Beiträge von hajo

    Hallo Torben,

    der Chrysurus ist so ein Riffhocker. Jedenfalls hat er sich bei mir so verhalten. Ganz im Gegenteil zum Ciliaris und dem Diacanthus oder dem Imperator. Für ein Becken von ungefähr bis zu 1000l Groesse sind Fischarten, wie manche Holacanthus und Chaetodontoplus oder Apolemichthys die bessere Wahl. Die Empfindlichkeit dieser Arten ist aber nicht zu unterschaetzen. Wenn man sich nicht fuer die kleinen Centropyge begeistern kann, waere Genicanthus eine weitere Option. Außerdem darf man nicht übersehen, dass fast alle größeren Kaiser nicht reef safe sind. Das bedeutet: Wenn man sich auf Großkaiser versteift und nicht auf ein halbwegs intaktes Heimriff verzichten will, dann wird man seine Korallen den Fischen anpassen muessen. Das kann muehsam werden. Es kann in manchen Faellen verweinte Augen bedeuten. Nicht jeder trennt sich so vorbehaltlos von seinen, vielleicht noch mühsam hochgezogenen Korallenstoeckchen. Auch Muscheln kommen nicht unbeschadet weg.
    Gruss
    Hajo

    Hallo zusammen,

    der Diacanthus ist einer der schwimmfreudigeren Kaiser, in der Natur, wie auch im Aquarium. Wenn man ihn halt lässt. Es gibt auch "Riffhocker", wie andere.
    Beim Anblick eines juvenilen Exemplares kann man schon einmal leicht vergessen, dass solch ein Tier auch groesser wird......
    Außerdem ist zu beachten, dass so ein Kaiser sehr alt werden kann. Deswegen sollte sich jeder vorher prüfen, ob man diesen langen Weg zusammen gehen will.
    Gruss
    Hajo

    Sry, Gedankenlesen ist natürlich etwas viel verlangt..
    Mit "den kleinen Übersiedlern vom LS" ist ein ganzes Sammelsurium an Muscheln gemeint.
    Und ob es eine kleine Muschelart beim Händler gibt, die man in Form einer Austernbank, oder so, im Randbereich platzieren kann.

    Thomas


    Hallo Thomas,

    vergiss diese Gedanken an andere Muscheln. Die unkomplizierteste Art ist nach meinen Erfahrungen die Tridacna, wenn man ein gesundes Tier erwerben kann und das frei von Parasiten ist. Alle anderen Muschelarten, wie Kammmuscheln, Feilenmuschel usw. sind wesentlich mehr von Nährstoffen abhängig, als die mehr vom Licht abhängigen Tridacna. Außerdem lieben sie nicht sonderlich die Helligkeit. Hammermuscheln verbreiten sich vereinzelt manchmal in meinen Aquarien. Allerdings immer im schattigen Bereich. Meiner Meinung nach ist es nicht einfach, selbst wenn man an diese Tiere herankommt, sie auch länger am Leben zu halten.

    Gruss
    Hajo

    […]


    Die Anmerkungen lassen nichts zu wünschen uebrig. =) Eines stört mich aber dennoch: Was bedeutet "Schattenseite"? :confused_face: Wenn du der oder den Muscheln nicht genügend Lichtenergie bietest, wird das nichts mit der Muschelpflege. Eine starke Beleuchtung ist das A&O bei der Pflege dieser Tiere. Wie ich bereits sagte, gibt es auch Muscheln mit einem etwas niedrigeren Bedarf an Helligkeit. Was aber vom Begriff "Schatten" weit entfernt ist. Selbst diese Muscheln werden sich mit einem Mehr an Helligkeit besser zurechtfinden, als unter einer trueben Funzel. Auch werden die irisierenden Töne auf die Dauer besser zur Geltung kommen! Ich möchte einmal behaupten, dass eine Tridacna mit jedem Zentimeter mehr an Entfernung von der Lichtquelle von ihrer natürlichen Farbe verliert. Sie wird nicht sterben, aber ihr farblicher Reiz wird nicht mehr so sein, wie vormals. Und deswegen lieben wir sie doch, oder? Leider muss ich dann und wann diesen Platzierungsfehler immer wieder beobachten. Weil es doch viel einfacher ist eine lichthungrige Crocea, anstatt weit nach oben, auf den Boden zu stellen. Bei der Pflege eines jeden Lebewesens sollte man sich tunlichst vorher informieren, welche Lebensbedingungen es fordert, und ob man diese optimal auch erfüllen kann. Siehe Hinweis auf das Fachbuch!
    Gruss
    Hajo

    Hallo Thomas,

    nimm einen sogenannten Muschelhalter. Das ist ein Stein mit einer kleinen Mulde, in der sich das Tier festmachen kann und nicht so ohne weiteres umfallen kann. Wenn es ihr zusagt, wird sie sich schnellsten mit ihren Byssusfaeden ankleben und dann kannst du die Muschel mit dem Stein an einen vorgesehenen Ort setzen.
    Gruss
    Hajo

    Mir ist die Optik erstmal egal, sie soll nur die maximale Überlebenchance haben :grinning_face_with_smiling_eyes:

    Platz wäre genug, bin aber eher ein Freund von: Kleiner, dafür villt mal eine 2. :smiling_face:

    Reserviert sind immer noch 2 Module einer 180er Razor (15k Kelvin, ohne Linsen).
    Frage wäre, was der maximal Abstand (Tiefe) bei der ist, und ob ein Plateau sinnvoll ist- weil sie bei einer Wanderschaft da villt runterfallen könnte?

