Hallo Bernd,
auch auf die Gefahr hin, etwas bockig zu erscheinen, teile ich nicht alle deine Argumente. Die Texte der angesprochenen Bücher, insbesondere die Beschreibungen der Korallen, sind doch nicht um diese kleine, grafische Darstellung drumherum geschrieben worden. Das Kästlein mit
dieser kleinen, aber effektiven Lernhilfe, wird doch nicht das zentrale Thema eines Fachbuches sein, sondern kann doch nur eine Ergänzung zu Bild und Text darstellen. Wie wertvoll dieses "Zubrot" dann sein mag, wird jeder Interessierte für sich persönlich
entscheiden müssen. Im Grunde genommen ähnelt diese Methode auch den Kurzbeschreibungen in Fossa/Nilsen unter der Rubrik "Aquarienbedingungen". Nur eben als Piktogramm. Es fehlt auch hier oft der Verweis auf die Nesselfähigkeit der jeweiligen
Arten. Wenn nicht irgendwo im Text verbuddelt, wird so etwas nur bei besonders widerspenstigen Arten oder bei sehr nesselempfindlichen Exemplaren als Warnung erwähnt. Beleuchtung und Wasserbewegung und Haltbarkeit usw. sind auch vertreten.
Was schadet es also, wenn man an einer bestimmten Stelle der Artbeschreibung noch zusätzliche Kurzinformationen erhält? Wir müssen uns hier nicht streiten. Unsere "verkrauteten" Becken
sind nicht das beste Beispiel für Nesselschäden. Da muss ich Joe recht geben. Bei dir und bei mir hat man den Dingen seinen Lauf gelassen und die (Becken)Natur hat alles geregelt. In meinem Fall kam noch hinzu, daß ich mich wegen der Großkaiser von speziellen Korallenarten bereits im Vorfeld trennen musste. Was übrig blieb, war kaisersafe und wuchs zusammen. Generell diese Anordnung, wie sie sich bei uns beiden überwiegend in den Becken durchgesetzt hat, ist nicht immer der Wunschtraum der anderen. Ich denke da immer an den Besitzer eines Nano-Beckens, der gerne eine neue Koralle einsetzen möchte. Die Räumlichkeiten sind stark begrenzt und die Korallen im Angebot vielfältig. Was kann er neben was setzen? Berührung wird kaum zu vermeiden sein. Wenn nicht sofort, dann mit Gewissheit später. Ich habe eine wunderschöne Cyphastrea auf dem Boden stehen. In der Nähe befinden sich einige Scheibenanemonen, die sie stark
nesseln können. Hier muss ich daruf achten, daß die abgeschnürten Teile der Anemonen nicht irgendwann auf der Koralle Platz nehmen. Es wird auch nicht mehr lange dauern, bis eine M. superman eine Tubinaria peltata verdrängt hat. Diesen Typ Montipora habe ich falsch eingeschätzt. Desgleichen hatte ich von einer roten Goniopora berichtet, die ein neu eingesetztes, ebenfalls rotes Exemplar vernesselte und mir ausserdem komplette Schneisen in den Alveoporenwald geschlagen hatte. Es gibt zig- Beispiele für Unfälle" dieser Art. Diese Schäden müssen nicht sein. Man denke nur an den Kauf einer teueren, farblich ansprechenden LPS, die aus Unwissen den falschen Platz neben einer Nesselbombe bekommen hat. Oder das Beispiel der Plerogyra, die einer zu heftigen Strömung ausgesetzt wird. Oder die Tridacna, die man aus Platzgründen in den
Halbschatten verfrachtet hat. Fazit: Die Tiere sind irreparabel geschädigt und das Loch in der Brieftasche wird auch nicht zur Begeisterung beitragen.
Ich möchte noch einmal daran erinnern, daß diese grafische Tabelle nicht nur die Aggressivität, Robustheit, Strömung und den Lichtbdarf beeinhaltet, sondern sie hat auch noch einen grafischen Teil mit Farbpunkten für die Platzierung der jeweiligen Korallenart
im Aquarium. Mehr Hilfestellung in Kurzform geht nicht. Dass nun gerade diese Diskussion sich auschließlich der Nesselfähigkeit widmet, ist dem Themenstarter geschuldet. Darauf bin ich auch eingegangen. Das grafische Element beeinhaltet aber weit mehr als nur
diese einzelne Rubrik.
Ich verstehe diese kleine Grafik als Brücke, bestenfalls als Entscheidungshilfe, nicht als Ersatz, das Verstehen um unsere Pfleglinge zu umgehen. Eine absolute Bewertung ist etwas anderes.
Gruß
Hajo