Hallo zusammen,
wer mein Geschreibsel über dieses Thema, bzw. meine diversen Kommentare zur Keramik verfolgt hat, dem wird nicht entgangen sein, dass ich nicht zu denen gehoere, die diese Probleme zu erleiden hatten. Ich gewinne aber mehr und mehr den Eindruck, dass sich die Zahl derer, die eine Bauchlandung mit diesem Werkstoff haben oder hatten, von der Anzahl zunehmen. Wir sind hier ein relativ kleiner Haufen, der sich wahrscheinlich erstmalig und ernsthaft diesem Thema widmet. Ich fürchte, außerhalb unseres kleinen Kreises haben noch weitere Aquarianer Probleme mit der Keramik, ohne direkt zu wissen, warum. Ich frage mich schon die ganze Zeit, wie ist es den anderen ergangen, die keine gedankliche Verbindung zwischen der Keramik und dem schlechten Zustand ihrer Tiere herstellen konnten. Ich selbst kenne in meinem Umfeld keinen negativen Fall in Bezug auf eine akute Keramik-Problematik. Allerdings haben alle Betreiber solcher Becken keine 100% Keramik verarbeitet, sondern einen Mix von LS und Keramik. Der Ursprung dieses Gedankens lag auf der Hand. Man wollte mit den LS-Brocken versuchen, die erst einmal lebensfeindliche Periode besser zu ueberbruecken, um dann spaeter schneller seine Wunschtiere einsetzen zu können. Diesen Weg bin ich auf diese Art und Weise nicht gegangen. Ich habe von Anfang an, old school hin oder her, mein Riffkeramikbecken mit einer grossen Menge Caulerpa racemosa vollgehauen. Nicht etwa, weil ich bereits damals (2008 irgendeine nebuloese Vorstellung von den moeglichen dramatischen Auswirkungen einer kompletten grossen Keramikrückwand auf mein Beckenmilieu gehabt haben koennte. Nein, von der Moeglichkeit dieses Desasters hatte ich zu diesem Zeitpunkt nicht den blassesten Schimmer. Ich habe nur einfach zu diesem Mittel gegriffen, weil ich diese Art von Milieuverbesserung in all meinen frueheren und spaeteren Aquarien durchgeführt habe. So denke ich, dass ich moeglicherweise vielleicht mit dieser Methode unbewusst das Richtige (Organik) auch fuer das Keramikbecken getan habe. In diesem Zusammenhang möchte ich auch nicht verschweigen, dass ich nicht zu jener Fraktion gehöre, die zum Ziel haben, ihre Becken besonders schnell und ueberhaupt nahezu naehrstofffrei zu bekommen. Falls jetzt wieder entgegnet wird, dann müsste man ja generell auf Acropora & Co. verzichten, ist das falsch und nur die halbe Wahrheit. Neonfarben sind zwar ganz schön, aber der Ritt auf der Rasierklinge ist mir zu stressig und etwas Sinnvolles kann ich auch nicht erkennen. Die Korallen wachsen auch unter naehrstoffreicheren Bedingungen ueberwiegend zufriedenstellend. Vielleicht farblich nicht besonders extrem ausgeprägt, aber sie wachsen zu grossen Stöcken heran, ohne allzu viel von ihren ursprünglichen Farbtoenen zu verlieren. Ein moderater Naehrstoffpegel ist für mich noch immer die Basis für ein zufriedenstellendes Wachstum.
In diesem Zusammenhang hielt sich im Durchschnitt der Wert von PO4 (0,06) und NO3 (10) in den letzten Jahren relativ stabil. Auch möchte ich nicht verschweigen, dass das nicht immer so war. Im Gegensatz zu anderen Startern war in meinem Becken kein grossartiger Phosphatmangel zu beobachten, Nitrat war auch ganz ordentlich. Abhilfe kam durch den Einsatz eines PO4-Adsorbers und einem wöchentlichen WW von 5-10% meines Wassergesamtvolumens. Im Nachhinein kann man zu der Ueberlegung kommen, dass bei moeglichen Giftstoffen im Wasser , diese durch den regelmaessigen WW ausgetragen wurden. Nitrat beachtete ich nicht, wohl wissend, dass das Verhältnis PO4/NO3 im Argen lag. Erst zu einem spaeteren Zeitpunkt wurde dieses Missverhältnis durch die Anwendung von BactoBalance positiv korrigiert.
Warum ich das erzähle, hat einen Grund. Mir ist schon lange aufgefallen, dass es eine Vielzahl von Anfaengern (nicht nur) gibt, die ohne sonderliche Erfahrung gleich ins kalte Wasser springen. Das machen diese Damen und Herren nicht aus freien Stuecken, sondern werden durch eine gezielte Werbung fasziniert und manipuliert, deren Hintergrund sie nicht verstehen oder befolgen Ratschläge eines Händlers, dessen kaufmännisches Geschick noch über seiner fachlichen Inkompetenz steht. Die Folge davon sind meist Becken, die schwer in Tritt kommen. Wenn sich jetzt noch herausstellen sollte, dass der Betreiber sein Becken mit Keramik dekoriert hat, dann stehen wir vor zwei Problemen. Vor einem unkundigen Anwender und vor einem Werkstoff, der, wie wir jetzt wissen, besondere Aufmerksamkeit verdient. Wenn aber beide Dinge zusammenkommen , dann erwächst aus dieser Situation ein Gau. Dieser kann mit der Abkehr vom Hobby oder einer Neueinrichtung des alten Beckens enden. Jedenfalls ist Lehrgeld gezahlt worden. So etwas muss nicht sein, wenn nicht immer vorgegaukelt würde, dass Meerwasseraquaristik ohne eine gewisse Bildung betrieben werden kann. Mit Bildung meine ich grundsätzlich das Sammeln von Erfahrung! Dazu gehört nicht nur das Lesen der entsprechenden Beschreibungen von Fisch und Niederen, sondern auch das Verstehen biologischer und chemischer Zusammenhänge im Meerwasseraquarium. Wem das zuviel erscheint, der sollte sich eine andere Beschaeftigung suchen.
In der gängigen meerwasserlastigen Literatur ist leider über den Werkstoff Keramik und seine Besonderheiten nichts zu finden. Vielleicht, weil unterschiedliche Herstellungsprozesse (Brennvorgaenge) auch unterschiedliches Material hervorbringen koennen? Wie soll man da einen einheitlichen Leitfaden finden?
Momentan geistern nur Vermutungen durch's Land. Ich waere froh, wenn sich der Nebel über dieser Problematik bald lichten würde. Der Anfang ist ja gemacht.
Gruss
Hajo