Hallo Marcel,
Die Beobachtungen gehen da etwas auseinander. Natürlich dürften in erster Linie die „Pünktchen“ einen gewissen Reiz auszulösen. Ist das hier aber wirklich so? Fische sind lernfähig, wenn auch nur begrenzt. Es wäre ja nicht besonders klug immer irgendwo rein zu beißen, wenn man keinen „fressbaren“ Vorteil davon hat. Ich sehe es bei Zwergkaisern eher als atypisches Verhalten (wenn man nicht gerade selbst ein Fressfeind ist) geprägt durch eine nicht artgerechte Haltung, die leider viel zu häufig zu beobachten ist. Muscheln, bis zu einer gewissen Größe, leiden darunter. Große Exemplare sind eigentlich bei den Zwergen kaum gefährdet. Setz einmal einen Argi zu einer ausgewachsenen Gigas. Deren Mantellappen ist viel zu dick und ledrig, als dass hier auch annähernd eine Gefahr ausgehen könnte. Oder abgewandeltes Sprichwort: „Was kratzt es die Gigas, wenn ein Argi sich an ihr scheuert“ Alles schon selbst praktiziert. Nur von den kleinen Muscheln (3-10cm) würde ich Abstand nehmen. Da können solche Schäden, hervorgerufen durch besagte Langeweile, das Ableben beschleunigen. Eines der Resultate meiner Beobachtungen dokumentierte diese Langeweile, gepaart mit Neugier auf eine Reaktion. Im Verlauf seiner Runden „besuchte“ der Zwerg zwangsläufig auch die Muschel und zupfte erstmalig an ihrem Mantellappen. Irgendwie begeisterte ihn deren Reaktion, eine angenehme Unterbrechung in der Monotonie seines Daseins, so dass diese Spielerei sukzessiv festes Ritual wurde. Da war also etwas, was ihm den öden Alltag spannend machte. Auch wenn es nur eine Reaktion auf eine andere Reaktion war. Nie nahm er sich gezielt die Muschel vor, wie es bei Fressfeinden üblich ist, sondern belästigte das Tier nur kurz im hastigen Vorbeischwimmen, und auch nicht fortwährend auf seinen Runden. Ihn interessierten auch nicht die Farbflecken, er zupfte wahllos. Vielleicht haben Verhaltensforscher eine bessere Erklärung. Jedenfalls sind Zwergkaiser in Gemeinschaft mit Muscheln u. a. nur durch ein Mehr an Ablenkung zu empfehlen (Stichwort: Verpaarung, reicher Aufwuchs). Bei Großkaisern ist es generell unmöglich. Schiffbruch wird meist erlitten durch a) zu kleine Becken, b) viel zu geringer Aufwuchs, Einseitigkeit der Ernährung, c) zu kleine Muscheln/zu große Fische. Also, leider für Anfänger und/oder in der Startphase eines Beckens nicht zu empfehlen. Eine Änderung des Standortes, wenn möglich, ist sicher einen Versuch wert. Scheint aber, wie Du schon beschrieben hast, nicht immer erfolgreich zu sein.
Gruß
Hajo