Nun habe ich mich doch noch vom Riesengeschäftemachen gelöst und den zweiten Artikel schneller durchgearbeitet als geplant. Übrigens: Andre, Du darfst noch eine Null bei den Preise der größten (ups, da war schon wieder das böse Wort) Abschäumer machen.
Wie versprochen, meine Interpretation des Artikels:
https://www.advancedaquarist.com/2010/1/aafeature
1. Dass nicht alle TOCs von Abschäumer entfernt werden können, ist schon lange bekannt (siehe Gelbstoffdiskussion), hier aber sehr schön in Daten verdeutlicht. Und das ist auch ein Hauptargument, einen regelmäßigen Wasserwechsel durchzuführen (vs. Triton-Methode, aber das ist eine andere Diskussion).
2. Abbaurate und erreichbare Tiefstgrenze (Ansprechgrenze) sind unabhängig voneinander! So hat der in den Versuchen benutzte EuroReef CS80 eine höhere Entfernungsrate (bei diesen Versuchenreihen konnte die Methode anscheinend verbessert und Unterschiede aufgezeigt werden), aber auch eine definitiv höhere Ansprechgrenze: bei 80% war Schluss, wo der BubbleKing mini 160 noch weiter munter abschäumte, bei ca. 70% hörte leider der Versuch auf. Fazit: schneller ist nicht gleich gründlicher. Dieses Ergebnis zeigten auch die batch-Versuch (Tabelle 1): EuroReef hat 20±6, der BubbleKing 37±6 (entschuldige bitte, Klaus, dass ich Werbung für Dich machen muss). Die ideale Kombination wäre natürlich schnelle Abbaurate plus tiefe Ansprechgrenze. Aber wenn ich entscheiden müsste, nähme ich die tiefere Ansprechgrenze. Mit der Schlussauswertung, bei der allein die Abbaurate in die Wertung mit einbezogen wurde, bin ich nicht einverstanden, weil die für mich überzeugende Ansprechgrenze des BubbleKing unbeachtet bleibt.

3. Es gibt Unterschiede in der Abbauleistung. In der unteren Abbildung sieht man deutlich, dass die beiden Abschäumer den nichtabbaubaren TOC-Anstieg unterschiedlich verlangsamen. Leider wurden die Kurven nicht normalisiert, d.h. sie beginnen auf unterschiedlichen Höhen (TOC-Konzentrationen). Ausschlaggebend ist die Steigung der Kurven. Aber da gibt es eindeutig Unterschiede! Schade, dass kein Versuch ohne Abschäumer gemacht wurde, um ein Gefühl dafür zu haben, wie stark die Leistung der Abschäumer ist. Auch wieviel gefüttert wurde ist offen: wird ein schwach, stark oder superstark belastetes System getestet.

Zusammenfassend haben Feldman & Maers tolle Untersuchungen durchgeführt und der Aufwand dafür war enorm. Ich wage zu behaupten, dass 95% der Abschäumerhersteller diesen Aufwand nicht durchführen können. Und die, die es könnten, tummeln sich nicht in der Hobbybranche.
Aber es wären Versuchsreihen bei unterschiedlichen Belastungen wünschenswert. Dass Aquarien ohne Abschäumer erfolgreich betrieben werden können, ist unbestritten. Aber wie sieht es in Aquarien mit Steinkorallen und vielen Fischen (die auch gut gefüttert werden) aus? Da halte ich den Einsatz von Abschäumer für unabdingbar.
Im Gegensatz zu Deiner (Andre) Interpretation sind sowohl Unterschied in den Abbauraten (im Test davor hat die Methodik für signifikante Unterschiede nicht ausgereicht) als auch in den Ansprechgrenzen nachgewiesen. Sieh Dir bitte noch einmal die Tabelle 1 an. Die Daten der Extrema sind deutlich unterschiedlich, auch wenn nicht zwischen allen Abschäumern ein Unterschied festzustellen ist.
https://www.advancedaquarist.com/2010/2/aafeature:
Nach Feldman sind 34% TOC im Flotat und überdurchschnittlich viel Phosphat. Abschäumer entfernen also einen hohen Prozentsatz organische Substanz aus dem Wasser. Dass auch andere Stoffe abgeschäumt werden, ist nicht überraschend. Der Begriff der Co-Abschäumung ist alt und beschreibt die Tatsache, dass Stoffe, die nicht abschäumbar sind, wohl mit dem Schaum entfernt werden können. Bei großen (ich weiß nicht, welches andere Wort ich nehmen soll) Abschäumern können Partikel bis zur Sandkorngröße im Flotat festgestellt werden. Natürlich wird auch Calciumcarbonat aus dem Aquarium entfernt, wenigsten dieser Anteil sinkt nicht in den Boden und verdichtet denselben. Natürliches Oberflächenmeerwasser auch Riffaquariumwasser ist nun einmal übersättigt mit Calciumcarbonat und es muss ausfallen. Der Aquarianer muss bei dem Einsatz eines Abschäumers keine Angst haben, dass überdurchschnittlich Calcium entfernt wird - zumindest nicht direkt. Die Verbesserung des Gashaushaltes und Anhebung des Redoxpotentials kann jedoch die Calciumausfällung verstärken. Es gibt leider nichts umsonst. Eine regelmäßige Calcium- und KH-Zufuhr ist mit und ohne Abschäumer notwendig - mit Abschäumung jedoch leicht verstärkt.
Es gibt nur wenige aktuelle Berichte über Aquarien ohne Abschäumer, weil sich die Technik einfach durchgesetzt hat. Da können Hersteller noch so viel Werbung machen wie sie wollen, wenn es keine Effekt gibt, verschwindet ein hochpreisiges Produkt recht schnell wieder vom Markt - Abschäumer sind ein halbes Jahrhundert vertreten.
Bitte, Andre, jetzt mal "Futter bei die Fische" und berichte über Dein Aquarium. Wir sind alle neugierig geworden.
LG Burkhard