Beiträge von Burkhard Ramsch

    Ganz wichtig: passt der Wasserstand zum Abschäumer? Viele der Geräte sind kleine Diven und haben nur einen kleinen Spielraum.
    Bei einer kleinen RFP-Kammer sollte das Verdunstungswasser unbedingt automatisch nachgefüllt werden. Sonst läuft die Pumpe zu schnell trocken.

    Wieviel Wasser bei RFP-Stopp nachläuft hängt von der Art und Länge des Überlaufes ab, von der Fläche des Aquariums und von der Förderleistung der Pumpe ab. Wenn Deine Kombi nicht ganz schlimm ist, sollten die Technikbeckenmaße reichen. Deine kalkulierten 60 Liter sind allerdings schon viel. Dein TB nimmt ohne eingebaute Technik nur 70 Liter Zusatzwasser auf. Und das wird mit Technikeinbauten schnell weniger.

    Eine feste Definition von Sättigungs- und Leistungsbetrieb gibt es nicht - soviel ich weiß. Ich habe das mal anhand der Aufenthaltszeit des Zulaufwassers definiert:
    Beim Sättigungsbetrieb wird CO2 mehr oder weniger vollständig umgesetzt (bis auf die Gleichgewichtskohlensäure! Die bleibt und muss bleiben, sonst gibt es Ausfällungen) und das ist bei Aufenthaltszeiten von größer 1 Tag der Fall. Also z.B. bei einem 5 Liter-Reaktor würde der Zulaufvolumenstrom weniger als 5 l/d = 0,2 l/h = ca. 1 Tropfen pro Sekunde betragen.
    Darüber hinaus wird die zugeführte Kohlensäure nicht vollständig verbraucht - es bleibt ein Teil "aggressive Kohlensäure" übrig.
    Die Grenze ist natürlich wilkürlich, weil das komplette Lösesystem von Temperatur, Kalkmaterial, pH-Wert, und, und, und abhängig ist.

    Soundso:
    Der niedrigst erreichbare pH-Wert ist abhängig vom Kalkreaktorsystem, insbesondere vom CO2-Eintragssystem (Kolonnen sind z.B. erheblich effektiver als Dispergatoren vor der Kreislaufpumpe), vom Arbeitsdruck, der zurzeit im Reaktor befindlichen Karbonathärte, die natürlich wiederum vom Kalkmaterial abhängig ist und vieles mehr. Bei Experimenten an einem Versuchsreaktor (herkömmliche Bauart) lag der Unterschied zwischen Einperlen an der Saugseite der Kreislaufpumpe und einer CO2-Kolonne bei 0,3. Hört sich erst einmal nach nicht viel an, aber die Skala des pH-Wertes ist logarithmisch. Das bedeutet in der Praxis, dass die Leistung je nach Material um 40 bis 50% ansteigt.
    Und ehe es Unstimmigkeiten gibt: die Leistung eines Kalkreaktors kann nicht anhand der im Auslaufwasser befindlichen Karbonathärte (oder Calciumkonzentration) allein festgemacht werden. Die Leistung ist das Produkt: (KHAuslauf - KHZulauf) x Volumenstrom.

    du bist von der Fa. AquaCare? Richtig?
    Dann baut ihr auch super Kalkreaktoren und nicht nur das.
    Chemisch gesehen arbeiten doch alle Kalkreaktoren gleich. Oder?

    Ja und Ja.

    Bernd:
    Die Füllmenge macht einen großen Anteil aus: doppelte Menge = doppelte Leistung. Aber der interne pH-Wert und die Kalkart spielen ebenfalls eine sehr große Rolle.
    Bei einem um nur um 0,5 Stufen (von 6,5 nach 6,0) niedriger pH-Wert steigt die Leistung bereits um 60-70%.
    Je nach verwendetem Kalkmaterial kann die Leistung um den Faktor 1,9 differieren. Und das sind nur Zahlen im Sättigungsbetrieb. Im Leistungsbetrieb weichen die Zahlen erheblich weiter auseinander.
    Da ist also eine Menge Spielraum.

