Hallo zusammen,
nun einmal die ausführliche Antwort, entstanden über mehr als zwei Tage im Editor auf dem Rechner. Verbunden mit vielen Nachfragen oder gar neuen Fragen. Erstmal noch ein paar Infos:
In der Tat habe ich aktuell Weich- und Hornkorallen drin, die typischen Anfängertiere wie Gorgonien, Anemonen und Co. Außerdem seit rund 3 Wochen drei LPS/SPS Tester (eine grüne Montiplatte, eine Caulastrea furcata und eine Blastomussa merleti). Denen geht es erstaunlicherweise gut, schauen zumindest nicht aus, als würden sie eingehen. Zum Zeitpunkt des Einsetzens war ich noch von einem PO4-Wert von "nur" 1,0 ausgegangen.
Der Fischbestand im Becken ist finde ich überschaubar: Zwei "große" und zehn kleine Fische (4 Clownis, 1 Fuchsgesicht, 1Chelmon rostratus, 1 Canthigaster valentini Kugelfisch, 1 Valenciennea Grundel, 1 Phalaena Grundel, 1 Putzerlippi, 2 Chromis viridis). Natürlich werden diese Fische auch gefüttert, konkret mit Granulat und Flocken und wegen dem schleckigen Chelmon täglich auch mit Mysis. Seit 3 Wochen die Mysis über ein Futter-Ei, so konnte ich die Menge reduzieren. Füttere ich zu viel? Keine Ahnung, halte mich da an diese Regel, dass das Granulat und Flockenfutter nach kurzer Zeit (1-3 Minuten) wieder verschwunden sein sollte.
Was ist eigentlich mein Ziel? Nach Übernahme des Beckens 2007 habe ich rund 5 Jahre lang bis zur besagten Motivationsdelle ein Mischbecken betrieben. Also kein SPS Bonbonladen mit knallweißem oder tiefschwarzen (oder gar keinem) Sand. (Nicht falsch verstehen, diese Becken sehen total geil aus, aber selbst pflegen will ich so etwas aus verschiedenen Gründen, z.B. dem Eindruck, den ich als Taucher von "richtigen Korallenriffen" gewinne, nicht.) Zu so einem Mischbecken will ich eigentlich wieder zurück. Schon damals war der PO4 Wert eher hoch, 0,5 bis 1,0. War mir nicht so wichtig, da das Hauptaugenmerk nicht auf Acroporas lag. Hier zwei Fotos, die den damaligen Zustand zeigen:
2011:

2009:

Nun zu meinen Nachfragen, Fragen und Kommentaren:
Generelle Einigkeit besteht bezüglich dessen, den PO4 Wert nicht zu schnell zu senken. Torsten schlägt mit der radikalen Komplettneuaufbaumethode allerdings vor, dies in dem Zuge bis 0,1-0,15 zu senken. Natürlich viel zu hoch, wenn man den gewünschten Zielwert für ein SPS Becken anpeilt, aber immerhin nur 1/38tel bis 1/25 des aktuellen Werts. Natürlich klang auch an, dass meine aktuellen Korallen das vermutlich besser abkönnen als empfindliche SPS. Sehe das genauso, frage mich aber dennoch, was ich meinen Korallen wirklich zumuten kann.
Red Sea NO3-PO4-X bzw. Wodka-Methode: Zuerst einmal, das NOPOX besteht laut Packung aus “ denaturiertes Ethanol (Methanol)“. Das hat mich trotz des nicht sehr teuren Preises ein wenig enttäuscht, dachte, da sei noch anderes drin. So kann ich ja gleich Wodka nehmen? Dann verstehe ich ehrlich gesagt immer noch nicht so ganz, warum auf der Webseite von Red Sea steht, dass sowohl NO3 wie auch PO4 abgebaut werden. Gleiche Informationen finde ich auch im Internet (und hier im Forum, zumindest vor Jahren) zur Wodka Methode im Allgemeinen und teilweise im Speziellen auch zum NOPOX. Allerdings auch, wie hier im Thread, Meinungen, dass nur NO3 reduziert wird. Hm. Mein Kenntnisstand hier ist, dass ich mit der Kohlenstoffquelle Bakterien füttere, die aufgrund ihrer Vermehrung und Zellteilung sowohl NO3 wie auch PO4 verbrauchen.
