Hallo zusammen,
es war damals sicher deutlich anders, als in der heutigen Zeit. Da stimme ich Bernd zu.
Der Zugang zu den notwendigen Informationen war damals generell duerftig. Natuerlich immer gemessen an dem, was heute möglich ist.
Es fing mit Zeitschriften an, wie "Das Aquarium" und die "Datz", ging über die Meerwassersymposien in Lünen weiter und hoerte mit einer Handvoll Fachinformation (Grobe,Wilkens, Klausewitz, de Graaf, HW Fricke, Chuplaty etc.) als gebundenes Buch auf.
Es hielt sich damals bereits die merkwürdige Ansicht, dass die Geldausgabe für einen neuen Fisch oder eine Koralle besser angelegt sei, als der Kauf eines dieser Fachbücher.
Wer kennt oder kannte nicht die Aquarianer, die zwar jede Menge Illustrierte bei sich herumliegen haben, aber selten ein einziges Fachbuch über die Pflege ihrer Meerwassertiere. Ich kenne heute noch eine Anzahl von ihnen! Man sollte meinen, dass in den zum Teil vielen Lebensjahren dieser Mitmenschen der geistige Anspruch wenigstens etwas gestiegen wäre. Pustekuchen. Die gestellten Fragen, und was noch erschütternder ist, die Reaktionen darauf, zeugen immer noch von grosser Unbedarft- und Dummheit. Dazu kommt noch der Starrsinn. Nicht nur im Alter.
Wir haben uns damals alles besorgt, was über unser Hobby zu ergattern war.
Ich kann nicht ganz ohne Stolz darauf verweisen, dass mit der Zeit über 100 Bücher meine Regale füllen, die mehr oder weniger allesamt einen zerlesenen Eindruck widerspiegeln. Meine engen aquaristischen Freunde haben einen ähnlichen Bestand. Jeder Urlauber, der in Richtung USA oder Australien unterwegs war, wurde mit Bücherwünschen oder Zeitschriften beauftragt. Es gab ja noch kein Internet.
Mein ältestes Werk ist der "Kosmos". Angefangen mit dem Jahre 1926!! Der "Wunderfisch Holocanthus nicrobariensis" mit der "Botschaft Allahs auf dem Fischschwanz". Heute wird man darüber lächeln, weil aufgeklärt. Damals frass man alles Wissenswertes auf der Grundlage seiner Interessen. Wobei die Gemengelage manchmal abenteuerlich war.
Fische gab es damals reichlich. Leider auch reichlich Todeskandidaten. Einmal, weil die Kenntnis noch fehlte, und zum anderen weil viele mit Dummheit gesegnet waren und die farbenprächtigen Flossentraeger als eine Art Statussymbol betrachteten. Man sollte meinen, dass dieser "Webfehler" sich bis heute gelegt hat. Da habe ich so meine Zweifel.
Seit dem unseligen Nemo-Hype geben sich noch mehr Deppen beim Händler die Türklinke in die Hand. Ich bin auch nicht bereit, meine Einschaetzung einigermassen zu relativieren. Es ist halt, wie es ist. Egal, welchen Laden ich betrete. Die Dummschwätzer sind bereits dort.
Heute, in den Zeiten des Internets, sind Informationen überall zugänglich. Wenn man weiss, wo man zu suchen hat. Das ist auch so eine Geschichte........ Wem die natürlichen Zusammenhänge am Abend...vorbeigehen, der wird auch nichts mit der Komplexität dieser Materie etwas anfangen können. Das soll heissen, er wird kaum wissen wonach er suchen soll.
Um uns selbst auf dem laufenden zu halten, sind damals Fahrten durch das ganze Bundesgebiet unternommen worden. Mit mehr oder weniger Erfolg. Sogar der Blick hinter die Kulissen von Grossaquarien, wie Hagenbeck und dem Berliner Zoo wurde uns gestattet. Das Teilnehmerfeld trennte bereits die Spreu vom Weizen. Was übrig blieb, war der sogenannte harte Kern, der beinahe süchtig alles aufsog, was an Informationen zu verwenden war, und diese versuchte umzusetzen.
Es ist vieles besser geworden. Die Technik hat sich stark verbessert. Sie wird immer mehr zu einer sinnvollen Ergaenzung, was sie früher nicht unbedingt war. Erkenntnisse aus der Meerwasserchemie haben uns nach vorn gebracht und geholfen, den Bedürfnissen unserer Tiere Rechnung zu tragen. Wenn man heute in den Regalen nach Futtermitteln sucht, kann einem ob des Angebots schwindelig werden. Es nützt aber wenig, wenn es in den Regalen steht. Um es anzuwenden, und zwar sinnvoll, muss man die Beduerfnisse seiner Tiere verstehen.
Es sind zwar mittlerweile genug Nachschlagewerke vorhanden, auch einige elektronischen Ratgeber. Die einen sind kostenpflichtig, die anderen nicht. Warum sollte jemand, der Mühe hat seinen geistigen Ansprüchen zu folgen, eine Zeitschrift abonnieren, deren Nährwert er sowieso nicht erkennt?
Es war nicht die erste und auch nicht die letzte Zeitschrift, die das Handtuch schmeisst.
In allen Zeiten waren die bunten Bildchen stets interessanter, als der "schwierige Text" darunter. So gesehen sind die Fachzeitschriften und manche Fachbücher Opfer der Interessenlosigkeit ihrer Clientel geworden. Wo keine Nachfrage, da auch kein Verkauf.
Das hat auch nichts mit Qualität zu tun. Qualität kann nur derjenige erkennen, der um den Unterschied weiss. Und das ist nicht angeboren.
Perspektivlosigkeit allgemein gesehen, kann ich nicht entdecken. Partiell gesehen, aber wohl.
Gruss
Hajo