Hallo,
Anja
Jürgen, du willst wirklich von mir wissen, ob du einen guten oder einen schlechten Geschmack hast, wenn du alle drei Becken wunderschön findest?
Die eigentliche Frage war aber, ob du erkennen kannst, welches Becken von den dreien der veralteten Aquaristik entspricht. Diese Frage hast du nicht beantwortet.
Erst wenn man den Unterschied zwischen alter und moderner Aquaristik erkennen kann, kann man sich bewusst entscheiden.
Wenn man sich dann trotzdem für die alte Aquaristik entscheidet und dabei aber den insgesamt weniger Fischen viel mehr Schwimm- und Rückzugsraum gönnt als sonst so üblich, dann wäre es ok. Guter Geschmack hin oder her, denn vor allem sollte das Wohl der Tiere stehen.
Wie wahr.
Wenn ich mir die beiden ersten Fotos so betrachte, komme ich zu dem Ergebnis, dass es sich hier kaum um irgendwelche Nano-Becken handeln kann. Ergo kann man auch nicht davon ableiten, dass sich diese Abbilder in den Nano-Bereich 1:1 kopieren lassen. Das 1. Bild zeigt uns mindestens 3 Fische, die ihre maximale Größe mit 25 cm und mehr erreichen werden. Das allein spricht schon Bände. Einmal davon abgesehen, dass es nicht sinnvoll ist, wenn man zooxanthellate und azooxanthelate Weichkorallen miteinander vergesellschaftet. Eine Spezies wird dabei immer das Nachsehen haben.
Die Aufnahmen und die Wirkung der Bilder auf den Betrachter würde ich vordergründig als positiv bewerten. Nur, das ist nur die halbe Wahrheit. Die Aquarien unterliegen mit Absicht einem bestimmten optischen Blickwinkel, der möglicher Weise auch so gewünscht ist, aber dabei allerdings nur einen Teilausschnitt zeigt. Fair wäre es gewesen, die Komplettansicht so zu zeigen, wie es Foto Nr. 3 darstellt.
Wer sich ausnahmsweise einmal mit der Firmenseite des Urhebers dieser Fotos beschäftigt hat, dem wird sicherlich der „Aufmacher“, ein „Japanese“-Becken von ca. 360l Inhalt mit folgendem Besatz aufgefallen sein. (Also bestimmt kein Nano.)
“The tank houses primarily SPS corals, with a rainbow Ricordea and some Tub’s zoanthids being the only exceptions. Coral species include: A. nana, A. nobilis, A. tortuosa, A. formosa, A. horrida, S. hystrix, M. capricornis
Fishwise we gravitate towards Butterflyfish. We currently house: C. declivis, Roaops Hybrid (C. burgessi x C. flavocoronatus), and a mated pair of A. percula.”
Was ist hier zu sehen?:
Eine transparente Rundumeinsicht mit einem sterilen Glasboden und einer spärlichen Riffkonstruktion als Mittelpunkt. Großartige Rückzugsmöglichkeiten für die Falter sehe ich nicht. Anemonenfische ohne ihre Wirtsanemone mit Falterfischen auf engem Raum zu vergesellschaften, ist mehr als grenzwertig! Was die Verhaltensforschung davon hält, möchte ich hier nicht kommentieren.
Mittlerweile, das oben genannte Becken ist bereits mehr als 1 Jahr in Betrieb, ist der Declivis entfernt worden. Jeder, der einmal Chaetodonten miteinander vergesellschaftet hat, wird auch ahnen warum. So läuft es dann immer, wenn die Verhaltensmuster der Pfleglinge ignoriert werden und nur die eigenen Phantasien im Vordergrund stehen. Das hat mit dem Begriff eines natürlichen Milieus nichts mehr zu tun hat.
Ich will einmal hoffen, dass die erwähnten Korallen, falls sie nicht über Gebühr durch die Chaetodonten belästigt werden, entsprechend dem Lichteinfall, auch wachsen werden. Wenn`s gut geht wird man bald zur Zange greifen müssen, um sich dann ganz der „gärtnerischen Tätigkeit“ hinzugeben. Wie letztendlich die Korallen dann aussehen werden, möchte ich mir lieber nicht vorstellen. Ich kann da nur spekulieren. Korallen lassen sich auf Dauer nicht auf „Bonsai“ zurückschneiden. Wenn´s schlecht geht, wird das Becken ausgeräumt und neu eingerichtet oder man hängt bis zum Abtransport ein Tuch darüber. Vorbei mit der Illusion.
Für mich sind diese Fotos Bilder, die auf den ersten Blick ansprechend erscheinen, auf den zweiten Blick aber keinesfalls auf einem biologisch/zoologischen Hintergrund fußen. Das sollte aber immer im Vordergrund stehen.
Diese merkwürdige Art von „Themenbecken“ könnte ich mir kurzfristig auf einer Messe oder Ausstellung vorstellen, die für kommerzielle Zwecke durch einen temporären Zeitrahmen begrenzt, aus welchen Gründen auch immer, den Traum eines Riffs in den Vordergrund rücken will. Auch als „meeting-point“ auf dem Flur einer Chefetage. Vorausgesetzt die Biologie stürzt nicht ab und der (erfahrene) Pfleger arbeitet (täglich) gewissenhaft. Die Optik wird sich auf jeden Fall durch die Biologie verändern und letztendlich damit auch der gewünschte Eindruck.
Gruß
Hajo