Hallo Doro,
"mich interessiert, ob ich gut beraten werde. Wenn ich zu hören kriege, mein Aquarium sei für ein Pärchen Clownfische zu klein, ich solle doch besser mindestens 1000 L aufstellen, gleicher Händler aber gleichzeitig an jeder Ecke Werbung für 35 L - Nanoriffaquarien macht, verliert besagter Händler stark an Glaubwürdigkeit."
1000l Beckengröße für ein Pärchen Amphiprion zu empfehlen spricht eher für den ausgeprägten Geschäftsinn des Händlers. Nach dem Motto: Ich kann´s ja mal versuchen…. 
Seriös ist das nicht.
Die Werbung des Händlers für Nano-Becken würde ich nicht unbedingt kritisieren. Diese Art der Unterbringung hat wohl auch seine Tücken, ist momentan aber nicht aus dem Handel wegzudenken. Grundkenntnisse in der Haltung von Meerestieren sollte man aber hier schon besitzen. Falls nicht, sollte der Handel aufklären und mit Rat und Tat zur Seite stehen. Mache Verkaufgespräche sind leider ausschließlich auf die Maximierung des eigenen Zugewinns ausgerichtet, wobei die eigentlich wichtigen Parameter wie z. B. die artgerechte Tierhaltung im eigentlichen Sinne, im Laufe des Gesprächs oft auf der Strecke bleibt. Das ist bedauerlich, da hier bereits die Weichen gestellt werden für den Erfolg oder den Misserfolg des interessierten Kunden mit Blick auf sein neues Hobby.
Eine kompetente Beratung ist Gold (Geld) wert. Für beide Seiten! Es wird Vertrauen geschaffen und an den späteren Erfolgen oder auch Misserfolgen lassen sich die vormaligen Empfehlungen und Tipps der Verkäufer messen. Nach dem Motto: „Zufriedene Mienen danken es Ihnen.“
Manch späterer „Notverkauf“ von Aquarien und Zubehör, annonciert in den einschlägigen Rubriken der Tageszeitungen, ist leider oft auch das Ergebnis einer inkompetenten Beratung.
"Die Nachfrage nach bunten Korallen ist gestiegen, mit ihr auch der Preis. De facto wird er durch die "Endverbraucher" bestimmt."
Wohl wahr..
Angebot und Nachfrage sind halt das Urprinzip jeden Handelns.
So war es immer schon. Je farbiger desto teuerer, je seltener desto teuerer.
Der Mangel an diesen so genannten Raritäten bestimmt über die Nachfrage den Preis. Und das weltweit. Wer sich mal die amerikanischen Händlerseiten im Internet angeschaut hat, wird feststellen müssen, dass farbige Tiere hier auch nicht zu Schleuderpreisen zu haben sind.
In den frühen Jahren der Meeresaquaristik wurden bereits „Mondpreise“ für
jene Tiere abverlangt, die außer ihrer braunen Grundfarbe z. B. zusätzlich noch ein schwaches Olivgrün zeigten.
"Würden plötzlich Alle Nachzuchten haben wollen, würden sich viel mehr Menschen die Mühe machen, diese Tiere nachzuzüchten und weil die Erfahrung in bisher allen anderen vergleichbaren Bereichen zeigt, dass der Preis zwar anfangs rauf geht, später dann aber sinkt bis er sich auf gesundes Maß eingependelt hat, bin ich der Meinung, auf schwer zu haltende Tiere zu verzichten und lieber die Kosten und Energie in die Nachzucht zu investieren."
Das Preisniveau passt sich meist automatisch an.
Wenn man bedenkt, was noch vor ein paar Jahren Acroporas gekostet haben….
In der Ära vor der „Stüber´schen Koralle“ glaubte man auch nicht an einen Erfolg versprechenden Durchbruch bei der Haltung von Acroporas und Co.
Der sich daraus entwickelte „Run“ wurde riesig.
Heute zeigen die fallenden Preise auch bei diesen Tieren, dass durch den Überschuss an Reproduktion Angebot und Nachfrage wirken. Und Acroporas sind farblich gesehen wohl kaum als „graue Mäuse“ zu bezeichnen.
"Was ich damit sagen will ist, dass der Preis sowohl vom Verkäufer, als auch vom Käufer gemacht wird. Ein notorischer Ladenhüter wird wohl nie den in Relation gleich hohen Preis erzielen wie die aquaristischen warmen Semmel."
„Notorische Ladenhüter“ sind im Handel eher selten anzutreffen. So lange die Nachfrage nach „warmen Semmeln“ boomt und die Lieferanten die an sie gestellten Erwartungen erfüllen können, sind Ladenhüter immer seltener geworden.
Man muss daher schon mit „Engelszungen“ reden um eine Sarcophyton, Sinularia, Gladiella oder eine Hornkorallenart von brauner Farbe dem Händler wieder anzubieten zu können. Manchmal klappt es, oft nicht. Selbst wenn diese Tiere für kleines Geld über den Ladentisch gehen, ist das Interesse bei den Kunden eher bescheiden.
"Aber wenn man sich ohne Beratung und auf blauem Dunst hin ein schwer zu haltendes Tier nach dem Anderen (dem verblichenen Vorgänger) holt, weil es vielleicht wenig kostet, habe ich dafür kein Verständnis.
Wenn ich sowas lese wie: "Nach dem 12. Exemplar hatte ich dann raus, dass die Tierart starke, direkte Strömung nicht toll findet..." frage ich mich, ob solche Leute wissen, dass sie auch Lebewesen da im Becken haben und ich finde diese Haltung traurig."
Solche Chaoten gibt es leider immer wieder. Sie bringen nicht das notwendige Verständnis für die Tiere auf, lesen keine Fachbücher und bilden sich nicht weiter. Sie missbrauchen das Aquarium oft nur für die Dekoration ihres Wohnbereiches.
Hier könnte der Handel helfen. Durch seine fachliche Kompetenz sollte es zumindest gelingen einigen Leuten dieses Hobby auszureden oder alternativ sie einem Verein zuführen, der sich mit der Haltung von Meerestieren beschäftigt. Dort wären sie gut aufgehoben.
Ich weiß, dies alles ist ein großes Wunschdenken. Die Wirklichkeit ist anders.
Gruß
Hajo