    Mechanisch sehr anspruchsvoll - die Verschlammung zu verhindern ist sicherlich ein großer Vorteil.
    Chemisch gesehen jedoch ein ganz gewöhnlicher Kalkreaktor, der im Sättigungsbetrieb (gaaanz langsamer Durchlauf) super funktioniert. Aber sobald es an große Leistungen geht (Leistungsbetrieb) sollte er nicht ohne anschließdende Neutralisierung betrieben werden.

    Ein Punkt wurde hier vergessen: passt ein höherer Unterschrank optisch in den Raum. Wie sitze ich vor dem Aquarium: in tiefen Sesseln oder auf hohen Stühlen?

    Vom Technikaspekt: je höher desto besser. Platz ist immer zu wenig im Unterschrank.

    Abschäumermodelle mit Injektor oder Holzausströmer sind recht flexibel in der Eintauchtiefe, Modelle mit Dispergator/Nadelrad sind in Bezug auf den Wasserstand rechte Mimosen.

    Calcium wird mit der Kalkwassermethode direkt dosiert. Karbonathärte nicht. In vielen Aquarien passiert an der KH-Schraube nichts.
    Es kann aber sein, dass bei sehr hoher CO2-Konzentration im Wasser durch den Eintrag von OH--Ionen Karbonathärte gebildet wird. Kann sein - muss aber nicht. Ob dieser Effekt passiert, hängt vom pH-Wert ab. Bei niedrigen pH-Werten ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass KH gebildet wird als bei hohen pH-Werten.

    Also ausprobieren und die Karbonathärte im Auge behalten. Wenn die KH zu hoch ansteigt, die Kalkwasserdosierung drosseln und/oder den Abschäumer über einen CO2-Adsorber ("Atemkalk") betreiben.

    Wenn das ewige Ansetzen frischen Kalkwassers mal langweilig wird, gibt es auch sogenannte Kalkwasserreaktoren oder -rührer. In ihnen ist ein größere Anteil von festem Calciumhydroxid enthalten und es wird kontinuierlich mit dem RO-Wasserzulauf frisches Kalkwasser produziert. Preislich natürlich nicht mit einem Dispenser vergleichbar. Beim Kauf eines Kalkwasserreaktors zwei Punkte beachten:
    1. mögliche Gesamtmenge des Calciumhydroxids
    2. Gasdichtigkeit des Systems

    Es gibt Millionen von Arten im Meerwasser. So ohne Foto ist eine Bestimmung nicht mal annähernd zu machen.
    Von der Häufigkeit auszugehen und Deiner Beschreibung tippe* ich auf Schnecke.

    *die Wahrscheinlichkeit beträgt 1 zu über 14 Millionen. Lottospielen kann Süchtig machen...

    Mehr als das verdunstete Wasser mit Kalkwasser wieder aufzufüllen geht nicht. Wenn dann noch Ca fehlt gibt es zwei Möglichkeiten: per Hand (Calciumsalz) nachfüllen oder Verdunstung erhöhen (z.B. Lüfter über der Wasseroberfläche). Im Winter würde ich die erste Möglichkeit nehmen.

    Wie sehen denn Deine Tiere aus? Gibt es Probleme mit unerwünschten Belägen?

    Wenn es keine Probleme gibt, würde ich die Werte im Auge behalten und nur - wie oben mehrmals geschrieben - LANGSAM die Phosphatkonzentration senken.
    Ob ein Schwermetall giftig ist oder nicht entscheidet nicht nur die Konzentration sondern auch die Form, in der es vorliegt. Da hilft die ICP leider überhaupt nicht. Im Gegenteil: einige Aquarianer bekommen es mit der Angst zu tun und machen irgendetwas, um das "Problem" zu lösen.
    Umkehrosmose bitte prüfen. Stimmt die Leitfähigkeit des Reinwassers (max. 5% des Rohwassers), dann sind alle Werte o.k. (von Silikat mal abgesehen). Sind keine brauen Beläge auf den Steinen und Tieren, dann sind 0,22 mg/l Si kein Problem. Nur zur Info: Kieselsäure ist ein wichtiger Nährstoff.

