Guten Morgen Daniel,
Man meint, dass der beengte Raum eines Aquariums vorübergehend andere Spielregeln zulässt, als in der Natur zu beobachten sind? Nicht unbedingt.
Im jugendlichen Alter arrangieren sich auch in der Natur oft die verschiedensten Arten. Manche Fische gesellen sich zeitweilig zueinander, obwohl sie eigentlich Futterkonkurrenten sind. Das ist völlig normal, wenn es sich nicht gerade um besonders reviertreue Tiere oder Räuber und Beute handelt. Fahnenbarsche>Lippfische; Doktoren>Kaninchenfische etc.
Dieses Verhalten ändert sich bei Einzeltieren im Aquarium kaum. Jedenfalls konnte ich mit der Zeit bei Acanthurus pyroferus, Acanthurus japonicus, Acanthurus olivaceus, Ctenocheatus strigosus, Ctenochaetus tominiensis, Ctenochaetus hawaiiensis, Zebrasoma flavescens und Zebrasoma xanthurum keine großartige Zunahme von Zankereien miteinander oder gar böse Aggressionen feststellen. Sie sind nur alt und fett geworden.
Bei anderen Arten oder bei mehreren Tieren einer Art, wie die hier favorisierten Fahnenbarsche, stellen uns die arteigenen Verhaltensmuster vor ganz andere Aufgaben und Probleme, die mit sofortigen Verlusten oder schleichender Fluktuation von Fischpersonal enden können, wenn man sich nicht an gewisse Regeln in der Pflege hält.
Ein Kenner der Szene (Scott W. Michael) hat sich dieses Themas detailliert angenommen und empfiehlt ausschließlich für die erfolgreiche Pflege einer Gruppe von Fahnenbarsche, Aquarien ab 700l aufwärts, mit einem Besatz von 1 Männchen und 8 Weibchen!
Ich zitiere diesbezüglich für ein besseres Verständnis (auch um vor Fehlern zu bewahren) aus einem Artikel von Joachim Frische, aus dem „Meerwasseraquarium“ (2010) :
„.........Dabei ist es wichtig, dass alle Tiere gleichzeitig in das Aquarium gesetzt werden und sich unter den Weibchen keines befindet, was gerade im Begriff ist, in das männliche Geschlecht zu wechseln. Folglich ist es angebracht, Jungtiere zwischen 3-4 cm zu kaufen. Warum es mindestens 8 Weibchen sein sollen, erklärt Michael damit, dass die Rivalitäten auf viele Exemplare verteilt werden. Das genannte Verhältnis von 1+8 entspricht in etwa dem einer Gruppe Pseudanthias squamipinnis, wie sie in vielen Fällen auch in der Natur vorkommt. Achtet der Pfleger jetzt auch noch auf zahlreiche Versteckmöglichkeiten, dann ist die Konstellation durchaus Erfolg versprechend...... Zitat Ende.
Du siehst, die Gruppenhaltung von Fahnenbarschen ist mit Erfolg möglich, wenn man sich an gewisse Regeln hält. Diese Herausforderung ist das eigentliche Salz in der Suppe. Allerdings limitiert die Beckengröße stark die Anzahl der Fische oder vielleicht doch umgekehrt?
Gruß
Hajo