Alles anzeigenGehe ich richtig davon aus, dass Du bisher nicht viel mit Meerwasseraquaristik zu tun hattest?
Ich kann grob erklären, was dort vor sich geht, aber es umfasst nie alles, weil die Abläufe sehr individuell sind und je nach Start und Zugaben anders verlaufen.
Du hattest am Anfang ein Wasser ohne Nährstoffe, der Stickstoffkreislauf war nicht vorhanden. Dieser Stickstoffkreislauf funktioniert über den Abbau von Nährstoffen durch Bakterien.
Am Anfang ist Ammonium, welches durch Bakterien zuerst zu Nitrit und durch andere Bakterien wiederum zu Nitrat oxidiert wird. Dabei wandelt sich Ammonium in Abhängigkeit vom pH-Wert zu dem sehr giftigen Ammoniak um. Je höher der pH-Wert, desto mehr Ammoniak bildet sich.Meerwasser in normalen Aquarien wird mit starker Beleuchtung betrieben, da die Korallen das Licht brauchen für ihre Fotosynthese. Viele Bakterien und Algen, die in Meerwasseraquarien ebenfalls Fotosynthese betreiben, sind Teil des Biofilms und nehmen Teil an diesem Prozess, der das Licht über Fotosynthese zu Zucker umwandelt und somit in Nahrung. Dabei wird Kohlendioxid verbraucht und Sauerstoff produziert. Da Kohlendioxid mit Wasser sich zu Kohlensäure verbindet wird das Wasser durch Kohlendioxid angesäuert, der pH-Wert sinkt. Das ist auch der Grund, warum die Aufnahme von Kohlendioxid die Meere versauern lässt.
So steigt der pH-Wert im Tagesverlauf während der Lichtphase an und sinkt wieder in der Nacht, da die Tiere und Algen ohne Licht wieder Kohlendioxid abgeben und keine Fotosynthese betreiben können.
In Deinem speziellen Quallenaquarium funktionieren viele dieser Komponenten nicht. Du hast weder eine starke Lichtquelle und sollst das Aquarium auch nicht ins Sonnenlicht stellen. Noch hast Du irgendein Substrat, wo solche Bakterien beleuchteten Siedlungsgrund finden, wie es normaler Sand und Dekogestein im Aquarium ist. Die Scheiben/Wände werden statt desssen immer wieder geputzt und gesäubert, das einzige Siedlungssubstrat sind die Biobälle im Filter.
Es gibt auch keinen Abschäumer oder gute Oberflächenströmung, um einen Gasaustausch mit der Umgebungsluft vorzunehmen. Für die Quallen sollte es zumindest ausreichen, aber behalte bitte im Hinterkopf, dass Bakterien sehr viel Sauerstoff zehren können. Regelmäßige Wasserwechsel später sind Pflicht.
Die Bakterienlösung, mit der Du angefangen hast, war abgelaufen und offenbar gekippt, Du hattest einen starken Nitratpeak, der mit jeder Bakteriendosis weiter anstieg. Diese Bakterienlösung war der Anfang des Scheiterns. Ob überhaupt noch lebendige Bakterien dort drin waren da bin ich etwas skeptisch. Ab diesem Punkt hättest Du am besten direkt schon neu starten sollen, bei so einem kleinen Aquarium mit den wenigen Litern ist das einfach und günstig.
Das Lebendgestein enthält direkt aus dem Meer eine Vielzahl von Bakterien, die sich dann auf dem Substrat (Keramikbälle und Watte) vermehren können. Um sich vermehren zu können brauchen sie Nährstoffe (Stickstoff, Phosphor und Kohlenstoff) und Spurenelemente. Im normalen Aquarium bekommen sie diese Nährstoffe indirekt und direkt über das Futter für Fische und Korallen. Aus dem Lebendgestein selbst werden nicht alle Tierchen und Beläge überleben, sie zersetzen sich und geben die Nährstoffe ab.
Aber es werden einige Bakterienstämme überleben und diese Nährstoffe abbauen und so den Stickstoffkreislauf starten. Am Anfang solltest Du eventuell eine Spur Ammonium messen können, oft aber auch nicht, da das Lebendgestein heute kaum noch Beläge hat. Nach zwei Wochen sollte jedoch nichts mehr von Ammonium messbar sein und Nitrit wahrscheinlich ebenfalls verschwindend gering. Nitrat dürfte ebenfalls sehr wenig messbar sein.
Du kannst Artemia-Nauplien einsetzen und mit winzigen Spuren von Staubfutter füttern. Wen sie überleben ist es gut und die Quallen können rein. Wichtig ist hier, dass nicht zu viel Futter am Anfang reinkommt, denn das Aquarium ist winzig und der Bereich, wo Bakterien wachsen können sehr klein. Das braucht einige Wochen, bis sich das alles etabliert.
Diese Nanobecken sind eigentlich nichts für Anfänger, denn sie kippen sehr schnell und wenn man nicht den Überblick hat über die Zusammenhänge wird es schwierig, die Aquarien über längere Zeit erfolgreich zu betreiben. Ich drücke Dir die Daumen.
Ja, das ist korrekt. Ich hatte vorher noch nie ein Aquarium, bin aber auch nicht daran interessiert Fische oder ähnliches zu halten. Ich will schon seit Jahren Quallen halten, habe das Aquarium dann auf Kleinanzeigen gesehen und mir gedacht, jetzt ist die Zeit, mein Glück zu versuchen.
Die Verkäuferin hat es auch geschafft Quallen für mehr als 1 Jahr zu halten, was schon ungewöhnlich ist, da sie meist nicht so alt werden. Deshalb habe ich erstmal auf ihre Worte vertraut. Sie hat mir erzählt, dass das Aquarium damals 7 Wochen zum Einfahren gebraucht als sie es neu gekauft hatte.
Dadurch, dass noch Rückstände von abgestorbenen Artemia Resten vorhanden waren, an die ich nicht herangekommen bin, dachte ich haben die neuen nitrifizierenden Bakterien erstmal genug Nahrungsgrundlage. Aber dann lag ich wohl leider falsch in der Annahme.
Ich hatte die gekippte Bakterienlösung damals auf die alte Filterwatte gegeben und daneben eine neue gelegt. Ein paar Tage später hatte ich die alte Filterwatte herausgenommen.
Bevor ich das Wasser komplett auswechsele und Lebendgestein hinein tue, soll ich auch eine komplett neue Filterwatte nutzen, oder kann die, die nur ein paar Tage mit der schlechten Bakterienlösung im Wasser war, drin bleiben?
Soll ich die Keramikbällchen ausspülen oder muss ich ebenfalls komplett neue verwenden? Darauf sollten sich inzwischen doch schon neue Bakterien von Nite-Out 2 angesiedelt haben oder?
Wie oft sollte ich einen Teilwasserwechsel durchführen? Ich habe gelesen ca einmal pro Woche, aber die Vorbesitzerin meinte, sie wechselt nur einmal im Monat und den Quallen geht es sehr gut damit.
Soll ich zusätzliche Nahrung für die Bakterien besorgen oder reicht dann das Lebendgestein? Wenn ja, in welcher Form?
Soll ich zusätzlich zum Lebendgestein trotzdem täglich Nite-Out 2 hinzugeben?
