Ruedi: wo von einer Versuchsanordnung zur Nachmessung von Streampumpen und von Resultaten von 30-40% der Herstellerangaben geschrieben wurde. Zusammen mit meinen oben geschilderten Erfahrungen kann ich dies durchaus nachvollziehen.
Klaus: Bei sog. Propellerpumpen haben wir bis zu 70 % überzogene Flowraten gefunden
Das deckt sich bei speziellen Pumpentypen und einem Hersteller mit den von uns gemessenen Werten. Insbesondere betrifft dies größere Modelle.
Behauptet ein Pumpenhersteller, daß seine Modelle 10% mehr Leistung bringen und man schließt diese an ein Rohrsystem an, ist eine solche Übertreibung eigentlich egal.
Aber einfach zu behaupten, meine tolle Pumpe XY erzeugt das Dreifache an Volumenstrom von dem was meßbar ist, ist schon sehr dreist!
Erstaunlich ist, daß sie immer wieder damit durchkommen und Leute finden die sowas glauben.
Egal, wie man die physikalische Leistung nun definiert: ob als Liter pro Stunde, Volumenstrom, Schub oder Pfahlzug, letztendlich ist es immer die selbe Menge an Energie derer es bedarf, eine bestimmte Menge Wasser zu bewegen. Und darum geht es beim Einsatz von Strömungspumpen innerhalb eines Aquariums, egal, wie groß es ist!
Leistungsarme Strömungspumpen(=Axialpumpen) ohne nennenswerter Förderhöhe(=Druck) mit einer langsamen Strömungsgeschwindigkeit aber grossem Volumenstrom können einer leistungsstarken Kreiselpumpe mit schnellem, "druckvollem" Strahl natürlich nicht das Wasser reichen. Das ist Physik!
Keine Ahnung, Rainer, was Du uns damit sagen willst, aber die eine Pumpe ist nicht "leistungsärmer" als die andere, lediglich in punkto Förderhöhe, aber darum geht es hier doch gar nicht.
Wird eine Pumpe, egal welcher Bauart, als Strömungspumpe in einem Wasserkörper eingesetzt, gibt es nur eine Berechnungsgrundlage:
Bei welchem Abströmdurchmesser wird mit welcher Geschwindigkeit das Wasser von der Pumpe fortbewegt.
Das ist ein Flächenmaß multipliziert mit einer abgeströmten Wassermenge (vereinfacht als Zylinder vorstellbar!) in einer bestimmten Zeit.
Heraus kommen Liter (oder bei größeren besser Kubikmeter) pro Stunde. Das ist vollkommen unabhängig vom Verfahren, mit dem diese Strömung erzeugt wird.
Das ist eigentlich ganz simpel. Natürlich spielen auch noch Verwirbelungen aufgrund der Propellerform etc. eine Rolle, die kann man aber bei den Größenordnungen in denen hier gelogen wird, getrost außer Acht lassen.
Diese Berechnung ist im Übrigen auch ganz einfach auf außerhalb des Beckens stehende Pumpen anwendbar, nur muß man dann natürlich die Abströmgeschwindigkeit am Einlauf des Rohres in das Aquarium messen, nicht am Auslauf der Pumpe, die vielleicht 10m entfernt steht. Das kennt jeder als Querschnittsverlust von Rohrleitungen.
Und auch dieser ist, zumindest bei Heimaquarien, oft vernachlässigbar, denn seit Jahrzehnten hat sich eigentlich die Faustformel von 10 - facher Beckenumwälzung pro Stunde sehr gut bewährt und ich würde behaupten: Sie ist auch annähernd heute noch gültig!
Das immer mal wieder herausgekehrte Märchen von der "weichen Strömung" ist also nach wie vor ziemlicher Unfug!
Diese Faustformel stimmt eben nur dann nicht, wenn so schamlos übertrieben wird oder bei langen Becken, die Form der Propeller zu viel Wirbel erzeugt, so daß zu viel Energie verloren geht und nicht genug Schub erzeugt wird. Aber der letzte Punkt ist eigentlich für die meisten Aquarianer mit gängigen Beckengrößen zu vernachlässigen.
Damit das nicht zu theoretisch ist, hier zwei ganz einfache Beispiele:
Die meisten kennen sicherlich eine Aquabee 3000 und hatten diese oder eine ähnliche Pumpe mit gleicher Leistung und Bauart in der Hand.
Bekannt ist, daß die Leistungsangabe stimmt, was jeder mit einem Eimer als Meßgefäß und einem Schlauch selbst nachmessen kann.
Der Abströmdurchmesser dieser Pumpe beträgt 15mm, was einer Fläche von etwa 180 Quadratmillimetern ( = 1,8 Quadartzentimetern) entspricht. Da eine Stunde 3600 Sekunden hat, müssen also (3000 Liter durch 3600 Sekunden) pro Sekunde 0,8 Liter (= 800 Kubikzentimer) Wasser aus diesem Stutzen kommen.
Das bedeutet, daß pro Sekunde (800 Kubikzentimeter geteilt durch 1,8 Quadratzentimeter) eine Wassersäule von knapp 450cm abgeströmt wird.
Also ganz einfach: Die UP 3000 hat eine Abströmgeschwindigkeit von 4,5 Metern pro Sekunde!
Das ist durchaus gewaltig: das Wasser "fliegt also in einer Sekunde einmal quer durch die Küche... (oder Wohnzimmer, je nachdem!)
Jeder der Pumpe ähnlicher Leistungsklasse hat, möge einfach mal die Hand vor die Ausströmöffnung halten, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wieviel Kraft (Schub,...) das ist.
Und das nur bei so einer kleinen Fläche!
Jetzt nehmen wir mal an, eine Pumpe soll die zehnfache Menge, also 30.000 Liter pro Stunde abströmen, wie auf der Packung vermerkt.
Wenn der Abströmkreis einen angenommenen Durchmesser von 6cm hat, müßte die Abströmgeschwindigkeit etwa 3m pro Sekunde betragen und zwar an jedem Punkt dieses Durchmessers!
Das wäre schon eine gewaltige Kraft, die da wirkt!
Jeder der eine Abyzz oder Red Dragon hat, kann die ja mal in´s Wasser halten, voll aufdrehen und eine Minute festhalten.
Danach nimmt er eine beliebige Propellerpumpe seiner Wahl mit angeblich doppelter Leitung und wiederholt das Experiment.....
Die Erkenntnis kommt viel schneller, als mit dieser mühsamen Rechnerei! ![Freude :]](https://www.meerwasserforum.info/images/smilies/pleased.gif)