Hallo zusammen,
ich möchte mich gerne der Vermutung von Hans-Werner anschliessen, nämlich der Theorie eines zu schnell gesenkten PO4-Wertes und seinen bösen Folgen. Dieses Szenario blieb damals auch mir nicht erspart. Ich hatte schon in einigen früheren Beiträgen darauf aufmerksam gemacht, erzähle es aber gerne wieder.
Zuerst war nur eine Acropora betroffen. Dann, im Verlauf von wenigen Tagen, spulte sich der komplette Gau ab:
Ich habe damals meinen ganzen Bestand an Acros verloren! Die Schäden begannen an der Basis und nichts konnte den weiteren Verfall aufhalten.
An der Grenze zwischen dem toten und dem (noch) lebenden Gewebe fand ich eine gallertähnliche Masse, die sich aber trotz Absaugens immer wieder neu regenerierte. Am nächsten Tag war sie wieder da, der rapide Krankheitsverlauf war nicht aufzuhalten. Höchstwahrscheinlich eine immer wiederkehrende Ansammlung von Bakterienschleim, Protozoen, war damals meine Vermutung.
Nun muss ich dazu sagen, daß sich dieses Drama in einem, mit etlichen, großen Fischen besetzten Riffbecken abspielte. Dementsprechend waren die Werte von NO3 und PO4 nie nahe an einer Limitierung. Ganz im Gegenteil!
Zu dieser Zeit war die Zeolith-Methode in aller Munde. Die Filterung über Zeolith war durch die Teichpflege im Süsswasserbereich bekannt, steckte für die Meerwasseraquaristik noch in den Kinderschuhen. Es gab damals nur einen Händler, der eine bestimmte Zeolithart für die Verwendung im Meerwasser anbot. Heute gibt es Zeolith in allen Varianten.
Ich versprach mir von dieser Anwendung die Senkung von Phosphat und auch ggf. von anderen Belastungen. Weil ich allem Neuen in der Meerwasseraquaristik offen gegenüberstand, wurde flux das besagte Material besorgt.
Leider hatte mir damals niemand gesagt, dass bei alten Becken, also nicht nach Neueinrichtungen, die Menge an Zeolith halbiert werden musste. Also nahm ich die Standardmenge, plus 10%.
Zuerst fielen mir die weit geöffneten Polypen der Acroporen auf. Das kannte ich bislang nicht. Jedenfalls nicht tagsüber und nicht in diesem Größe.
Jetzt aber kam der Kardinalfehler, den ich bei Nährstoffsenkern, egal welcher Art, nie mehr machen würde. Durch das „Aufblühen“ meiner Korallen verleitet, wurde die Überprüfung der Wasserwerte total vernachlässigt. Man kann sagen, ich habe mir das geschenkt, weil ich auf das positive Bild hereingefallen bin, dass mich damals stark beeindruckte . Nach so viel positiver Wahrnehmung setzte wahrscheinlich mein analytisches Gehirn aus. Oder, was davon vorhanden war.
Ich hätte es nicht machen sollen, sondern die WW engmaschig überprüfen müssen!
Die ausgestreckten Polypen waren nämlich nicht ein Zeichen von purem Wohlsein, sondern von starkem Unwohlsein, d. h. die Korallen wurden stark gestresst. Sie waren sozusagen am verhungern.
All das habe ich nicht rechtzeitig erkannt und so nahm das Unglück seinen Lauf.
Erst viel später, als mehr Informationen über das Zeolith und seine Anwendung durchsickerten, verstand ich den Zusammenhang. Das ist jetzt mehr als 20 Jahre her......
Damals, wie jetzt, war die abrupte Senkung der Nährstoffe die Ursache für das Korallensterben.
Ich kann mich auch durchaus mit der These anfreunden, dass ein niedriger PH-Wert die Kalzifizierung zumindestens stört. Beides zusammen, die rasche Absenkung von PO4 und die temporäre Hemmung der Kalkbildung durch Übersäuerung scheint die Abwehrkraft der Koralle zu mindern und führt so zu den bekannten Erscheinungen. Natürlich gibt es Becken mit permanent niedrigem PH-Wert. Die Korallen wachsen auch unter diesen Bedingungen. Wie steht es aber dort mit den Nährstoffen? Ich nehme einmal an, dass in diesen Fällen eine Limitierung in weiter Ferne ist.
Gruß
Hajo