Hallo,
Hier mal einige ganz persönliche Gedanken über die Haltung von Großkaisern in unseren Aquarien.
Wenigstens 3 Mindestvoraussetzungen für die Haltung von Großkaisern sollten erfüllt sein. Ein möglichst großes Becken, gut strukturierte Aufbauten und eine leistungsfähige Filter/UV-Anlage. Auf den "Korallengarten" musst man leider verzichten. Allerdings sind hier auch einige spezielle Varianten möglich.
Wolfgang Suchy hatte bereits auf die zu erwartende Größe dieser Fische hingewiesen. Das bringt, bei guter Fütterung, logischer Weise auch enorme Ansammlungen von Stoffwechselprodukten mit sich. Damit die Tiere sich nicht immer im Blickfeld haben, helfen wohl durchdachte Aufbauten.
Vorweg gesagt, es ist überhaupt kein leichtes Unterfangen Großkaiser zu verpaaren. Zuerst sollte man sich klar darüber werden, dass diese Fische, je nach Art, auch in unseren Aquarien locker eine durchschnittliche Größe von 30-40cm erreichen können. Der Bezug zur Größe adulter Tiere (Pomacanthus) fehlt leider der "Generation Nano" heute. Man sollte sich der Einfachheit halber die Größe eines ausgewachsenen Graskarpfens vorstellen. Im Gegensatz zu den frühen Jahren der Meerwasseraquaristik, haben ausgewachsene Exemplare im Handel einen hohen Seltenheitswert und sind außerdem sehr teuer. Sie sind auch meist nur in öffentlichen Aquarien zu betrachten. Juvenile und semi-adulte Tiere hingegen sind kaum ein Problem. Wohin aber mit ihnen, wenn sie eine gewisse Größe erreicht haben? Der Handel wird ausgewachsene Tiere kaum abnehmen. Vielleicht der eine oder andere private Interessent? Da habe ich aber auch meine Zweifel. Wer hat schon solch große Becken? Außerdem wird es ewig Probleme mit Neuzugängen geben. Der Stress ist vorprogrammiert! Andererseits wird man sich auch nicht dem besonderen Reiz entziehen können, den große, elegante Fische auf uns Betrachter ausüben.
Welche Art soll es denn überhaupt sein? Großkaiser kann man nicht alle über einen Kamm scheren. Es gibt sehr territorial geprägte Rabauken, wie auch einige Vagabunden, die nicht so streng ortstreu sind und auch weniger vehement ihr Revier verteidigen. In der Natur zeigen sich streng verpaarte Arten, wie auch Haremsverbände in unterschiedlichen Größen, und Arten, die ausschließlich nur zur Paarung zusammen kommen. Dieses Verhalten prägt auch teilweise ihren Charakter. Für "Territorialisten" können Aquarien nicht groß genug sein. Andere sind weniger ruppig und tolerieren sich nach einer Weile. Aus Erfahrung kann ich hier Diacanthus pygoplites und Pomacanthus navarchus nennen. Diese beiden Arten bleiben auch etwas kleiner , als die anderen Tiere dieser Gattung. Bei beiden Arten habe ich mit der Paarhaltung gute Erfahrung machen können. Hingegen Pomacanthus imperator zu verpaaren ist schon eine Herausforderung ganz besonderer Art. Es gibt aber mindestens einen Bericht, wo es geklappt hat. Nebenbei hinterfrage ich hier einmal den Sinn einer angestrebten Verpaarung von großen Kaiserfischen in unseren Aquarien. Einzelhaltung der verschiedenen Arten miteinander sind auch nicht ohne Probleme, aber öfter von Erfolg gekrönt. Pomacanthus chrysurus, Holacanthus ciliaris (mit Einschränkung) und Pygoplites diacanthus habe ich zeitweise in einem voll besetzten Korallenbecken von juveniler bis zur adulten Größe zusammen gepflegt. Allerdings in keiner Paarhaltung, da man bei diesem Vorhaben einen extrem langen Atem braucht. Ich muss hier auch vorausschicken, daß die juvenilen Fische erst eingesetzt wurden, als der Riffkomplex im Aquarium bereits eine stattliche Größe angenommen hatte. Ähnlich verfuhr ich auch mit einigen Falterfischen. Diese Methode habe ich mir nicht ausgedacht, sondern sie war das Egebnis vieler damals gemachter Beobachtungen. Bezogen auf meine Kaiser, war es ihre Neugier, die es schier unmöglich machte, z. B. kleine Korallenableger in das Becken einzubringen. Diese wurden zuerst kritisch beäugt, dann wurde eine “Geschmacksprobe” entnommen. Wer schon einmal das erschütternde Ergebnis eines rupfenden Großkaisermauls gesehen hat, der weiß wovon ich spreche. Kleine Ableger sind neu und ja sooo interessant und müssen halt immer untersucht werden. Leider mit all den fatalen Folgen, die natürlich immer zum Ableben der kleinen Korallen führten. Die großen Korallenblöcke (meist nur Acroporen) hingegen wurden kaum beachtet. Dagegen mussten sämtliche LPS nach und nach entfernt werden. Irgendwann blieb eine Mischung verschiedener Korallenarten übrig, die (ihnen) endlich passte. Die anfänglich gute Verträglichkeit der Jungfische miteinander änderte sich mit dem Wechsel ihres Farbmusters. Der Ciliaris war als erster dran. Also fing er an, sein Revier zu verteidigen. Letztendlich waren 2000l Wasser nicht groß genug, und ich musste mich leider von ihm (Stinkstiefel) trennen. Die beiden anderen Kaiser harmonisieren miteinander, was aber nicht bedeutet , daß sie sich mögen. Ab und an finden Zankereien statt, die sie aber friedlich lösen.
Der angesprochene Paracentropyge venusta wäre für mich die weitaus bessere Option, als die Großen ihrer Zunft. Den Vorteil sehe ich darin, auf ein schönes Riffbecken nicht ganz verzichten zu müssen. Die dabei möglichen Einschränkungen bei der Auswahl der Korallen und anderer Niederen entsprechen hier dem natürlichen Verhalten anderer Zwergkaiser.
Großkaiser können bei guter Pflege sehr alt werden. Es muss sich halt jeder ernsthaft hinterfragen, ob er bereit ist, diesen langen Weg mit ihnen gehen zu wollen. In der heutigen, etwas kurzlebigen Zeit, entspricht das nicht unbedingt dem aquaristischen Mainstream. Auf der Strecke bleiben dann leider oft die Fische.
Gruß
Hajo