    Die Membran der Osmoseanlage wird sicherlich fast überall die gleiche sein, so viele Hersteller gibt es da nicht.

    Den Überblick habe ich leider auch nicht. Viele "Hersteller" sind nur OEMs von den wirklichen Membranherstellern (auch auf unseren Membranen steht "AquaCare" und ich stehe tatsächlich NICHT im Labor und wickle Membranen auf). Mal von Spezialmembranen abgesehen, werden die meisten in China und Korea hergestellt auch wenn "made in USA" oder "made in Japan" draufsteht oder ganz geschickt "designed in USA".

    Die Qualitäten können jedoch um einige Prozentpunkte abweichen, auch die Leistung kann differieren. Das Membranherstellen hat nämlich immer noch Einiges mit Zufall zu tun. Wenn ein "sheet" hergestellt wurde, wird die Qualität getestet und dann in die jeweilige Klasse eingeteilt: die sehr guten werden zu sehr guten Membranen mit deutlich höherem Preis verkauft, die nicht so guten werden als Standardware günstiger verkauft. Die variierende Wasserproduktion der Chargen wird mit mehr oder weniger Wicklungen für die Membran (korrekt "Modul") kompensiert.

    Ein paar Prozentpunkte hören sich nicht so dramatisch an. Als Beispiel: eine Membran mit einer Rückhalterate von 97,5% gegenüber 95% einer anderen produziert Reinwasser mit der Hälfte an gelösten Stoffen. Das bedeutet, dass eine nachgeschaltete Reinstwasserharzfüllung (Vollentsalzer) DOPPELT so lang hält. Die unterschiedlichen Preise sind allerdings nicht nur auf unterschiedliche Qualitäten zurückzuführen. Stückzahlen, Service und Arbeitsbedingungen des Anbieters sind ebenfalls wichtige Punkte.

    Der Nährstoffverbrauch (ist dem Wachstum von Korallen und Algen einigermaßen gleichzusetzen) hängt nätürlich von den Beleuchtungsverhältnissen ab. Bei guter und starker Beleuchtung können Korallen mit Zooxanthellen (also das meiste, was wir pflegen) und Algen besser Photosynthese betreiben und haben damit mehr Baustoffe für das Wachstum übrig als Tiere, die unter schlechtem und schwachen Licht wachsen. Bei zu hoher Bestrahlung ist natürlich auch wieder Schluss mit lustig.

    Ingo, mich würde interessieren, wie schnell die Werte angestiegen sind. Sprechen wir von Tagen oder Wochen oder gar Monaten.

    Detritus wird es immer geben. Er wird sich nur woanders ablagern bzw. herausgefiltert werden. Wenn die Pumpenkammer sehr klein, der Wasserspiegel niedrig und die Pumpenleistung hoch ist, dann wird sich dort nichts ablagern können.
    Ob Schwämme die Gelbstoffe entfernt haben kann ich nicht beurteilen. Sie haben auf jeden Fall eine sehr wichtige Filtrationsaufgabe (Korallen-Schwamm-Schleife) und stabilisieren das System enorm.

    Bei der heutzutage sehr luftigen Riffgestaltung finden Fische kaum Unterschlüpfe und versuchen, das Beste daraus zu machen (siehe Joe). Ich gehe davon aus, dass das richtig Stress für die Tiere ist und Stress schwächt die Immunabwehr und macht Tiere aggressiver als sie eigentlich sein sollten.
    Ich würde immer dafür sorgen, dass ein Teil des Aufbaus kompakt mit vielen Ritzen und Löchern vorhanden ist. Lars, bei Deinem frei stehenden Becken ist das eigenlich nur in der Mitte (seitlich versetzt) möglich. Auch Neuankömmlinge werden es Dir danken.

