Hallo,
wie so oft, kann man natürlich bei komplexen Themen unterschiedlicher Meinung sein und gewisse Dinge auch unterschiedlich interpretieren. Wie langweilig wäre es doch, wenn alle einer Meinung wären.
Aber Werner Du hast völlig recht. Eine differenzierte Betrachtungsweise wäre auch in meinen Augen wesentlich nützlicher gewesen.
Die relevanten Maßeinheiten wären µE/m²/sec als die Quantenmaßeinheit (wobei ein µEinstein= ein µmol entspricht) oder W/m²/s als Energieeinheit und nicht Lumen (im folgendem immer Lumpen genannt, da dies meine Rechtschreibprüfung auch vorschlägt). Man hat sich wieder eine vorgekaute Maßeinheit ausgesucht, die auf die spektrale Augenempfindlichkeit ausgelegt ist. Da die Maßeinheit Lumpen überwiegend nur der gelbgrün Bereich erfast wird eine ungünstige spektrale Gewichtung vorgenommen wird, die sich deutlich von der Gewichtung (PUR) von Korallen unterscheidet. Dies ist ein wesentlicher Punkt. Ich kann mich leider nur wiederholen, dass gerade für den biologischen Bezug von Licht zu den Korallen Lux und Lumen ungeeignete Begriffe sind.
Der für Korallen physiologisch wertvolle Blauanteil wird somit nur sehr unzureichend erfasst und verfälscht somit sämtliche Ergebnisse in dieser mühsam zusammengeführten Tabelle. Die Tabelle verleitet sogar in meinen Augen zu enormen Fehleinschätzungen. Jemand der diese Tabelle ließt könnte meinen, dass der 250 Watt 10.000 K von BLV mit 42 lm/W eine halb so hohe Lichtausbeute als der 250 Watt Daylightbrenner von Osram mit 80 lm/W hat. Da der BLV-Brenner jedoch deutlich im Violettbereich emittiert wird und die Lumpen überwiegend nur den gelbgrünen Bereich erfassen, wird dieser violette und blaue Anteil eben gar nicht erfasst. Ein Vergleich in der entscheidenden PAR-Strahlung (die den gesamten Strahlungsbereich erfasst), würde daher wesentlich geringer Unterschiede zeigen. Somit ist die eigentliche Strahlungsausbeute pro Watt auch bei einem 10.000 K-Brenner in Wirklichkeit wesentlich besser.
Auch die Feststellung, dass das Aquarium bei Bernd Mohr mit nur 27 lumpen pro Liter doch deutlich unterbeleuchtet sei, und trotzdem nach der Umstellung von HQI auf T5 eine Farbverbesserung festgestellt wurde, wirft keine Zweifel an die gemachte Empfehlung von 40lm pro Liter auf. Das Blaulicht wird hier einfach nicht genügend bewertet. Herr Mohr hatte früher 8x 400 Watt über dem Aquarium, also min. 3200 Watt und nach der Umstellung auf T5 nur noch 1730 Watt. Er hatte also früher ungefähr 50 lm/liter (habe diese in meinen Augen unsinnige Rechnung mal gemacht) und hinterher nur noch 27 lm/liter aber doch eine Farbverbesserung und bessere Wachstumsraten erzielt. Wie konnte dieses Wunder geschehen?
Gibt es etwa tatsächlich noch andere Aspekte, die man heranziehen müsste ? Natürlich hat man hier nicht weiter recherchiert, da man sonst die Empfehlung von 40 lm/Liter über den Haufen werfen müsste. Dies hätte man aber machen sollen, damit man merkt, dass man es eben differenzierter betrachten sollte.
Auch der Hinweis von Herrn Mohr, dass dies eventuell an den Reflektoren liegen könnte, wurde keine weiter Bedeutung zugemessen. Vielmehr heißt es lapidar: „dass in guten Markenleuchten vergleichbare Reflektoren eingebaut sind, kann dieser Punkt unserer Meinung nach vernachlässigt werden“.
Tatsache ist, das der unmittelbare Photonendruck am Gewebe der Korallen entscheidend ist. Bis hierhin ist es jedoch ein langer Weg. Die Wattzahl gibt nur die Energie an, die eine Lampe verbraucht. Eine Angabe in Lumpen gibt nur den gesamten Lichtstrom (überwiegend gelbgrün) an den eine Lampe emittiert. Durch den Reflektor wird erst das Licht gelenkt und aus der Lampe wird eine Leuchte, die einen Leuchtenwirkungsgrad hat.
