Hallo zusammen und ein frohes und gesundes neues Jahr!
Nährstofflimitierungen, ob nun bewusst oder unbewusst herbeigeführt, sind ein viel diskutiertes Thema geworden. Dieses Problem besonderer Art finden wir vermehrt bei jenen, die absichtlich eine bestimmte Methode gewählt haben um ihre Korallen farblich aufzupeppen, aber auch oft als Resultat eines verunglückten Beckenstarts. Dass sich Korallen auch mit etwas weniger Nährstoffreduktion in guter Farbe halten lassen (vom exzellenten Wachstum mal ganz abgesehen), wird oft nicht verstanden oder mit Vorsatz erst einmal nicht in Betracht gezogen. Ich persönlich betrachte diese Art von Korallenhaltung mit sehr gemischten Gefühlen. Dummerweise gehörte ich vor etlichen Jahren auch noch zu der Fraktion der Produzenten von solchen Farbwundern. So spreche ich also jetzt nicht nur theoretisch von der Kehrseite einer Medaille, sondern auch als ehemals Leidtragender in eigener Historie. Die Katastrophe einer Nährstofflimitierung, hier PO4, zeigt sich oft in ihrer ganzen Deutlichkeit, so wie es von Dietmar zuvor kurz beschrieben wurde. Mein kompletter Bestand, und das war nicht wenig!, ist damals, bis auf einige Fragmente, draufgegangen. Erst nach und nach die Korallen, alle nach dem bekannten Muster: von der Basis her weiß. Fast parallel dazu gab ein Sekundärbefall mit Helicostoma den Korallen komplett den Rest. Um die angesprochene Gratwanderung dauerhaft zu vermeiden, fehlt uns auf der Kontrollebene die permanente optische Überprüfung der Nährstoffbelastung durch geeignete digitale Messgeräte. Sonst liegen wir immerfort zu früh oder zu spät in der Beurteilung der jeweiligen Situation. Tendenzen sind schwer in den Griff zu bekommen. Sporadische Überprüfungen zeigen nur den Ist-Zustand und nicht, welche Situation bereits schon vorher (kurzfristig) auffällig war. Optimierung unserer Wasserparameter streben wir wohl alle an. Leider viel zu leichtsinnig und oft mit Hilfe von undurchsichtigen Mitteln und/oder angeregt durch einige fragwürdige Tipps mancher Zeitgenossen. Wobei ich in vielen Fällen Sinn und Zweck dieser Übung infrage stelle, wenn wegen offensichtlich fehlender Kenntnis von biologisch/chemischen Zusammenhängen, in zunehmender Anzahl Becken gegen die Wand gefahren werden. Wenn man genau hinschaut, ähneln sich nicht nur die Katastrophen, sondern im Ergebnis auch die Ursachen, die zu ihnen führen. Zu wenig Zeit, keine brauchbaren Messprodukte im Haus (was mich hier zu der Annahme treibt, dass eine Kontrolle der Wasserwerte sowieso böhmische Dörfer sind) oder ein Supergau, hervorgerufen durch einen Cocktail von Additiven, dem einer späteren Analyse eine nicht mehr überschaubare Gemengelage gegenübersteht. Allein die hier diskutierten „Unfälle“ dieser Art lassen auf eine hohe Dunkelziffer schließen. Leichtsinnig und fahrlässig sind solche Eingriffe in das Regelwerk der Beckenbiologie, deren Rückwirkung man wegen mangelndem Wissen nicht ohne weiteres vorhersagen kann. Blindflug ist angesagt. Nur das Verstehen der kausalen Zusammenhänge gibt uns die Möglichkeit, logisch in den Gang der Ereignisse einzugreifen und damit auch sinnvoll ihre Richtung zu bestimmen. Das ist aber genau das Gegenteil von Blindflug, ausgehend von dem, was uns die Industrie verspricht, nämlich Verabreichung diverser Produkte ohne großes Basiswissen. Steht ja alles auf dem Beipackzettel? Wo man hinschaut, auch weltweit, ähneln sich nicht nur die Probleme der Leichtsinnigen. Sie sind identisch. Von welchen Überlegungen mache ich eigentlich meine Handlungen abhängig? Doch nicht von den fadenscheinigen Versprechen einiger Produkthersteller, sondern von meinem eigenen Hirn. Das kann aber nur so gut sein, wie der Verstand, der in ihm wohnt. Liebe Leute, das ist jetzt alles viel zu viel Text geworden. Es soll beileibe auch nicht als ketzerischer Rundumschlag verstanden werden. Allein, die vermeidbaren Fälle mehren sich! Ich nehme auch nicht an, dass sehenden Auges in die Katastrophe gegangen wird. Warum dann?
In Kurzform: Es funktioniert auch wunderbar ohne Gratwandern!
Gruß
Hajo