    Wenn genügend Phosphat im Wasser vorhanden ist, kann die KH auf übernatürliche Werte erhöht werden. Bei absolutem Phosphatmangel (und ich gehe davon aus, dass Du kein Lebendplankton in großen Mengen in der richtigen Zusammensetzung verfütterste) sind hohe KH kontraproduktiv. Die hohen KH-Empfehlungen stammen aus einer Zeit, in denen noch Fische im Aquarium schwammen und niedrige P-Konzentrationen nicht vorkamen. Hohe KH-Werte haben allerdings auch Vorteile: der pH-Wert schwankt nicht so stark und das pH-Niveau ist höher.

    Hi Torsten,

    mit der Alge kann ich nicht weiterhelfen. Mit der Fotodatei vielleicht. In einigen Fotodateien ist das Format "blöd" kodiert, so dass es beim Hochladen immer wieder in das ursprünglich fotografierte Format zurück will.
    Mit rechtem Mausclick die Datei mit "Windows Fotoanzeige" öffnen. Bild einmal drehen und in der "Fotoanzeige" zum nächsten Foto springen. Wieder zurückspringen, Bild wieder in die richtige Position drehen und erneut zum nächsten Foto springen.

    Kalkreaktor plus Calciumkomponenten plus KH-Komponente ist eigentlich nicht der Sinn eines Kalkreaktors. Der sollte die volle Leistung übernehmen (und auch nehmen können!). Nur wenn einer der beiden Werte (Ca, KH) ausreißen sollte, kann das richtige Ca-KH-Verhältnis im Aquarium mit der jeweilinge Balling-Komponente eingestellt werden. Bei Calciummangel kann alternativ auch das berühmte Kalkwasser (gibt es auch Reaktoren, damit die Versorgung mehr oder weniger automatisch erfolgt) dosiert werden.
    Die laufenden Kosten eines Kalkreaktors auszurechnen ist mehr oder weniger unmöglich. Wir haben bei gleich großen Becken unterschiedliche Gelöstkalkverbrauche von mindestens Faktor 25 gemessen. Und der Wert ist bestimmt noch nicht das Ende der Fahnenstange. Für die Berechnung der laufenden Kosten brauchst Du unbedingt eine Glaskugel. :upside_down_face:

    Die Kombination Kalkreaktor und Kalkwasser ist besonders sinnvoll, da der Kalkreaktor tagsüber und der Kalkwasserreaktor nachts laufen kann: so bleibt der pH-Wert sehr stabil. Voraussetzung sind dementsprechend leistungsstarke Systeme.

    Hallo Spooner,

    wenn KH dosiert wird, steigt normalerweise der pH-Wert ein wenig. Im Umkehrschluss muss das Redox fallen. Das Redoxpotential verhält sich umgekehrt proportional zum pH-Wert (wenn anderer Parameter, die wir eigentlich mit der Redoxmessungen erfassen wollen, nicht dazwischenfunken). Bei reinem kontinuierlichen Kalkreaktorbetrieb sind die Schwankungen geringer, weil einfach die pH-Wert-Schwankungen geringer sind.
    Um diese KH-bedingten Schwankungen zu kompensieren müsstest Du den sogenannten rH-Wert berechnen.

    Kalkreaktor oder nicht? Ein eindeutiges Jein.

    Ein Kalkreaktor ist sinnvoll je:
    - größer das Aquarium
    - höher die Wachstumsraten
    - je mehr Beleuchtung
    - je mehr SPS
    - je mehr große SPS
    Eine eindeutige Aussage gibt es nicht. Dagegen stehen die hohen Anschaffungskosten eines soliden Kalkreaktors.

    Ein Kombination der unterschiedlichen Methoden ist grundsätzlich möglich - muss man allein von der Entwicklung des Aquariums abhängig machen.

    Danke für das Lob. :smiling_face:

    Hallo Daniel,
    Magnesium kann man bei Magnesiummangel mit in das Calcitrohr füllen (aber bitte max. 10%). Oder eine angehängte Stufe mit Magnesiumgranulat füllen. Das hat den Vorteil, dass sie bei Bedarf schnell wieder abgehängt werden kann.