    Thomas


    Hallo Thomas,

    meine beiden (crocea und maxima) befinden sich ca. 30cm unterhalb des Wasserspiegels unter einer 160w Razor. Die Crocea kann noch mehr an Licht vertragen. In der Natur fällt sie auch stellenweise trocken und ist so starker Sonneneinstrahlung ausgesetzt. Setz die Muscheln in eine Gesteinsspalte oder in eine Mulde. Wenn es ihnen zusagt, werden sie sich festmachen. Keine starke Stroemung! Moderate Stroemung und viel Licht, dann gibt es keine Probleme.
    Gruss
    Hajo

    Hallo Niklas,

    ab und an sind welche im Handel anzutreffen. Aber recht selten. Wenn der Wunsch besteht und auch Platz vorhanden ist, geht's wahrscheinlich nur über eine Vorbestellung.

    Gruss
    Hajo

    Hallo Tomas,

    "robust" sind T. derasa und auch T. squamosa. T. crocea benötigt viel, viel Licht um ihre Farben zu halten. Ähnlich verhält es sich mit T. maxima. Wenn die Tiere zu wenig Licht bekommen, dann verlieren sie mit der Zeit ihre schöne irisierende Farbe oder zumindest einen großen Teil davon. T. gigas ist nichts für kleinere Becken. Die beiden erstgenannten Muscheln kommen in grösserer Tiefe vor und sind deswegen als "robust" einzustufen. Zu diesem Thema würde ich dir gern "Riesenmuscheln, ihre Arten und Pflege" von Daniel Knop empfehlen.
    Gruß
    Hajo

    Hallo Thomas,

    Bei Weichkorallen, ich nehme einmal an, dass es sich um eine solche handelt, ist es nicht unüblich, dass sich im Laufe des Wachstums einige Verzweigungen z. B. fuer Stabilisierungszwecke des zukünftigen Hauptstamms, zurückbilden. Sie können ihre Form deutlich verändern, temporaer, wie auch für immer. Licht und Stroemung sind ebenfalls gute Gründe.
    Gruss
    Hajo

    Hallo Eric,

    es könnte mit der Intensität des Lichtes zusammenhängen. Ob nun durch die vertauschten Linsen und/oder den vielleicht doch zu kurzen Anstand der Korallen zur Leuchte. Nicht alle Korallen vertragen gleichviel an Licht. Hier ein Beispiel von zwei verschiedenen Montis. Links oben, der braune Typ, wächst krustig im Randbereich des Lichtes. Dort, in dem Bereich wo sie Scheiben ausbildet, ist auch die Lichtintensität stärker und die Wuchsrichtung zeigt nach unten (die Richtung ist steiler, als das Foto zeigt!). Also weg vom Licht. Am oberen rechten Bildrand befindet sich dagegen eine grüne Art, die sich um nichts schert und ausnahmslos einen horizontalen Wuchs an den Tag legt.
    Nun mach was damit. :loudly_crying_face:
    Gruß
    Hajo




    ........ Ich habe die Maxspect Razor 160 Watt 16.000K überm Becken hängen. Die Leuchte strahlt 10 Stunden lang, davon 4 Stunden mit 70%, die restliche Zeit mit weniger Leistung.


    Hallo Eric,

    daran wird's nicht liegen. Bei mir wächst alles so, wie es sein soll.
    Eine Erklärung waere noch der Einfluss vom Tageslicht. Ist so etwas denkbar?

    Gruss
    Hajo

    Hallo Bernhard,

    im Punkt der Geschlechtsreife von Doktorfischen in Bezug auf ihr Alter, möchte ich mich insoweit korrigieren, als dass diese von der jeweiligen Art abhängt. Das kann, entsprechend der Arten, von mehreren Monaten bis zu mehreren Jahren bedeuten. Die Angabe von 2 Jahren hatte ich Debelius/Kuiter entnommen. Wird wohl ein Mittelwert sein. :confused_face:
    Gruss
    Hajo

    Hallo Bernhard,

    Doktoren werden mit ungefähr 2 Jahren geschlechtsreif. Altersschwaeche kann es auch nicht sein, da Doktoren alt werden können, wie Methusalem: Acanthurus lineatus bis 42 Jahre und manche Naso-Art noch etwas aelter. Das sind wissenschaftlich verbürgte Aussagen für einige dieser Arten in der Natur, aber gleichwohl auch Spitzenwerte. Ob man das auch auf die Aquarienhaltung beziehen kann, ist nicht zu beantworten, da in der Gefangenschaft viele andere Faktoren mitspielen, als in der Natur. Das meine ich nicht negativ, denn bei vielen anderen Fischarten wird die Lebenserwartung im Aquarium hoeher sein, als in ihrer natürlichen Umgebung.
    Gruss
    Hajo

    Hallo Clemens,

    dass auch dieser Falter nicht unbedingt in ein Korallenbecken passt, wird dir jetzt auch klar sein. Jens hatte ebenfalls auf diese Möglichkeit hingewiesen. Was du an Informationen über diesen Falter oder auch andere seiner Art finden wirst, ist oft von einander abgeschrieben oder unzulänglich recherchiert. Der aquaristische Alltag ist in jedem Becken verschieden, da ja auch jedes Becken anders besetzt sein wird.
    Deine Information über den Misserfolg ist lobenswert und für andere Mitleser sicherlich wertvoll und von besonderem Interesse. Manche Zeitgenossen melden sicht gar nicht mehr und verbreiten so unterschwellig eine Machbarkeit, die beileibe keine ist. Deswegen stelle ich die Offenheit oben an. Anders kann man miteinander nicht diskutieren und den Dingen auch nicht weiter auf den Grund gehen.
    Gruss
    Hajo

