Rieselfilter mit Lebendgestein

  • Hallo,
    Ich bin dabei mir ein Riffbecken aufzubauen 150x100x75 LxTxH

    Ich habe 2 langjährige Meeresaquarianer aus der Umgebung zu Rate gezogen. Es sind 2 langjährige Meeres-Aquarianer und die raten mir unbedingt zu einem Rieselfilter mit Lebendgestein . Das heist: Das Lebendgestein liegt über dem Wasserspiegel und wird dann berieselt.
    Damit bekäme man gute Sauerstoffwerte im Wasser. Ausserdem sagen die beiden :
    Lieber etwas Nitrat als Nitrit im Becken, ein Rieselfilter baut ja Nitrit ab.
    Beide haben an einem Vortrag über biologische Filterung in einem Club teilgenommen, und auch dort war man vom Rieselfilter nicht negativ eingestellt.

    Da ich jedoch überall gelesen habe das : Rieselfilter = Nitratschleuder und ich ein Korallenriff-becken bauen möchte , nun meine Frage.

    Was haltet ihr davon . Würde diese Art Rieselfilter auch Nitrat produzieren.
    Wenn ja, wie kann ich meine Bekannten überzeugen das ein Rieselfilter nicht mehr 'up to Date' ist ?
    Gibt es da eine Studio oder ähnliches zu.
    Und wie steht es mit dem Abbau von Nitrit. Schafft das Lebendgestein das ganz alleine ?

    Die Fragen sind vielleicht blöd aber ich bin halt Anfänger und möchte Fehler soweit wie möglich vermeiden.

    mfg
    Herbert

  • Hallo Herbert,

    als Einstieg mal folgende Aussage: "Ein Rieselfilter ist grundsätzlich nicht mehr zeitgemäß" Dies ist eine mit Sicherheit 100%ig richtige Aussage. Aber wie im richtigen Leben keine Regal ohne Ausnahmen.

    Die wichtigste Ausnahme ist: "never change a running System", daß heißt das Deine Bekannten mit ihren funktionierenden Systemen mit Rieselfilter keinerlei Grund haben dieses System zu ändern solange es zu ihrer vollen Zufriedenheit läuft.

    Wenn Du aber nun ein neues Becken einfährst, so liegt es an Dir im Vorfeld zu bestimmen nach welchen Grundsystem es laufen soll. Da Du Dich selber als Anfänger siehst, denke ich, daß es wohl das sinnvollste ist mit einem überschaubaren und jederzeit ausbaufähigem System zu beginnen. Da bietet sich dann einfach das Berliner System mit viel Licht, viel Strömung und einem ausreichend bis mehr als ausreichendem Abschäumer.
    Dieses System hat mehrere Vorteile:

    1. es ist einfach
    2. es ist überschaubar
    3. es ist ausbaufähig
    4. es ist über viele Jahre erprobt
    5. es birgt eine relative "Knautschzone" bei kleineren Unfällen.

    Wenn Du nun mit diesem System fährst und nach einiger Zeit selber weißt was für Tiere Du pflegen möchtest, welche Bedingungen diese brauchen und welche Möglichkeiten Du hast. Du dazu noch einiges mehr an Wissen über komplexere Systeme bekommen hast, dann kannst Du das Berliner System mit nahezu allen anderen Systemen kombinieren, bzw sugsessiv das System ändern.

    Bei mir sah das z.B. so aus, daß ich mich nach einiger Zeit dafür entschieden habe ein Jaubertsystem im Bypass zu betreiben und seit kürzester Zeit sogar testweise einen äroben Filter mit Rieselfilterkarakter integriert habe. Dies allerdings dann wieder in Zusammenhang mit der Vodkamethode nach J. Kokott und M. Mrutzek. Und all das basiert aber nach wie vor auf dem Berliner System mit Abschäumer, Strömung und Licht.