    Hallo Spooner,
    man kann wunderbar mit zu viel Luft den mühsam produzierten Gelöstkalk wieder ausfällen lassen. :frowning_face: Klar gibt es eine Grenze und wie immer ist diese von einigen Faktoren abhängig: Karbonathärte, Temperatur, Salzgehalt, Magnesium und die Aufenthaltszeit in der Neutralisierungsstufe. Bei herkömmlichen Kalkreaktoren mit geringem Durchfluss ist die Luftneutralisierung ein wenig tricky. Die Reaktoren, die im Leistungsbereich (z.B. Turbo-Kalkreaktor) und nicht im Sättigungsbereich laufen, sind da wesentlich unempfindlicher.

    Hi Dieter,

    das steht irgendwo in der Diplomarbeit meine Frau, wo immer die auch ist (die Arbeit, nicht die Frau). Mit einer Ammoniak-Messkette habe ich das mal während meiner Diplomarbeit nachgemessen, allerdings im Süßwasserbereich. Die Abweichungen zwischen theoretischem Wert und praktischer Messung waren akzeptabel.
    Ich kann Dir die Quellen angeben; ob Du sie online findest, weiß ich nicht.

    Emerson, K., Russo, R.C., Lund, R.E. & Thurston, R.V. (1975): Aqueous ammonia equilibrium calculations: Effect of pH and temperature. J. Fish. Res. Board. Can. 32: 2379-2383.

    Messer, J.J., Ho, J. & Grenney, W.J. (1984): Ionic strength correction for extent of ammonia ionization in freshwater. Can. J. Fish. Aquat. Sci. 41: 811-815.

    Truesdell, A.H. & Jones, B.F. (1974): Wateq: a computer program for calculating chemical equilibria of natural waters. J. Res. U. S. Geol. Surv. 2 (2): 233-248.

    Hallo Robert,
    das 32er Zulaufrohr ist exakt dimensioniert - verwende am besten dünnwandiges PVC-Rohr.
    Bei einem Ablauf in den Keller ist ein 32er Ablaufrohr vollkommen ausreichend. Wahrscheinlich reicht sogar ein 25er Rohr (dann aber bitte keine Winkel verwenden, die Fließgeräusche bei immerhin 2,3 m/s verursachen können. Vielleicht bekommst Du zwei 25er Rohre in die Bohrung: zur Not das Rohr weichmachen ("Fön" auf 180°C) und ein wenig quetschen. - Keine Garantie für diese Aussage!

    Nachteil "Rohre über der Verengung zusammenführen": funktioniert nicht; dann erübrigt sich der Notüberlauf.
    Nachteil "Abschaltung bei Überniveau": schaltet entweder komplett ab oder die Pumpe taktet im Rhythmus des Wasserpegels. Beide Versionen nur ratsam, wenn das Aquarium täglich unter Kontrolle steht.
    Eine Niveaulösung ist aufwendig und kann nur mit analogem Niveausensor und der passenden regelbaren Pumpe durchgeführt werden. Wenn eine Schnecke jedoch den Querschnitt vollkommen lahmlegt, hilft keine Technik. Da muss mechanisch verhindert werden, dass ein solcher Trumm in den Ablaufschacht gelangt.

    Von Märchen und Mythen: Missverständnisse über Kalkreaktoren


    "Kalkreaktoren lassen den pH-Wert im Aquarium sinken!"
    Wenn ein Kalkreaktor richtig konzipiert ist und richtig betrieben wird, sinkt der pH-Wert des Aquariumwasser nicht. Im Gegenteil: durch die erhöhte Karbonathärte wird das pH-Niveau angehoben und die pH-Wertschwankungen (delta-pH-Wert) werden geringer. Wie weit die Karbonathärte angehoben werden darf, muss anhand des Tierbestandes entschieden werden.


    "Kalkreaktoren produzieren unterschiedlich Calcium und Karbonathärte!"
    Alle Kalkraktoren zerlegen das Kalkmaterial genau in die beiden Bestandteile, die Korallen und anderen kalkbedürftigen Tiere benötigen. In einigen Aquarien kann aber die Aquarienchemie durcheinander geraten sein, so dass z.B. überdurchschnittlich Karbonathärte verbraucht wird. Die fehlende Komponente muss per Pflegeprodukt (flüssig oder pulverförmig) nachdosiert werden. Wichtig ist, dass Calcium und Karbonathärte regelmäßig gemessen werden. Denn das Ungleichgewicht kann sich auch wieder abschwächen oder gar umkehren.