    Hallo,

    ist es nicht so gewesen, dass die Infektion noch im Becken war, als der neue Fisch eingesetzt wurde? Diese Vorgehensweise ist absolut zu verurteilen, selbst wenn dass Tier an dieser Infektion nicht gestorben waere. Ist es auch nicht, da die Inkubationszeit länger dauert, als die angegebenen 4 Tage. Also muss es einen anderen Grund geben. Da hat Torben schon recht. Ich tippe eher auf eine nicht erkennbare Vorschädigung oder einen Fehler bei der Umsetzung bzw. Eingewöhnung des Fisches. Beides kann immer einmal passieren. Gegen den Erwerb eines vorgeschädigten Fisches ist man manchmal machtlos, das korrekte Umsetzen sollte aber stets zur Pflicht werden.
    Gruss
    Hajo

    @Erbul:

    Die Enge der Zeilen ist der Kommentarlaenge geschuldet. Die ist pro Kommentar/Seite hier begrenzt. Deswegen musste ich den gesamten Text eng zusammenschieben und auf zwei Seiten verteilen. Wenn ich das nicht getan hätte, waere bestimmt noch eine dritte Seite herausgekommen. Das ist bestimmt nicht zumutbar. Nur für Hardcore freaks! :grinning_squinting_face:

    @Guenter:

    Ich habe die Vermutung geäußert, dass bei der Pflege von Lippfischen groessere Becken vorteilhaft sind. Zur Umwandlung kommt es auf jeden Fall. Die Frage ist nur, wie gehen die Tiere damit um und bringt ein großes Becken den Vorteil einer letztendlichen Tolerierung, oder nicht. Oder ist es etwa von der jeweiligen Art abhängig? Die Beispiele aus Bozen machen Mut. Genauso die beobachteten und belegten reversen Rueckwandlungen. Was für Schlüsse man daraus für sein eigenes Aquarium zieht, bleibt jedem selbst überlassen. Ich habe nur versucht, auch einmal die andere Seite zu beleuchten.
    Gruss
    Hajo

    So einen Lebenszyklus im Aquarium zu verfolgen, ist eine spannende Angelegenheit. Nur sollte in jedem Fall das Becken eine gewisse Größe aufweisen. Sonst wird nichts daraus.
    Vor einiger Zeit hatte ich über den Kontakt zum Bozener Museum (Riesenbecken!) berichtet. Der Grund war eine vorangegangene Diskussion über das Zusammenleben von mehreren Lippfischen einer Art, aber unterschiedlichen Geschlechts. Ausgangspunkt war eine Diskussion (hier im Forum), über die permanente Unverträglichkeit geschlechtsreifer Lippfische innerhalb einer Art, die den Gesamteindruck vermittelte, es würde ja letztendlich immer nur ein (1) Einzeltier (Männchen) überleben. Viele Berichte von Aquarianern klangen negativ, sind aber aus verschiedensten Gründen dennoch unterschiedlich zu bewerten. Versuche, wenigstens eine kleine Gruppe zu erhalten, sollten meist an der viel zu geringen Beckengröße scheitern, bzw. an nicht genügend Ausweichmöglichkeiten für das unterlegene Tier. Dieser Fehler wurde zumeist nicht erkannt oder völlig falsch interpretiert, wie z. B. die Tiere in ihrer Not als "Springer" abgetan. Wobei bei "Unfällen" wiederum nicht erkannt oder unterschieden wurde, was ist dabei eine Folge ungestümen Paarungsverhaltens und unzureichendem Springschutz, und was ist mangels ausreichender Fluchtdistanz das Ergebnis reiner purer physischer Not.
    Ein Manko an Platz gab es am Beispiel des Riesenbeckens des Bozener Museums nicht. Dort war genug Freiraum für die Fische vorhanden, und es gab wahrscheinlich auch deshalb keine grossartigen Aggressivitäten zu vermelden. Weibliche Tiere durchliefen den protogynen Geschlechtswechsel zum Männchen und blieben letztendlich mangels vorhandenen Weibchen, irgendwann allein als loser Männerbund zusammen. Männliche Tiere von Halichoeres melanurus und Halichoeres marginatus blieben zusammen, während es bei Halichoeres chrysus nicht im ersten Anlauf klappte. Protogyne Hermaphroditen zwar, aber innerartlich untereinander erstaunlich gesellig und wenig streitlustig. Diese Situation macht neugierig, da es ja durchaus sein kann, daß nach dem bekannten Verhalten anderer Lippfischarten, ebenfalls eines dieser Halichoeres-Männchen wieder das Geschlecht wechselt. Wird es das? Kann es das? In der Natur sind diese losen Verbände ja manchmal auch zu beobachten.
    Aus meiner Sicht scheint es erst einmal nicht so entscheidend zu sein, welche besondere Lippfischart ich pflege, sondern wie individuell groß gestalte ich das Revier für jede dieser Arten, ohne daß die Tiere später während der Geschlechtsumwandlung, als Paar oder in angestrebter Gruppenhaltung, irreparablen Schaden nehmen. Es wäre sicher von Vorteil, wenn mit zunehmender Größe der Fische auch gleich das Aquarium mitwachsen würde.
    Als Fazit kann man sagen: Viele Wege führen nach Rom, wobei wir auf dem Weg dorthin einige interessante Überraschungen erleben können. Wir sollten uns mehr trauen und nicht verzagen, wenn der erste Versuch von Vergesellschaftung in die Hose geht. Einmal Gehörtem blind zu vertrauen, dann mangels unzulänglicher Recherchen falsche Schlüsse zu ziehen, führt uns ganz sicher auf den Holzweg, und bringt uns im Verstehen und in der Pflege unserer Fische nicht weiter. Wir sollten uns mehr mit ihrem Verhalten beschäftigen, und sie nicht nur als schmückendes Beiwerk zwischen unseren Korallen schwimmen lassen. Dann kann es durchaus sein, daß sich mit der Zeit durch die eigene Neugier und das Hinterfragen von Mutmaßungen oder bestimmten Meinungen eine veränderte Sicht auf die Dinge einstellt, die uns letztendlich zu einer optimaleren Pflege dieser interessanten Fische führt.
    Cheilinus undulatus, ebenfalls ein protogyner Hermaphrodit, wird erst im Alter von 8-10 Jahren geschlechtsreif, mit einer Lebenserwartung von ca. 50 Jahren!! Weil bei ihm die "Irrungen und Wirrungen" so spät einsetzen, könnte man ihn glatt als geeigneten stressfreien Fisch für das heimische Aquarium empfehlen (wenn er nicht so ein Riese wäre). Höchstwahrscheinlich hat aber auf dieser langen Zeitreise so mancher Aquarianer sein Becken längst an den Nagel gehängt, und wird sich auch diesbezüglich keine weiteren Gedanken über das eventuelle aggressive Verhalten seines Pfleglings machen müssen..... :grinning_squinting_face:
    Ich bin mir auch im Klaren, daß das Verhalten der oben beschriebenen Fische zum Teil gewissen Notsituationen geschuldet ist, ob nun in der Natur oder in Versuchen unter wissenschaftlicher Kontrolle im Aquarium. Aber entspricht das Leben dieser Fische in unseren eigenen Aquarien nicht auch einer solchen Zwangslage? Parallelen kann ich erkennen. Die Folgen des grundsätzlichen Geschlechtswechsel-Problems können in meinen Augen abgefedert werden. Die Aquarien sollten nur groß genug sein!
    Das oben Geschriebene ist das Ergebnis von Recherchen über die Lippfische im Allgemeinen, und meinen eigenen, persönlichen Vermutungen im Speziellen.
    Man kann jetzt diskutieren: Holzweg oder nicht?
    Gruß
    Hajo

