle, bringen also in der Abbaubilanz noch zusätzliches Nitrat.
    Hätte also den Vorteil das man die Korallen erst mit "leckeren" Aminos füttert und nach dem Abbau noch was gegen die Nährstofflimitierung tut.

    Grüße von Lars

  • Hallo Lars!

    Du bist der Ansicht, daß das weitere Stickstoffatom nicht genutzt und ausgeschieden wird, während der Rest des Gerüstes irgendwie genutzt wird. Prinzipiell bestehen zwei Möglichkeiten für die Nutzung von Aminosäuren (AS): 1.) Einbau in Peptide (Eiweiße) oder 2.) Zerlegung des Moleküls und Verstoffwechselung der Bestandteile, entweder zum Aufbau anderer Substanzen oder Oxidation zur Energiegewinnung.

    Ich kenne mich nicht genau genug mit dem Stoffwechsel von Korallen aus (um die geht es uns ja hauptsächlich, wenn wir von Nährstofflimitation sprechen), um sicher sagen zu können, wie diese mit aufgenommenen AS umgehen, aber ich wage einmal die Vermutung, daß das primäre Bestreben sein wird, die AS direkt dem Proteinstoffwechsel zuzuführen, und daß nur sekundär (bei einem Überangebot) eine so "wertvolle" Verbindung wie eine AS in anderen Stoffwechselwegen landet.

    Von daher ist die Bevorzugung von AS mit zusätzlichen Stickstoffatomen m.E. sinnlos. Aber auch wenn die AS verstoffwechselt wird ist für mich die wichtigere Frage: Welche AS sind essentiell für die Korallen, d.h. können von ihr nicht sysnthetisiert werden. Falls es essentielle AS für Korallen gibt, dann sollten diese gezielt zugeführt werden. Ich denke das würde mehr bringen.

    Gruß,

    Michael

  • Hab mich vielleicht mißverständlich aus gedrückt.
    Ich bin nicht der Meinung das das zusätzliche N Molekühl ausgeschieden wird.
    Mein Denkfehler war , daß ich gar nicht auf den Korallen stoffwechsel eingegangen bin, sondern mir nur überlegt habe das überschüssige Aminosäuren von den Bakterien verstoffwechselt werden und schließlich als Nitrat übrig bleiben.
    An das Stichwort "essentiell" habe ich nicht gedacht, aber ich muß Dir recht geben das dies natürlich wichtiger ist als die NO3 Erhöhung durch die Bakterien
    Danke für den Denkanstoß

  • Hallo Lars!

    Ich finde die Thematik schon interessant. Es dürfte klar sein, daß die Aminosäuren eine gut von Korallen verwertbare Form organisch gebundenen Stickstoffs darstellt. Die Zugabe von Aminosäuren wird ja von vielen Aquarianern aus diesem Forum durchgeführt. Wobei allerdings auch schon die Vermutung aufkam, ob (zumindest unter bestimmten Bedingungen) die Aminosäurezugabe nicht auch den Wuchs von Cyanos fördert.

    Von daher hielte ich eine Klärung der Frage, ob es für Korallen essentielle Aminosäuren (AS) gibt, für sehr interessant. Denn eine nicht selektionierte Zufuhr von AS nutzt nichts, wenn essentielle AS fehlen oder zu gering dosiert sind (auch wieder eine Limitation). Vielleicht kann ja Jörg Kokott, der sich mit dem Stoffwechsel der Korallen sehr gut auskennt, zu diesem Thema noch etwas beitragen?

    Gruß,

    Michael

  • Hallo Lars,

    für das Aquarium stellt sich zunächst die Frage, wer von den Aminosäuren in erster Linie profitiert, Bakterien oder Korallen.
    Ich würde vermuten, dass die Bakterien den größeren Teil ergattern, da sie im Erwerb von Nährstoffen besonders kompetent sind, wenn man das so allgemein formulieren darf.
    Die Bakterien entziehen dann dem Wasser Phosphat und Spurenelemente. Ersteres ist m. E. der Grund für das Aufkommen der Cyanobakterien, die die Phosphate im Boden/Deko besonders gut aufschließen und verwerten können. Das Wasser sollte dann bereits sehr phosphatarm sein. (Um das genau nachzuvollziehen bräuchte man mehr zuverlässige Werte, von denen, die das Cyano-Problem durch Aminosäuren haben.)
    Grund, weshalb das Cyano-Problem vor allem bei Aminosäuren und nicht bei Nitrat oder Ammonium auftritt, ist das zusätzliche Kohlenstoffskelett, das den Bakterien (vor allem den heterotrophen) als Energiequelle dient und die gute Verwertbarkeit des Stickstoffs ohne Reduktion.
    Ist es tatsächlich so, dass der sehr niedrige Phosphatgehalt im Wasser die Cyanos begünstigt, wofür nach meinen Beobachtungen einiges spricht, ist auch das Wachstum der Korallen phosphat-limitiert. In diesem Zustand werden Aminosäuren von den Korallen nicht mehr verwertet, sondern mit dem Schleim abgegeben. Das trifft sogar auf Aminosäuren, die von den Zooxanthellen an die Korallen abgegeben werden, zu. Der Korallenschleim soll ein sehr enges Kohlenstoff:Stickstoff-Verhältnis haben.
    Glutamat könnte beim Skelettaufbau der Steinkorallen eine Rolle spielen. Zumindest nutzen viele Kalkbildner ammoniakabspaltende Enzyme bei der Skelettbildung. Solche Enzyme wurden in Korallen auch nachgewiesen.
    Kurz gesagt führt meines Erachtens die fortgesetzte Zufuhr von Aminosäuren früher oder später zu allgemein phosphatlimitiertem Wachstum im Aquarium. Ob das ein Problem wird, hängt von Intensität der Abschäumung usw. ab.
    Kurzfristig sind Aminosäuren sicher eine gute Stickstoffquelle für Korallen. Bei Bakterien hängt es sehr von anderen Faktoren (organischer Kohlenstoff im Wasser usw.) ab, ob der Stickstoff von den Bakterien freigesetzt und die Kohlenstoffskelette für den Energiestoffwechsel genutzt werden, oder ob die Aminosäuren in Eiweiße eingebaut und so voll in Wachstum umgesetzt werden.

    Grüße

    Hans-Werner

    Einmal editiert, zuletzt von Hans-Werner (26. März 2004 um 09:08)

  • Hallo Hans Werner! (tatsächlich der Große H.W. B...??? wenn ja tiefste Verbeugung, wenn nicht auch egal)
    auf jedenfall vielen, vielen Dank für deine Antwort!
    Die Materie ist auf jeden Fall mal wieder komplexer als man so denkt :winking_face:
    Die Konkurenz zwische Korallen und Bakterien inklusive Cyanos habe ich natürlich übersehen. Auch die "Kohlenstoffdüngung" und dadurch eine evtuelle PO4 Limitierung war mir nicht in letzter Konsequenz klar.
    Also bleibt die N03 Düngung sicher das bessere Mittel.
    Grüße Lars
    P.S. @ all: Macht echt Spaß hier im Forum!!! :smiling_face:

  • Sayonara Lars, ebenfalls tiefe Verbeugung,

    nicht alle Korallen sind von Nitrat uneingeschränkt begeistert, manche SPS scheinen Nitrat als überwiegende Stickstoffquelle nicht so zu mögen, die Aquarienzucht-Klone (z. B. von Bernd Mohr) wachsen aber sehr gut damit.
    Also, wie immer, zwei Seiten. Man kann´s sowieso kaum allen recht machen.

    Grüße

    Hans-Werner

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!