Hey, das freut mich, dass hier ein bißchen Bewegung drin ist!
Also ich bin noch nicht überzeugt, dass es mit dem Verkauf von Wildfängen weitergehen sollte.
Bisher habe ich an Argumenten dafür gehört:
1. Die Fischer vor Ort brauchen eine Geldeinnahmequelle.
Wenn das wirklich ein Argument wäre, dann sollte es zumindest eine Fairtrade Initiative geben! Im Moment sieht mir aber alles danach aus, dass gerade die Fischer am wenigsten verdienen. Außerdem scheint mir das Argument vorgeschoben. Wären Nachzuchten günstiger, würde keiner mehr an die armen Fischer denken! Jeder der Fischer durch Wildfänge unterstützen will, sollte lieber für Marubis spenden. Siehe das Projekt oben!!!
2. Bei Nachzuchten gäbe es auch Transportausfälle.
Ja das stimmt absolut. Aber es wird keiner bestreiten, dass sie robuster sind, so lange sie nicht mit massig Antibiotika groß gezogen und gehältert werden. Außerdem sind die Lieferketten kürzer. Also weniger Ausfälle...
Ich finde es ist ein großer Unterschied, ob eine Naturentnahme stirbt, inklusive der Beeinträchtigungen des Riffes, durch den Fang. Oder ob eine Nachzucht stirbt, die es ohne Aquarianer sowieso nicht gegeben hätte.
3. Es ist nicht nachgewiesen wie schädlich Wildfänge sind und wie hoch die Sterberate ist.
Es ist tatsächlich schwierig hier an belastbare Zahlen zu kommen. @Joe ich komme zu der Einschätzung, dass viele Wildfänge Sterben, weil ich bei jedem Händlerbesuch sterbenskranke und tote Tiere sehe in den Becken. Außerdem sehe ich bei anderen Aquarianern wie oft der Besatz wechselt. Zusätzlich höre ich oft von Verlusten in den ersten zwei-drei Wochen nach Einsetzen/Eingewöhnung. Das lässt auf eine hohe Transport und Fangproblematik schließen.
Die wenigen Artikel und Untersuchen die ich gefunden habe, sagen auch, dass es viele Ausfälle und auch immer noch Giftfänge gibt.
Der pure Menschenverstand sagt mir aber schon. Fischer in prekären Situationen, Herkunftsländer mit instabilen politischen Situationen, Kunden die vor allem aufs Geld schauen und lange Transportketten. Das kann keine gute Kombination sein! Hinzu kommt, dass es mir nicht nachvollziehbar ist, wie man einen Fisch im Riff fangen soll, ohne die Korallen zu schädigen. Auch mit Netzen! Hier wird garantiert im Riff gestochert, Korallen abgebrochen, Beifänge verletzt usw...
Bisher unentgegnet an der Argumentation pro Nachzuchten ist, dass die angeschlagenen Riffe durch Nachzuchten in jedem Fall geschützt werden!
Ich provoziere mal ein bißchen:
Wildfänge werden doch aus zwei Gründen gekauft.
1. Weil sie günstiger sind.
2. Weil es mehr Auswahl gibt.
Außerdem ist es ein gängiges Geschäftsmodell, was viel Veränderung für Händler, Kunden usw. bedeutet.
Ich habe selbst zwei Mandarinfische als Wildfang gekauft, weil sie mir einfach zu teuer sind. Der eine ist zwei Tage nach Einsetzen gestorben, an einem Pilzbefall. Der andere lebt noch.
Ich bereue diese Entscheidung heute.
Anders sieht es aus bei einer Baggergrundel, die gibt es einfach noch nicht als Nachzucht, ist aber zur Sandpflege unersätzlich in meinen Augen.
Hier ist auch eine Grundel einfach nach kurzer Zeit gestorben, die andere hat sich gut eingelebt...
Ich finde, dass ich umdenken muss. Geiz kann kein Argument sein, wenn es darum geht die Riffe zu schonen und eine hohe Sterblichkeitsrate von Wildfängen zu verhindern.