    Plädoyer für die Neugier an Lippfischen oder Gedanken über ihre Vergesellschaftung


    Hallo zusammen,

    Pauschalieren und einmal Gehörtes wiederkäuen sollte für uns alle nicht zur Gewohnheit werden, und gleichermaßen festgetackerte Behauptungen sollten deswegen als schlechtes Beispiel auch nicht unkommentiert bleiben. Gegen diese simplen Pauschalierungen und Wiederholungen "althergebrachter Erkenntnisse", die so alt sind, dass sie Bärte tragen und obendrein Patina ansetzen, habe ich etwas. Es gibt gewiss unumstößliche Regeln auf dem Gebiet der Reproduktion der Arten, sowie es aber auch facettenreiche Ausnahmen von diesen gibt. Um den Blick auf diese Ausnahmen geht es mir. Es sind gar nicht einmal so wenige......
    Auch darf ruhig einmal über den Tellerrand hinweg geschaut werden, um seinen Gedanken zum Thema "Vergesellschaftung und Fortpflanzung" dieser interessanten Fischgruppe freien Lauf zu lassen, auch um damit den eigenen Horizont zu erweitern und um das Verhalten dieser interessanten Tiere besser zu verstehen. Das gelingt aber nur, wenn man sich intensiv mit ihnen befasst und nicht gleich jedes Klischee bedient. Allenfalls auch auf die Gefahr hin, daß man vielleicht hinterher gedanklich in einer Sackgasse endet, oder wie man so schön sagt, sich "auf dem Holzweg" befindet. Das wäre zwar eine eigene negative Erfahrung, aber zugleich ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur besseren Erkenntnis. Vielleicht konnten einige Mitleser bereits bemerken, daß ich, im Gegensatz zu anderen Meerwasserbegeisterten, stets die Fische vorn anstelle und nicht die Korallen. Korallen sind bei mir das "schmückende Beiwerk". Letztendlich soll aber jeder selber entscheiden, ob sich aus den nachfolgenden Zeilen ein Für oder Wider für die Pflege von Lippfischen im Aquarium ergibt.
    Ich möchte mich hiermit ein wenig von den einseitigen Kommentaren entfernen und den Blick auf einen bestimmten Mechanismus der Evolution lenken. Das Ergebnis ist keine Laune der Natur, sondern entspringt einer puren Notwendigkeit in der fischeigenen Reproduktion. Das klingt jetzt etwas hochgestochen, erklärt aber im folgenden, was gemeint ist.
    Im Leben dieser Fische dient alles dem Fressen und der eigenen Arterhaltung. Wenn der letzte Punkt aber zur Überlebensfrage wird, sind Abweichungen zu beobachten. So hat es die Natur mancherorts eingerichtet.
    Das System der Lippfische ist vielschichtig. Protogyner Hermaphrodismus ist weit verbreitet, aber nicht unbedingt zwingend bei bestimmten Arten. Ähnlich verhält es sich mit der Haremsstruktur. Die einen pflegen sie, die anderen nicht. Es ist dann auch nicht verwunderlich, wenn manche Beobachtung anders verläuft, als man erwartet. Die Eiablage und Befruchtung geschieht im freien Wasser, unabhängig ob die Art paarweise oder im Harem unterwegs ist. Doch es gibt sogar Nestbauer unter ihnen! Lippfische sind (fast) alle Hermaphroditen, also Zwitter. Die Frage ist nur, wie gehen sie damit um? Als Antwort hört man immer: " Protogyne Hermaphroditen. Als Weibchen geboren und geendet als männliches Tier". Ist das aber immer so einfach zu sehen? Kann man diesen scheinbar unaufhaltsamen Weg für alle Hermaphroditen und besonders für alle Situationen über einen Kamm scheren? Einfache Antworten darauf sind mir zu simpel.
    Viele glauben, überwiegend vertrauend auf diversen Beschreibungen oder alten Überlieferungen oder vereinzelt gemachten ungenauen Beobachtungen, daß alle Lippfischarten durch die Bank weg stereotyp den protogynen Geschlechtswechsel durchlaufen, also sogenannte "strenge protogyne Hermaphroditen" sind. Bestimmt als weibliches Tier geboren, mit dem Schicksal auf ihrer Lebensstrecke stets als Männchen enden zu müssen. Dieser Einbahnstraßenrhetorik darf man ruhig einmal stellenweise zart widersprechen. Es mag ja für viele Lippfischleben gelten. Für einige Mitglieder dieser Fischfamilie verläuft diese Prognose aber sicherlich nicht ganz so deutlich voraussehbar, denn so direkt linear verläuft dieser Weg nicht immer im Leben dieser Tiere. Die Philosophie des Weges "of no return" hat einen Knacks bekommen.