    "Kalkreaktoren produzieren Phosphat!"
    Ob ein Kalkreaktor Phosphat produziert und in welchem Maße hängt von dem eingesetzten Kalkmaterial ab. Natürliche Substrate wie z.B. Korallenbruch können sehr unterschiedliche Phosphatkonzentrationen enthalten - je nachdem aus welchen belasteten Gebieten das Material stammt und aus welchen Korallenarten sich der Korallenbruch zusammensetzt. Hochreine "künstliche" Materialien enthalten sehr wenig Phosphat. Je nach Konzept und Betriebsweise des Reaktors kann durch Chemosorption auch Phosphat dem Wasser entzogen werden.


    "Korallenbruch ist besser löslich als künstliche Materialien!"
    Die Löslichkeit unterschiedlicher Kalkmaterialien kann sehr differieren. Die Löslichkeit des Kalkmaterials hängt sehr stark vom Reinheitsgrad ab. Je reiner das Material, desto besser löst es sich. Die Struktur des Calciumcarbonats (Aragonit oder Calcit) spielt nur eine untergeordnete Rolle. Ob ein Kalkmaterial besser oder schlechter ist, hängt ebenfalls davon ab, wie der Kalkreaktor betrieben wird (Sättigungsbetrieb oder Leistungsbetrieb).
    Wichtig! Wenn man ein anderes Kalkmaterial einsetzen will, muss der interne pH-Wert herkömmlicher Kalkreaktoren neu eingestellt werden. Oder man hat ein System, bei dem der pH-Wert automatisch angepasst wird.


    "Die Leistung eines Kalkreaktors hängt nur vom Kalkvolumen ab!"
    Diese Behauptung ist absolut falsch. Das Kalkmaterialvolumen ist nur EIN Faktor, der die Leistung beeinflusst. Die Leistung von Reaktoren unterschiedlicher Bauart kann anhand des Volumens nicht miteinander verglichen werden. Eigene Untersuchen haben ergeben, dass kleine Systeme mit besserer Technik erheblich höhere Leistungen erbringen können als großvolumige Reaktoren mit einfachem Aufbau.


    "Dieser Reaktor bringt kein CO2 in das Aquarium!"
    Das wäre ein Traum (in einigen Becken sogar ein Alptraum), ist aber chemisch absolut nicht möglich. Gelöste Karbonathärte kann nur mit der sogenannten Gleichgewichtskohlensäure existieren. Wichtig ist, dass Kalkreaktoren nur sehr wenig aggressive Kohlensäure - also mehr als die Gleichgewichtskohlensäure - in das Aquariumwasser leiten. Das ist praktisch nur möglich mit einer effektiven Neutralisierungsstufe oder wenn ein Kalkreaktor bei sehr geringer Leistung (sehr geringer Durchfluss) betrieben wird.


    "Wird ein Kalkreaktor verwendet kann keine andere Methode zur Kalkdosierung benutzt werden!"
    Auch diese Aussage ist nicht haltbar. Alle Methoden wie Kalkreaktor, Kalkwasser und Balling-Salze können miteinander kombiniert werden. Nur sollten man die Chemikalien nicht an exakt der gleichen Stelle zur gleichen Zeit dosieren.

    Ein Ammonium/Ammoniak-Test misst eigentlich immer nur Ammoniak. ABER: bei der Probenaufbereitung wird durch das erste Testreagenz (Natronlauge) der pH-Wert auf über 11 angehoben. Somit wird praktisch alles Ammonium zu Ammoniak umgewandelt und anschließend gemessen. Deshalb können die Tests auch Unterbefunde bei sehr stark gepuffertem Wasser (hohe KH) anzeigen.