    Zu guter letzt die Antwort auf Deine Frage bzgl. Nitratschleuder. Ja, ein Rieselfilter ist eine Nitratschleuder, kann ja auch nicht anders sein. Im Rieselfilter wird u.a. Nitrit mit Sauerstiff zu Nitrat gewandelt, dies hatte vor geraumer Zeit auch seinen Nutzten, nämlich als das Hauptaugenmerk noch auf den Fischen lag und nicht auf den Korallen. Nitrit ist heute natürlch noch genauso schädlich/giftig wie früher, nur haben sich heute einfach die biologischen Bedingungen in unseren Aquarien geändert. Mit einem ausgewogenen Besatz an wirbellosen Tieren zu den Fischen und i.d.R. auch weniger Fisch/Liter helfen uns auch die Korallen beim Nährstoffkreislauf.
    Weiters ist es so, daß die Schadstoffe schneller nitrifiziert werden (d.h. unter Sauerstoff zu NO3 als Endprodukt umgewandelt werden) als sie im Lebendgestein denitrifiziert (das heißt unter ausschluß von Sauerstoff) wieder zu stickstoff und Sauerstoff reduzeirt werden. Aufgrund dieser Tatsache wird sich in aller Regel NO3 immer weiter erhöhen da es schneller produziert als abgebaut wird.

    Ein kleiner Denkanstoß dafür sind die Fertigbecken von Aquamedic, da gibt es zuerst einen Abschäumer, dann einen Rieselfilter und nach dem Rieselfilter einen Nitratreductor. Stellt scih einem die Frage warum man hier 2 Filtersysteme kombiniert die sich gegenseitig aufheben?

    Andreas!

  • Hallo Herbert!

    Biologische (= mit Bakterien besiedelte) Filter produzieren im Rahmen der sog. Nitrifikation aus den Abbauprodukten von organischen Substanzen immer Nitrat. Dabei wird aus Ammoniak/Ammoniumion (NH[T]3[/T]/NH[T]4[/T][H]+[/H]) zunächst Nitrit (N0[T]2[/T][H]-[/H]) und daraus dann Nitrat (N0[T]3[/T][H]-[/H]). Dies ist unabhängig von der Konstruktion des Filters (Topffilter, Rieselfilter). Die Konstruktion des Filters kann aber die Effizienz beeinflußen.

    Warum man allerdings Lebendgestein (LG) als Material nehmen sollte, daß ist mir völlig unklar. Nicht nur, daß es teuer ist, es kann möglicherweise durch den weniger intensiven Kontakt mit Wasser auch nicht sein volles Potential zeigen. Im Inneren von LG kommt es nämlich zur sog. Denitrifikation (Reduktion von Nitrat zu elemantarem Stickstoff). Ich könnte mir vorstellen, daß das LG im Inneren austrocknet, wenn es nur berieselt wird und nicht vollständig eingetaucht ist. Dies würde die denitrifizierenden Bakterien abtöten und der eigentliche Sinn des LG wäre hin.

    Ein Rieselfilter erzeugt sehr wahrscheinlich auch keine höhere Sauerstoffsättigung des Wassers als ein richtig dimensionierter Abschäumer dies tut. Ich vermute sehr stark, daß Deine Bekannten keine Riffbecken mit Schwerpunkt Steinkorallen haben, sondern eher Becken mit Schwerpunkt auf Fischen und Weichkorallen mit vielleicht einzelnen (unempfindlicheren) Steinkorallen - oder? Bei einem reinen oder überwiegenden Fischbecken macht ein biologischer Filter durchaus einen Sinn. Ansonsten: Berliner System mit LG 0,5-1 Kg/10 Liter Wasser und einem Abschäumer, der etwa das 1,5- bis 2-fachedes Beckeninhalts pro Stunde durchsetzt. Zusätzlich Strömung mit einem 10- bis 20-fachen Umsatz des Beckenvolumens pro Stunde.

    Gruß,

    Michael

  • Hallo Herbert :smiling_face:

    Letzlich würde Dir ein guter Abschäumer und eine gutes Riffgestein besser helfen als so eine Art Filter. Warum sich das antun ?
    Ich kann mir vorstellen das es bei dem einen oder anderen ja noch klappen mag, aber wenn ich die Ausage höre, lieber etas mehr nitrat als nitrit, das lässt den schluss zu das die Nitratwerte nicht wirklich gering sind.

    Ich verstehe den Gedankengang nicht noch so eine Art Filter einzubringen ? Mir ist klar das viele langjährige Aquarianer oder auch Anlagenbauer immer noch mit Rieselfiltersystemen bauen, aber langfristig klagen die meisten ´dann über Ihre Nitratprobleme.

    Einzig und alleine in einem Fischbecken käme noch ein solche Filter für mich infrage. aber ich denke in der modernen Korallenhaltung etc. hat ein Rieselfilter eher nachteile denn vorteile.

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