    Bestimmte Arten können sich entweder sofort als weibliches Tier oder unmittelbar als verkapptes Männchen (primary male) entwickeln. Beide zeigen identische Merkmale im Aussehen, sind also nicht voneinander zu unterscheiden. Ausgewachsene Weibchen wechseln nur das Geschlecht, wenn sie die Möglichkeit haben, das Territorium eines großen Männchens zu übernehmen. Hierbei wechseln sie das Geschlecht und ihre Färbung. Verkappte Männchen (primary males) sind ebenfalls in der Lage sich farblich zu ändern, wenn sie groß genug sind, um ebenfalls einen Harem zu übernehmen, obwohl sie ihr Geschlecht vorher nicht gewechselt haben, ja zwangsläufig nicht konnten. Sie wechseln nur die Farbe, sind aber immer Männchen geblieben!
    Der Lippfisch Pseudolabrus sieboldi und andere schlagen ebenfalls aus der Art und passen nicht in ein herkömmliches Raster.
    Eine Studie sagt uns, daß zu Versuchszwecken in einem 1000l Aquarium 6 Weibchen gehalten wurden, wobei der größte Fisch in das männliche Geschlecht wechselte. Bis hier kommt uns das bekannt vor. Wenn aber umgekehrt sieben Männchen das Becken teilen mussten, wechselte das kleinste Männchen in das weibliche Geschlecht! Das zeigt uns, daß P. sieboldi die Fähigkeit hat, unter gewissen sozialen Zwängen das Geschlecht bidirektional zu wechseln. Diese Erkenntnis gilt immer mehr auch für einige andere Arten.
    Die Blaukopf-Junker, Thalassoma bifasciatum, (Turner 1990) haben zu Beginn ihres Daseins kein Geschlecht (geschlechtsoffen) ; erst im Laufe ihrer Entwicklung werden sie zu Männchen oder Weibchen. Allerdings könnten sie als Erwachsene ihr Geschlecht noch einmal wechseln, schreiben die Forscher. Generell hänge dann das Geschlecht davon ab, wie viele andere Tiere dieser Art im selben Gebiet leben. Bei einer geringen Zahl ist die Wahrscheinlichkeit, dass Männchen zu Weibchen werden, deutlich höher. Gibt es viele Fische, werden dagegen aus Weibchen Männchen. Das scheint eine zentrale Aussage, nicht nur im Leben dieser großen Tierfamilie, im Riff zu sein!
    Ein anderes Beispiel betrifft den Putzer-Lippfisch Labroides dimidiatus. Die Männchen dieser Art sind in gewissen Situationen in der Lage, sich mangels weiblichem Gegenpart mit anderen männlichen Tieren zu versuchen, bis sich tatsächlich aus einigen kleineren Exemplaren funktionstüchtige Weibchen entwickeln (Kuwamura 2014).
    Wo bleibt also bei den oben geschilderten Vorgängen die eingangs erwähnte unumkehrbare lieare Kontinuität? Sie ist nicht mehr vorhanden! Nach diesen Tatsachen fällt es schwer, die These der Unumkehrbarkeit als einzige Möglichkeit aufrecht zu erhalten. Bei manchen Grundelarten wird es noch interessanter. Sie können mehrfach das Geschlecht wechseln. Ich vermute einmal, daß wir das Thema des individuellen Geschlechtswechsels noch nicht gänzlich aufgebröselt haben. Im Fall der Familie der Lippfische könnte es sein, daß die Erkenntnisse über einige Arten nicht nur protogyne Hermaphroditen hervorbringen, sondern ebenso einige simultane Geschlechtswechsler, bei denen wir früher nur den strengen protogynen Geschlechtswechsel angenommen haben. Einige Cirrhilabrus-Arten (Männchen) scheinen unter bestimmten Bedingungen ebenfalls in der Lage zu sein, das Geschlecht rückwärts zu wechseln. Gleichermaßen beobachtet an Apolemichthys trimaculatus und einigen Centropyge-Arten (erst Männchen, dann Weibchen). Der Vorteil ist klar. Es wäre im Sinne der Arterhaltung von zentraler Bedeutung, sicherlich auch geschuldet der Größe ihrer Population und ihres Revieres.
    Was dieses Verhalten eventuell für gewinnbringende Vorteile für die Aquarienpflege bedeuten kann, wäre eine interessante Aufgabe herauszufinden!!