Auch dieser Leuchtenwirkungsgrad sagt noch nicht viel aus, da noch kein Verhältnis zum beleuchtetem Objekt (z.B. Koralle) gemacht wird. Die entscheidende Größe um eine Leuchte für Ihren Verwendungszweck zu beurteilen ist daher der Beleuchtungswirkungsgrad. Dies wird besonders bei Autoscheinwerfern, die nur die Straße beleuchten sollen oder Strahler, die eine Kirche beleuchten sollen sehr deutlich. Hier spielt die Fokussierung eine entscheidende Rolle.
Auf die Frage, welche Beleuchtungsstärke und insbesondere lichthungrige Steinkorallen im Aquarium benötigen, damit Sie „gedeihen und kräftig wachsen“ findet man übrigens schon durchaus einiges in der Literatur. Genauso wie Landpflanzen haben auch Korallen einen photosynthetischen Sättigungspunkt. Eine stärkere Beleuchtung über diesen Sättigungspunkt, führt zu keiner höheren Photosyntheserate und somit auch nicht zu einer weiteren Wachstumssteigerung. Der Sättigungspunkt von lichthungrigen Steinkorallen ist nicht immer gleich und passt sich auch den unmittelbaren Lichtsituation an. So kann er bei der gleichen Art unter Starlichtbedingungen höher und bei Schwachlichtbedingungen niedriger liegen. Dies verdeutlicht auch die Anpassungsfähigkeit an geänderte Lichtsituationen. Man kann jedoch unter „normalen“ Bedingungen je nach Art von Werten zwischen ca.300 –500 µE/m²/sec ausgehen. Dies entspricht ca. 15.000 – 25.000 Lux unter Tageslichtbedingungen. Dies soll lediglich eine grobe Orientierung sein. Für die Aquaristik kann man dieses Wissen übertragen, indem man eine Lichtstärke im Aquarium und an den Korallen erreicht, die eben über diesen Punkt liegt. Dana Riddle hat hier einige Untersuchungen gemacht (siehe Koralle 6). Auch scheint es einen Zusammenhang zwischen dem photosynthetischen Sättigungspunkt (PS) der Korallen und der Synthese der wirtsspezifischen Pigmente zu geben. Dana Riddle bezeichnet die Lichtintensität, bei denen die erblich veranlagte Fähigkeit zur Synthese der wirtseigenen Pigmente beschleunigt wird als Schwellenwert. Erst wenn dieser Schwellenwert an PAR-Strahlung überschritten wird, kommt es zur vollen Farbausprägung. Natürlich spielen für die Färbung auch noch andere Faktoren wie, Strömung, Nähstoffsituation... eine entscheidende Rolle, aber in Bezug auf die Lichtmenge ist dies doch eine nicht unwichtiger Aspekt.
Da dieser photosynthetische Sättigungspunkt (PS) bei Korallen variabel ist und sich an verschiedene Lichtstärken anpassen kann, sollte man auch nicht unbedingt alle Leuchtmittel auf einmal wechseln. Dies gilt für HQI-Strahler genauso wie für Neonröhren. Wenn man nach einem Jahr die Leuchtmittel wechselt und Korallen eine 20-30% höhere Lichtintensität ausgesetzt werden, wird man immer eine deutliche Verbesserung feststellen, da sich der PS eben vorher unter den rückläufigen Beleuchtungswerten sich nach unten angepasst hat. Kommen dann neue Leuchtmittel mit einer höheren Lichtleistung zum Einsatz, wird der erniedrigte PS der Korallen wieder schnell überschritten und führt in der Regel zu positiven Ergebnissen. Diese Anpassungsmechanismen sind sehr komplex und würden hier den Rahmen sprengen. Ich halte es jedoch für wichtig, die Lichtintensität auf ein kontinuierlich hohes Niveau zu halten, um Schwankungen im System zu vermeiden. Hier gilt wieder die Regel je kontinuierlicher die Parameter sind, desto besser kann sich ein System stabilisieren. Dies kann übrigens auch als Grund herangezogen werden, warum bei einem Wechsel von Leuchtmittel verstärkt niedrige Algen (z.B. die beliebte rote Schmiealge) auftreten. Bei Veränderungen im Milieu entstehen schnell Wettbewerbsvorteile für niedrige Algen, die dann auch gnadenlos genutzt werden. Von daher ist ein Austausch von Leuchtmittel in mehreren Schritten, die zeitlich auseinander liegen, eher günstiger zu bewerten.
So, dies fürs erste da die Arbeit ruft.
Gruß
Oliver
