Hallo Ina, Hallo zusammen,
ich möchte nicht den möglichen Berichten anderer vorgreifen, aber deine Frage erinnert mich stark an die damalige Umfrage in einem amerikanischen Forum bezüglich der Lebenserwartungen von Grundeln im Aquarium. Es kam nur kleckerweise etwas rüber.
Das hatte auch seinen Grund, denn nicht jeder pflegt Grundeln und dann fehlte die nicht unwichtige Frage nach der jeweiligen Art.
Die Lebenserwartungen der Arten sind unterschiedlich zu sehen. Erstens ist das von Bedeutung und zweitens kommt man bei dieser Erhebung schwerlich weiter, denn die Pfleger dieser Arten sind begrenzt in ihrer Zahl und der (unterschiedlichen) Anzahl ihrer Tiere.
Wo wir beim eigentlichen Thema wären.
Ich behaupte einmal, dass das das Alter von Fahnenbarschen im Aquarium nicht nur von der Art und Anzahl (1:8, Michael) sondern auch vom kompletten Milieu eines fahnenbarschartigen Biotops abhängig ist. Damit meine ich zu allererst eine stimmige soziale Struktur, in der die Tiere zueinander stehen und sozial in ihr aufgehen. Verhältnis: 1 Männchen, 8 Weibchen (s. Michael 1998). Die Anzahl entspricht den Beobachtungen in der Natur. Selbst in einem riesigen Schwarm mit Dutzenden von Männchen soll das Verhältnis der Cluster ähnlich sein.
"Im Aquarium lernen Fahnenbarsche scheinbar, dass ihnen keine Gefahr mehr droht und das überlebenswichtige Gruppenverhalten verwahrlost, was in ausgiebigen Rangordnungsgefechten seine Auswirkungen zeigt. In zu kleinen Aquarien (kleiner 800l) kommt es dann vor, dass am Ende nur noch ein Exemplar - bestenfalls zwei Individuen - verbleiben (Michael 1998)"!
Es gibt Berichte über die Lebenserwartung im Aquarium von 2-19 Jahren! Das ist relativ zu sehen, denn es wird letztendlich meist nur über jene Tiere berichtet, die sich nicht mehr in Gesellschaft ihrer Artgenossen befinden, weil jene vorher verstorben, oder von ausgewachsenen alten Männchen. Fahnenbarsch-Resterampe. Bitte keine kleinen Aquarien und keine futterlose Zeiten! Erst wenn das gegeben ist, kann man die Lebenserwartungen untereinander und miteinander vergleichen. In den meisten Fällen kommt der Misserfolg und es bleibt letztendlich nur ein Tier übrig. Wie so oft.
Warum? Weil wir diesen schönen Tieren in unseren kleinen bis mittelgroßen Aquarien nicht die richtige Pflege bezüglich der Aufrechterhaltung ihrer sozialen Strukturen geben können. Oder ganz banal: Es fehlt im Aquarium die natürliche psychische Spannung.
Das Tier in der Gefangenschaft muss auf viele Reize verzichten, die sein Freileben abwechslungsreich und bis zu einem gewissen Grad aufregend gestaltet. Ein Tier, das in der Freiheit nicht achtgibt, fällt letztendlich einem Räuber zum Opfer und wird auf diesem natürlichen Wege aussortiert.
Im Aquarium hingegen sprengt die Langeweile die artspezifischen, sozialen Strukturen mit all den bekannten und unguten Nebenwirkungen.
Gruß
Hajo