Definitiv möchte ich mit NOPOX nicht NO3 gegen null fahren bei nahezu unveränderten PO4 Werten. Das wäre ja auch kontraproduktiv.
Allerdings hatte ich im Becken auch früher einen akzeptablen NO3 Wert bei einem nicht dazu passenden hohen PO4 Wert. Eventuell wegen meinem Algenfilter?
Wie kommt es zu den erhöhten Jod und Kalium Werten? Kann ich nicht genau beantworten. Ich räumte ja bereits ein, dass ich beim Harz geschlampt habe und vermutliche über Monate quasi reines Bodenseewasser im Becken gelandet ist. Laut offizieller Analyse des Versorgers meines Wohnortes ist 1,4mg/l Kalium drin, klingt jetzt nicht enorm viel. Jod habe ich spontan in der Analyse nicht gefunden. Ist natürlich auch die Frage, was zwischen Sipplingen und meinem Hausanschluss, wo das Harz dran hängt, noch dazu gekommen ist, da sind vermutlich knapp 200km dazwischen. Und, ob es damit überhaupt etwas zu tun hat und Kalium und Jod nicht anderswo herkommen. Wüsste aber nun spontan nicht, woher.
Reinhard, danke für den Link zum Video über Lanthan. Das habe ich mir komplett angeschaut und fand es super interessant. Stefan schreibt ja auch, dass das eventuell etwas für mich sein könnte.
Aber wo Licht ist, ist meist auch Schatten. Hat jemand von Euch das schonmal ausprobiert oder ist das nur aus der Theorie bekannt? Dass den Fischen die Kiemen zusammenkleben könnten, klingt ja erstmal nicht so wirklich toll. Und was ist denn ein "guter" Abschäumer (dafür)? Bei mir läuft seit kurzem erst ein Deltec SC 1351 (der Vorgänger vom Deltec Skimmer 600i). Der alte Abschäumer von Tunze ging mir kaputt und das war ein spontaner Gebrauchtkauf mit Zeitdruck aus der Umgegend hier. Im Vergleich zum Tunze tut dieser aber deutlich besser einen Dienst und schäumt ne Menge ab. Wo ich nun hier in die Reaktorkammer aber Lanthanlösung einbringen sollte, spontan keine Idee und müsste geprüft werden.
Thema der vermutlich vorhandenen PO4 Depots. Den Sand zu tauschen (ganz weg will ich nicht, weil ich finde, in ein Becken gehört aus optischen Gründen ein Sandgrund, und ich hab ja auch Grundeln und eine Seegurke) ist ja kein Thema. Steine schon ein etwas größerer Aufwand aber auch stemmbar. Die Keramikriffsäule schon ein größerer Act, aber sie steht immerhin nur drin und könnte entnommen werden. Die Rückwand aber ist geklebt, da komme ich nicht so einfach ran. Will ich also an diese ran, stirbt der Glaskasten und es muss ein neuer her. Dabei stelle ich mir die Frage, ob (bis auf vielleicht den Sand) ein Tausch von Steinen und der frei stehenden Keramikriffsäule überhaupt lohnt, wenn die Rückwand dann eh drin bleibt?
Klar, mache ich ein ganz neues Becken, fliegt der komplette Aufbau raus. Dann noch das Thema Fische zwischenversorgen und so weiter. PO4 nicht radikal senken weil mir die Korallen im neuen Becken eingehen, also dann nach Neustart direkt wieder an PO4 ran müssen. Der Aufwand in Zeit und auch Geld ist schon enorm. Daher bin ich noch nicht wirklich so weit. Auch, weil ich oben ja ein Ziel definiert habe, das sich vermutlich von der Vorstellung anderer doch unterscheidet.
Ups, Wall of Text… Ob es bis hierher jemand geschafft hat? Ich cut-n-paste das nun mal ins Forum und freue mich auf Eure Antworten.
Viele Grüße,
Martin