Zum Riffdach und dessen Korallen kommen wir etwas später. Habe gestern extra den Tidenhub gemessen, der liegt wirklich bei 2m, allerdings bei Vollmond. Interessant ist, daß bei Höchststand das Leben bis zur Wasserkante nur so wuselt, keine Ahnung, was die ganzen Tiere bei Ebbe machen, denn dann beginnt an der Wasserkante gleich das Riff und da ist jeder Quadratmeter eng umkämpft.
Generell ist es nicht ganz einfach, denn die Ebbe setzt unheimlich schnell ein, dann wird`s auch fix dunkel. Bei Hochwasser brettern pausenlos Longtail- oder Speedboote über das Riff, keine ungefährliche Angelegenheit mit UW Kamera, zumal meist etwa 0,5-1m Welle vorherrscht. Auch die Sicht ist mit maximal 10m, meist geringer, sehr bescheiden.
So habe ich die Taucherei gar nicht erst angefangen, bei 80€ PRO TAUCHGANG (alle drei Tauchschulen sind sich da einig), ist mir das einfach zu blöd. Meine größte Schnorcheltiefe waren 12m, auch da sieht es eher bescheiden aus, viel Sand und durch das trübe Wasser wenig Sicht und Licht, taucherisch also kein Gewinn.
Ich bin eigentlich kein geiziger Mensch, aber die Typen hier verleihen nicht mal einen Bleigurt, um einen so in die Tauchboote zu zwingen. Ich nehme das einfach als schnorchlerische Herausforderung.
Als ich gestern bei Ebbe an der Riffkante geschnorchelt bin, die Boote müssen dann aufgrund fehlenden Wassers weiter raus, ist mir eine kleine Gruppe junger Schwarzspitzenhaie begegnet. Die hatten vielleicht noch 30cm Wasser an der flachsten Stelle und zogen so von Ebbetümpel zu Ebbetümpel. Die waren extrem scheu, aber ihre Anzahl stieg so auf etwa 25 - 30 Stück. Irgendwann kamen auch 2 große Tiere an etwas tieferen Stellen. Welchen Sinn dieses Zusammenschwimmen hat, war nicht erkennbar, irgendwelche Jagdszenen waren nicht zu sehen.
Leider waren Fotos nicht drin, die Sicht ist bei ablaufendem Wasser extrem schlecht, die Tiere halten immer mindestens 3-4m Abstand, die großen noch mehr und bei dem Schluck Wasser unterm Bauchnabel muß man erstmal mit sich selbst zurechtkommen.
Interessant war, daß sie schon auf die kleinste Reaktion des Servomotors des Kameraobjektivs, der ja kaum hörbar ist, fast mit Panik und Flucht reagierten.
Ein Blick durch den Sucher ging überhaupt nicht, dann waren sie gleich weg. Und die sind richtig schnell! Alles muß ganz gelassen und in Ruhe ablaufen, dann kann man sie schön beobachten.
So gab es nur ein einziges geglücktes Beweisfoto eines 50cm Tieres beim Abdrehen über die Riffkante. Naja, ich bin eigentlich kein Haitaucher, aber so eine zufällige Begegnung mit den Tieren im natürlichen Lebensraum hat schon was, das muß ich zugeben. Auch wenn es fotografisch nichts gebracht hat, so war es doch eine schöne halbe Stunde.
Und eins kann ich sagen: auch bei bester Kinderstube mit Meeresbiologieausbildung und so, ist man sich mutterseelenallein inmitten so einer Meute nicht wirklich sicher, ob nicht doch einer mal versucht....
Nochmal zu den Chelmon. Ähnliches Dilemma. Die Tiere haben abends die geringste Fluchtdistanz. Dann ist das Wasser aber schon so trüb, daß man kaum näher als 2m an sie herankommt. Da mein Blitz senkrecht über der Kamera montiert und das Wasser voller Trübstoffe ist, kann man nichts erwarten. Da sie immer paarweise herumschwimmen, ist es kaum möglich, sie zu überraschen, einer paßt immer auf.
Aber wer weiß, wie groß eine Porites ist, kann die Größe der Tiere ungefähr einschätzen. Sie sind wirklich mit Abstand die größten Schmetterlingsfische, die es hier gibt.
Auch die Zanclus sind fotografisch mit Schnorchelausrüstung nicht erfaßbar, die Fluchtdistanz ist einfach zu groß und die Tiere, trotz ihres Körperbaus, erstaunlich schnell. Aber wenigstens kann ich beweisen, daß es hier welche gibt:
Das letzte Bild verdeutlicht die Sichtverhältnisse nochmal eindrucksvoll, auf 10m Abstand würde man hier nicht mal einen Tigerhai wahrnehmen....
Hier hat das jemand schon mal auf Video gebannt:
https://www.youtube.com/watch?v=IBEJMgBvTI0
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