Hallo zusammen,
meine Gedanken zu den Cyanobakterien passen nicht ganz zum eigentlichen Thema. Ich schreibe sie trotzdem nieder, da man mit Erfolgen, auch wenn sie noch so klein sind, nicht hinterm Berg halten soll. Vielleicht hilft's einmal.
Ich hatte in der Vergangenheit immer wieder einmal mit Cyanos zutun. Nicht nur in frisch eingerichteten sondern auch hin und wieder in Becken, welche bereits mehrere Jahre standen. Dort nicht selten nach dem Austausch von Bodengrund oder auf abgestorbenem, toten Material, wie z.B. Koallenaesten etc. Das laesst für mich den Schluss zu, dass andere vorhandene, konkurrierende Bakteriengruppen entweder mit der Neubesiedlung nicht schnell genug in die Strümpfe kamen, und dass auf den Oberflächen ein ehemaliges vorhandenes Gleichgewicht durch unbekannte Faktoren zumindest partiell gestört war. Es kann aber auch sein, dass bei älteren Becken bereits eine Verarmung der Bakterienvielfalt stattgefunden hat und sich dadurch einige Stämme nicht schnell genug durchsetzen können (Hypothese). Nun, wie auch immer....
Im letzen Frühjahr wurde nach einigen Wochen mein frisch eingerichtetes Becken von dieser Plage heimgesucht. Da dieses Becken wegen Nichterfüllung des gesamten Auftrages wieder an den Lieferanten zurückging, war damit auch erst einmal das Problem mit den Cyanos vom Tisch. Allerdings hatte ich in den letzten der verbleibenden Wochen Besuch von einem Mitarbeiter eines bekannten Vertriebs von Bakterienpräparaten. Diese Firma hat sich freundlicher Weise den Luxus erlaubt, einen Mitarbeiter des Vertriebes vorbei zu schicken. Wir entschieden uns für einen Versuch, die sich ausbreitenden Cyanos mit zwei verschiedenen Bakterienpräparaten zu bekaempfen. Die noch verbleibenden Wochen verbrachte ich mit der Zugabe der Mittel, unterstuetzt durch eine partielle Absaugung der roten Matten. Es zeigte sich bis zur Auflösung des Beckens eine sichtbar leichte Eindaemmung. Mehr nicht.
Den Neustart des jetzigen Beckens begann ich diesmal sofort mit der Zugabe der Bakterien. Unterstützt wurde dieser Vorgang durch eine wöchentliche Dosierung eines Kalkrotalgenboosters. Gestein und Korallenbesatz aus dem alten Becken wurden gesäubert und übernommen, der Bodengrund allerdings neu eingebracht. Man kann sagen, dass alle raeumlichen Besiedlungsflächen, inklusive Material, in etwa denen des vorherigen Becken entsprachen. Nach den Kieselalgen zeigten sich nach relativ kurzer Zeit die ersten dunklen Flecken der Kalkrotalgen. Grüner Belag machte sich dagegen rar. Für weiteres, algenfreies Substrat sorgten ein Flavescens und ein Bürstenzahner. Besonders Letzterer unermüdlich.
Das Becken steht ausgezeichnete 6 Monate. Es sind keinerlei Cyanos aufgetaucht. Auch keine der anderen Vertreter der "Schmieralgen"-Gruppe. Nicht ein einziger Fleck! Falls die Cyanos latent vorhanden sind, dann haben sie sich gut versteckt!
Die Bakterienauffrischungen habe ich mittlerweile stark reduziert, auch die Zugabe für das Wachstum der Rotalgen wurde auf ein Minimum beschränkt.
Normalerweise hätte ich auf eine eventuelle Ausbreitung von "Schmieralgen" mit konventionellen Methoden reagiert. Da ich aber immer noch den Zustand des alten Beckens vor Augen hatte, und mich zugleich an gewisse Erfolge mit Bakterienpräparaten einiger meiner Spezls in der Meerwasseraquaristik erinnerte, entschied ich mich für den Neustart mit den Bakterienkulturen. Mit vollem Erfolg.
Einen Beweis kann ich jedoch nicht liefern: Wie wäre der Verlauf bis zum heutigen Tage bei einem akuten Cyano-Befall gewesen? Leichte oder deutliche Eindaemmung durch die Zugabe der Bakterien? Oder Tendenz gegen Null?
Der Zeitrahmen entspricht jetzt der Standzeit des alten Aquariums.
Gruss
Hajo