Spurenelemente sind ein heißes Thema, Armin schreibt es ja auch in seinem Buch: Im Grunde genommen sind die meisten Meersalzmischungen heute mit "Spuren-" Elementen eigentlich überfrachtet, wobei dies keine böse Absicht ist.
Kein Hersteller verwendet beispielsweise Natriumchlorid, also Kochsalz, in Analysequalität - das wäre ja nun wirklich purer Unsinn und würde unser Meersalz unbezahlbar machen. Ergo hat man also auch immer einen gewissen Grad an "Verunreinigungen" in seinem Salz. Das kann man auch getrost als Spurenelemete bezeichnen, da wirklich nur geringste Spuren vorhanden sind. Da Natriumchloridvorkommen fast ausschließlich aus ehemaligen, ausgetrockneten Meeren stammen, wird man auch die meisten Elemente darin finden - jedenfalls mit der heutigen wirklich absolut hochwertigen Analysetechnik. Mann sollte natürlich schon vom Lieferanten wissen, was in welchen Mengen enthalten ist, da naturgemäß nicht alle Lagerstätten Salz mit gleicher Qualität liefern.
Inwieweit welche Mengen bestimmter Elemente auf welche Meeresorganismen wirksam sind, bleibt ein großes Rätsel, viel ist gerade durch Meeresaquarianer herausgefunden worden und ja auch überall publiziert.
Es gibt aber auch große Irrtümer, ich erinnere nur an Strontium, ohne dessen Zugabe ja in den 90er Jahren kein einziges Aquarium funktionieren sollte, glaubte man der "Propaganda". Heute ist das Element Strontium eigentlich kein Thema mehr und allein die Tatsache, daß Steinkorallen es in ihr Skelett einbauen, heißt noch lange nicht, daß sie es wirklich benötigen. Trotzdem bleibt natürlich die Frage, wo die Untergrenze ist und ob es einen Strontiummangel gibt.
Also ein weites Feld auf dem es noch viele Modeerscheinungen und Irrtümer geben wird.
Wirklich professionelle Korallenzüchter, die ich persönlich kenne, geben eigentlich keine Spurenelemente gezielt zu, sondern lediglich Kalkbildner. Dafür wird zum Beispiel täglich ein kleiner Teil Wasser gewechselt. Diese Methode scheint mir deutlich sinnvoller, bei größeren Anlagen ist vielleicht noch ein Kalkreaktor hilfreich.
In die Hände eines Amateuraquarianers mit nur einem Becken gehört so ein Ding meiner Auffassung nach aber nicht!
Da sich in letzter Zeit im professionellen Aquarienbereich, wo es um viele Tonnen geht, die Unsitte breit macht, Hersteller gegeneinander auszuspielen, werden von den meisten eigentlich keine genauen Inhaltsangaben mehr veröffentlicht, um sich nicht ständig vergleichbar zu machen.
Auch wir halten es lieber mit Referenzen, so wird das Salz auch später beworben werden, wenn es für den allgemeinen Markt zur Verfügung steht. Derzeit gibt es nur 22kg Eimer.
Ich finde das ehrlicher als irgendwelche ominösen Inhaltsangaben, welche, wenn sie in Frage gestellt werden, einen gigantischen Analyseaufwand bedeuten.
Unser Ca Wert entspricht in etwa dem natürlicher Korallenriffe, der Mg Wert liegt um etwa 100mg höher. Magnesium wird besonders von Kalkalgen dem Meerwasser entzogen und da deren Wachstum in jedem Becken unterschiedlich ist, wird auch jeder einen unterschiedlichen Wert haben. Aber man kann es eigentlich nicht wirklich überdosieren: erstens wird es auch von Korallen verbraucht, zweitens sind die meisten Meerestiere sehr tolerant, selbst wenn der Wert über 10% nach oben geht und wie wir alle wissen, sind auch Becken mit einem Mg Wert von 900mg noch keine wirklichen Problembecken, auch wenn dann keine Kalkalgen mehr wachsen.
"Natur"salz ist ein weiter Begriff, der nur zu gern mißbraucht wird. Das Kochsalz ist ja auch immer ein Naturprodukt, das wird niemand aus elementarem Chlor und Natrium herstellen wollen, ist nämlich eine ziemliche Sauerei mit ordentlichem Knalleffekt!
Die Firma Red Sea zum Beispiel gewinnt ihr Salz in Salinen in Eilat am Roten Meer. Man kann dorthin fahren und sich das selbst angucken, ich war 1995 dort. Wenn diese ausgetrocknet sind, wird das Salz mit Raupenschleppern zusammengeschoben, gemischt und gemahlen und dann wird für den Aquaristikmarkt eine Analyse davon gemacht. Danach weiß man genau, was man in welcher Menge zugeben muß und die Firma Red Sea ist ja auch seit Jahrzehnten erfolgreich am Markt.
Wenn aber jedes Jahr ein neuer "Ebayer" Natursalz auf den Markt bringt und wahrscheinlich nicht einmal die chemische Formel für Wasser auf ein Blatt Papier schreiben kann, ist in jedem Fall Vorsicht angebracht.
Wenn solche Anbieter einen ähnlichen Aufwand, wie Red Sea betreiben, kann man das Produkt sicherlich kaufen, aber wer kontrolliert das schon!?
Grundsätzlich kann man wohl sagen, daß man heute kein schlechtes Salz mehr kauft, wenn man sich an einen üblichen Markennamen von Firmen hält, die auch andere meeresaquaristische Produkte aus eigener Produktion anbieten.