    Fortsetzung --->

    Hallo Gerhard,

    ich kann mich da teilweise den Beobachtungen von Clemens anschliessen. Mein Paar lebte mehrere Jahre zusammen. Das Weib verschwand zuerst, nach ein paar Monaten auch das Männchen. Der Unterschied zu deiner Situation war damals der Kauf eines kompletten Paares. Allerdings glaube ich diesbezüglich nicht an einen Vorteil für das spätere Zusammenleben. Hingegen vermute ich einen gewissen Vorteil in der Beckengroesse bei der anstehenden Stressbewältigung der kuenftigen Rivalen. Du kannst eigentlich weiterhin nur beobachten und ggf. eingreifen. Die Animositäten sehen für den Betrachter oft schlimmer aus, als sie sind. Allerdings gibt es bei geringen Fluchtmöglichkeiten auch Todesfälle. Sei es durch den Angstsprung nach draussen oder durch nicht nachlassende Aggressionen des jetzt dominanteren Tieres.
    Gruss
    Hajo

    Hallo Clemens,

    das hört sich ja erst einmal schon gut an. :] Mit dem Fressen, wie mit dem Langzeitbericht. Richtig zurücklehnen kannst du dich aber erst, wenn der Fisch die Ein- und Umgewöhnungsphase hinter sich gebracht hat. Obwohl immer zu lesen ist, diese Art waere relativ unempfindlich, was im Gegensatz zu anderen Faltern sicher auch zutrifft, ist kein Fisch in Gefangenschaft sicher vor Infektionskrankheiten. Schon gar nicht nach einem langen Transportweg. Hilfreich für spätere, weitere Diskussionen waere ein Foto vom Becken und seinen Insassen. Wir (ich) konnten uns bislang kein Bild vom Inventar, bzw. den besagten Korallenpolypen machen. Vielleicht kann man die Warnungen damit etwas relativieren.
    Gruss
    Hajo

    Hallo Clemens,

    nein, ich bezog mich hier speziell auf den Coradion. Nur über diesen Fisch kann ich berichten. Allerdings hatte ich langfristig kein Glück mit diesem Tier. Nach einem knappen Jahr verstarb er aus unerklaerbaren Gründen. Mit Faltern ist das so eine Sache, wenn das Thema Korallenvertraeglichkeit aufkommt. Es gibt Arten, wo man gleich abwinken muss. Dann eilt einigen Spezies der Ruf voraus, keine Probleme zu machen. Manche frühe Beobachtung revidiert sich, da Langzeitbeobachtungen zu einem anderen Schluss kommen. Siehe Ch.kleinii. Den Coradion kann man versuchen, aber eine absolute Sicherheit für jede Art von Polypen oder Muschel, würde ich nicht geben wollen, da manche Fische doch recht unterschiedlich auf die verschiedenen Polypenart reagieren. Ich habe Falter und Kaiser mit recht unterschiedlichen Vorlieben gepflegt. Wenn die eine Art sich über Xenien hergemacht hat, hat die andere diese ignoriert und sich lieber fuer die Acroporen interessiert. Ich wünsche dir eine gute Zeit mit dem Coradion. Vielleicht berichtest du einmal zu einem spaeteren Zeitpunkt über deine Erfahrungen mit diesem doch etwas seltenen Zeitgenossen. Interessiert bestimmt nicht wenige Mitleser!
    Gruss
    Hajo

    Hallo Clemens,
    dass Prognadothes in größeren Tiefen vorkommt, bedeutet nicht, dass er nicht doch noch an Korallenpolypen Geschmack finden kann. Genauso sehe ich das bei Coradion. So bei mir mit Sinularia-Arten geschehen. Ein anderes Beispiel waere Chelmon. Meist friedlich, aber dennoch kein Ahnungsloser, wenn es bestimmte Polypen angeht. Ob es nun ein Mangel an geeigneter Nahrung, Langeweile oder Auslösung eines bestimmten Fressreizes ist, das Ergebnis waere dasselbe. Irgendwann wird an bestimmten Polypen Gefallen gefunden. Man kann es mit Futter kompensieren. Aber nur ein stueckweit. Informationen in dieser Richtung sind nur so gut, wie es die langfristigen Beobachtungen zulassen. Und da bin ich bei manchen Berichten etwas irritiert.
    Gruss
    Hajo

    Hallo Klaus,

    im Rahmen unserer Diskussion über Keramik gebe ich Dir recht. Allerdings habe ich so meine Zweifel bei der Frage nach biotopgerechter Einrichtung. Dass der Japonicus keine Pünktchen hat, ist gut und schön. Er braucht es in anderen Becken auch nicht zu haben. Dass er aber keine natürlichen Abweidemöglichkeiten hat, das stört mich schon sehr. Mit Rücksicht auf einen wahrscheinlich gewollten und permanenten Mangel an Naehrstoffen wird sich in diesem Becken daran auch nichts aendern. Und was sollen eigentlich die armen Amphiprion in dieser Umgebung? Die Viridis passen da auch nicht ins Bild, da sie gewohnt sind, ihe natuerliches und soziales Verhalten in weit groesseren Korallen auszuleben. Diese Stoeckchen sind groessenmaessig nicht für sie geeignet Alles in allem wird das der Beginn von Verhaltensstörungen sein. Wenn nicht jetzt, dann doch später. Von dieser Art von Perspektive habe ich die Nase voll!

