Hi,
meiner Meinung nach hat sich hier ein Denkfehler eingeschlichen. Kein Tier findet eine bestimmte Umgebung schön weil sie "natürlich" oder "gut" ist. Dass ein Tier ein gewisses Habitat einem anderen vorzieht liegt nur daran, dass es evolutiv "gelernt" hat, dass gewisse Indikatoren Gebiete anzeigen in denen die Bedürfnisse der Spezies besser bedient werden. Je höher ein Tier nun steht, desto mehr ist es oft in der Lage flexibel zu sein und zu lernen - Individuelle Erfahrungen werden gemacht und persönliche Vorlieben aufgrund dieser verändern den ursprünglichen Rahmen. Tiere sind viel, viel flexibler als man es ihnen im Allgemeinen zutraut. Das ultimative Beispiel dafür ist der Mensch, der sich biologisch gesehen seit zehntausenden von Jahren nicht weiterentwickelt hat, also genetisch immer noch an das Leben als Tier in der Natur angepasst ist. Trotzdem beschwert sich keiner von uns, dass er diese künstliche Umgebung grauenvoll und widernatürlich findet und bitte wieder in seine Höhle will. Warum? Ganz einfach, unsere Kinder erfrieren seltener in Häusern als in Höhlen. Dosenravioli sind einfacher zu beschaffen als Wildbret und Grassamen. Autos bringen uns schneller zu unseren benötigten Ressourcen als Schusters Rappen. Und die großen Revier und Familienverbände die wir früher hatten sind heute einfach nicht mehr notwendig. Einem Tier würden wir so ein Leben nicht "zumuten" wollen...
Dass nur ein paar Grundvoraussetzungen erfüllt sein müssen um Tiere ein Habitat freiwillig wählen zu lassen sieht man z.B. auch sehr gut an den Mülldeponien, die von Scharen von Bären, Wildschweinen, Füchsen, Möven, Ratten und anderen Tieren bevölkert werden. Ein Bärengehege im Zoo das eine Müllhalde darstellt würde zu einem entrüsteten Aufschrei führen - die Bären hätten damit kein Problem. Oder kann sich irgendwer ein Habitat vorstellen, das vollkommen unnatürlich ist, extrem unästhetisch wirkt, aber reich an Ressourcen ist und das von Tieren / Menschen / Pflanzen gemieden würde? Ich nicht.
Das ist die objektive Seite, subjektiv muss ich sagen, dass ich keine Freude an einer pragmatischen, unästhetischen Haltung hätte.
Grüße,
Hanno