    Gruss
    Hajo

    Hallo zusammen,

    die unterschiedlichen Meinungen über Ikebana-Riffchen sind sicher interessant, aber sind nur am Rande das Thema. Ihr merkt, ich bin da näher bei Bernd. Und das ist auch gut so. =)
    Hans-Werner hat uns als Gegenargument für langsames Wachstum das Beispiel mit der zügigen Besiedelung von Tonscherben in seinem Aquarium gebracht. Das hat mich an etwas erinnert, was schon sehr lange zurückliegt. An meine Süsswasserzeit. Ja, auch ich oute mich, u. a. über das Süsswasser zum Meerwasser gefunden zu haben. Allerdings gab es da noch einen kleinen Zwischenstopp in den Bereich des Brackwassers. Monodactylus und Scatophagus argus lassen grüßen! :]
    Die Nutzung von tönernen Blumentöpfen als Unterschlupf für die Fische war damals weit verbreitet. So auch in meinen Becken. Mir fiel allerdings schon damals auf, daß nicht jeder gebrannte Ton gleichermaßen schnell von Algen überzogen wurde. Es gab Situationen, wo die Pinselalgen mehr die Holzwurzeln und den Boden überwucherten oder sich gleich in den Kitt der Scheiben fraßen. Der (gebrannte) Blumentopf blieb davon (erst einmal) unberührt. Es dauerte manchmal eine längere Zeit, bis auf der glatten Fläche Algen Platz fanden.
    Das andere Beispiel ist neuzeitlicher Natur und betrifft meinen Gartenteich. Insbesondere die Frösche. Weil meiner Frau das lebende (Frosch)Inventar nicht groß genug (an Gestalt!)erschien, bekamen die beiden lebenden Frösche größere,tönerne Kameraden zur Seite gestellt. Wie das aber so ist, wurden die umliegenden Gesteinsflächen witterungsbedingt jedes Jahr von Algen und algenähnlichen Substanzen überzogen. So auch die künstlichen Imitationen. Bis auf ein einzelnes, tönernes Exemplar. Dieses Objekt überstand makellos jedwede witterungsbedingte Verunreinigung. Sehr zur Freude meiner Frau. Jedes Frühjahr, wenn wir die tönernen Gesellen aus dem "Winterschlaf" aus dem Keller holen, machen wir Witze über diesen sterilen Kameraden. Mittlerweile hat sich dieser Saubermann (nach 3 Jahren!) farblich seinen tönernen Kameraden angepasst. Er veralgt langsam.
    Warum ich das alles so langatmig erzähle? Es ist nämlich nicht immer so, daß sich Tonscherben generell als bevorzugtes Medium für Algenwuchs darstellen, sondern dass es ebenfalls besiedlungsresistente Ausnahmen gibt.
    Dieser Punkt scheint mir zwei Vermutungen Wert.
    Erstens: Bei der Fertigung dieser Produkte sind mit Absicht wachstumshemmende Stoffe eingearbeitet worden.
    Zweitens: Es ist bei der Produktion unabsichtlich ein Material verwendet worden, was zwar solche Eigenschaften aufweist, aber nicht gewollt war. Wenn ich an meine Süsswasserzeit zurückdenke, fällt Punkt 1 weg. Damals hat bestimmt noch niemand in diesem Zusammenhang an die Verarbeitung von wachstumshemmenden Stoffen gedacht. Schon gar nicht bei solch profanen Allerweltsprodukten. Wäre ja auch viel zu teuer gekommen. Da sich die drei "Kunstobjekte" in Form und Größe kaum unterscheiden, schließe ich wegen der zusätzlichen Kosten im Verarbeitungsprozess, den ersten Gedanken aus. Übrig bleibt der Verdacht eines sich veränderten Materials im Zuge des Herstellungsprozesses. Ob das hier tatsächlich zutreffen kann, entzieht sich leider meiner Kenntnis und ist kaum überprüfbar. Im Einzelfall glaube ich das aber schon. Ob dieser Verdacht auch auf unsere Keramik zutreffen kann, wird uns nur der Hersteller beantworten können. Komisch ist es schon, wenn in mehreren Fällen davon geprochen wird, daß zwar auf Pumpen, Kabeln, Plastikteilen, Heizern u. ä. (Kalk)Algen Platz genommen haben, und auf der Keramik nichts passiert. Ich könnte mir schon vorstellen, dass aus diesem Grund mikrobielle Prozesse, wie z. B. einige Biofilme, sich schwer tun auf solchen toten, für die Besiedlung aggressiven Oberflächen in Tritt zu kommen. Da unterschiedliche Wahrnehmungen über den zeitlichen Verlauf der "Reifung" der Keramik bekannt sind, wäre es nicht sonderlich absurd auch über eine unterschiedliche Zusammensetzung der Keramik nachzudenken. Bitte, nur erst einmal zu überdenken, nicht gleich den Hersteller dafür verantwortlich machen! Ich erinnere gerne in diesem Zusammenhang an meine oben genannten Beobachtungen auf anderem Material. Wo Biofilme sich breit machen ist Leben. Wenn aber kein Leben auf der Keramik vorhanden ist, wo sind dann all die mikrobiellen Substanzen? Überall, nur (noch) nicht auf der Keramik. Es dauert in manchen Becken eine lange Zeit, bis dieses Kunstmaterial besiedlungsfähig wird. Vielleicht, weil in bestimmten Fällen die Oberfläche der Keramik noch nicht genügend ausgelaugt, und damit die Oberfläche für diese Prozesse noch nicht genügend vorbereitet ist? Wird sich deswegen kaum Leben regen? Wäre das vielleicht ein neuer Ansatzpunkt?
    Gruß
    Hajo


    Hallo Klaus,

    sicherlich wird z. B. in den Becken der Züchter so verfahren. Es sagt mir auch nichts ueber die weitere Bestaendigkeit aus. Nichts weiter, als eine verkaufsfoerdende Momentaufnahme. Das hat mit dem "Alltag" eines Meerwasserbeckens nicht viel gemein. Ich begreife Verkaufsbecken immer nur als Durchgang für schnell umzusetzende Ware. Die beiden anderen Becken entsprechen mehr einer gelebten Realitaet. Solche Becken, auch mit unterschiedlichen, biologischen Zonen, sind für mich von groesserem Interesse, als sterile Zuchtanstalten. Natürlich gibt es wundervolle Becken, die uns eine riesige Menge Korallen zeigen, oft auch bevoelkert durch eine ebenfalls grosse Anzahl von Fischen. Das sind alles Becken, welche bereits den Modus eines optimalen Gleichgewichts erreicht haben. Mit welchen Mitteln auch immer. Der Weg dorthin ist doch fuer uns interessant, nicht allein das "fertige Produkt". Oder sehe ich das falsch?

    Gruss
    Hajo

    Die letzten Tage habe ich mal auf einigen Seiten recherchiert. Und ich sehe es nicht mehr als Zufall an, dass in der Tat, die schönsten Becken, oft die wenigste Deko aufweisen, ja geradezu spartanisch dekoriert sind. Zufall ? Auch für mich ein klares Indiz, dass die großen Flächen keinen Vorteil bringen für die Korallen....im Gegenteil...

    Hier noch mal ein par solche Beispiele, ganz aktuell bei Facebook gefunden von Freunden, mit denen ich verlinkt bin... ....Bilder sagen mehr, als viele Worte....

    Grüße ... Klaus


    Ja, Klaus, Bild 2 bis 4 sagen mir, dass es Verkaufsbecken sind. Wo siehst du da eine Verbindung zum Thema? :loudly_crying_face:


    Gruss
    Hajo

    Hallo,

    mein Vorschlag wäre, zurück zum Thema, auf das meines Erachtens weder die Beiträge von Hajo, Bernd oder Jörg angewendet werden können, denn diese beziehen sich meiner Meinung nach auf die mehr als zwanzigjährige Praxis, Becken ganz überwiegend mit Lebendgestein einzufahren............

    Grüße

    Hans-Werner


    Hallo Hans-Werner,

    zuerst möchte ich dich ein wenig korrigieren. Wo soll es denn in meinen Beiträgen an Informationen bezüglich der Eigenschaften von Keramikbecken mangeln? In mindestens einem Dutzend Beiträge, und nicht nur hier, habe ich mich zu diesem Thema stets positiv geäussert. Meist dann, wenn die weniger erfolgreichen Becken zum Thema wurden. Auch im Laufe dieser Diskussion berichtete ich von den zaghaften Anfängen des (Kalk)Algenwachstums über den Vorgang einer schnellen Bepflasterung der Keramik mit verschiedensten Korallen, bis hin zu den untermauerten Beispielen mit Fotos, nach einem Jahr und bis hinein in die heutige Zeit. Mit Zeitangaben habe ich auch nicht hinterm Berg gehalten. Allerdings habe ich in einem Beitrag den zeitlichen Reifungsprozess mit jenem verglichen, den ich auch in LS-Becken beobachten konnte. Das ist meine ganz persönliche Meinung, hervorgegangen aus ebenfalls ganz persönlichen Beobachtungen. Das bedeutet aber nie und nimmer, daß ich mich in die Ecke schieben lasse, wo du die Keramikgegner vermutest. Nur zu Erinnerung: Mein Becken (dessen Gesteinsart hier das Thema ist, und welches ich womöglich als weniger negatives Beispiel in die laufende Diskussion eingebracht habe) besteht aus 100 Prozent!! künstlicher Riffkeramik. Das bei einer Literzahl von nur 350l und einer kompletten Keramikrückwand von 85x80cm! Also in Relation zur Wassermenge doch recht viel künstliches Gestein im Becken! Lebendgestein ist in diesem Becken nicht vorhanden und auch nie vorhanden gewesen. Ich kann wirklich nicht erkennen, wo du diese Information gelesen hast. Der, vielleicht auch laienhafte Begriff der konkurrierenden Flächen, wurde ebenfalls von mir in die Diskussion gebracht: Bei viel toter (Keramik)Fläche und wenigen Korallen treten die meisten Probleme auf. Weniger (Keramik)Fläche + mehr Korallen = kaum Probleme. Man kann sich auch eine Wippe vorstellen. Die einfache Vermutung stand dahinter, daß vielleicht die eine "Fläche" der anderen die "Nahrung" entzieht. Deswegen habe ich auch den unkontrollierten Einsatz von Adsorbern oder sonstigen reduzierenden Produkten in der Einlaufphase als kontraproduktiv kritisiert. Was so etwas für Folgen haben kann, wird ein jeder berichten können, der in Unkenntnis einer bereits bestehenden Nährstofflimitierung die Empfehlungen der Hersteller nicht liest oder versteht, oder falsch interpretiert. Das Ergebnis ist der allseits bekannte und oft beschriebene GAU. Dann sorge ich doch sicherheitshalber erst einmal für genügend Nährstoffe!
    Gruß
    Hajo