    Ob man zur N-Versorgung in N-limitierten Aquarien Ammoniak oder ein Ammoniumsalz (in aquarienüblichen Konzentrationen) hinzugibt ist vollkommen unerheblich. Die Umwandlung von Ammoniak zu Ammonium ist blitzschnell (im Nanosekundenbreich) und das Verhältnis NH4+ zu NH3 wird durch pH-Wert, ferner von Temperatur und Salzgehalt festgelegt. Diese Methode der N-Dosierung würde ich allerdings nur Fortgeschrittenen empfehlen.

    Rolf, wenn man Ammoniak über dem Aquarium riechen kann, dann ist der Aquarianer wohl noch der einzige Überlebende. :smiling_face: Man kann die Summe NH4+ zu NH3 auch als NHx ausdrücken - noch kürzer.

    Darkfanatic, besser spät als nie. :confused_face:

    Hallo Daniel,

    danke für die Infos. Ähnliches habe ich auch gefunden. Bei den Fensterbauern zählt immer nur, was durchkommt und was nicht. Dabei ist leider nicht aufgespaltet in reflektiertem und absorbiertem Anteil. Also leider nicht brauchbar für einen Aquarien-UV-Reflektor.
    Quarzglas mit Silber außen aufgedampft würde wohl funktionieren. Die kleinen Standardquarzröhren, in die die UV-Lampen passen, sind noch zu vernünftigen Preisen zu beziehen, aber ein 70er oder gar 90er-Quarzzylinder wäre utopisch teuer, bei den zu erwartenden Stückzahlen.

    Dass die Dosis so niedrig ist, hätte ich nicht gedacht. Als Beispiel die reeflex UV350 der letzte Wert (17010) wäre umgerechnet 170 J/m2. Die Werte der größeren Leuchten sehen noch schlechter aus.
    Die Logik, dass eine größere Leuchte eine geringere Dosis erzeugt, entschließt sich mir, auch die Unterteilung in Keime und Bakterien (eigentlich oft das Gleiche).
    Welchen Volumenstrom soll denn da der Aquarianer einstellen?

    (Wenn zufällig jemand etwas über Materialien und deren UV-Reflektion weiß, bitte melden. Da suche ich schon eine Weile nach)

    Die Umrechnung von Mw in Mj

    Auch wenn ich wieder nerve. Diese Umrechnung funktioniert nicht - Äpfel können auch nicht in Birnen umgerechnet werden, auch wenn es beides Obst ist.
    Für Trinkwasser wird normalerweise eine UV-Dosis von 400 J/m2 angegeben, damit "alles" platt gemacht wird. Bei dieser Dosis bei EINEM Durchgang werden 99,99% (= log4) von Bacillus subtilis (Referenzorganismus) getötet.

    Wie die Hersteller der Aquaristik-UV-Leuchten ihre Systeme dimensioniert haben, weiß ich leider nicht. Soviel ich weiß, gibt keiner die erzeugte Minimumdosis an.
    Auf die Tabelle oben bezogen, wären 280 mJ/cm2 gleich 2800 J/m2. Also wirklich eine Hammerdosis. Das bedeutet, dass bei dieser Dosis ERHEBLICH weniger als 99,99% von Cryptocarion irritans den Löffel abgeben. Der Vorteil ist aber, dass in der Aquaristik (Kreislaufsystem und kein Durchlaufsystem) das Wasser nicht nur einmal durch die UV-Röhre geleitet wird. Ein schon vorgeschädigter Erreger kann im zweiten Durchlauf bereits bei einer niedrigeren Dosis sterben.
    Deshalb immer den maximal angegebenen Volumenstrom (l/h) für die eingesetzte UV-Leuchte wählen. Bei UV stimmt tatsächlich die Regel: viel hilft viel, wenn es um die Effektivität geht - auch wenn die Pest gerade ausgebrochen ist.
    Aber Achtung, auch da gibt es Grenzen. Wenn ein zu geringer Keimdruck im Aquarium ist, wird das Immunsystem der Tiere heruntergefahren und sie fallen bei der kleinsten Kleinigkeit um.

    Wir sollten auch bedenken, dass die Ozonreaktion nur in einem isolierten Rohr stattfindet und nicht im ganzen Aquarium.

    Das haut nicht ganz hin - für UV stimmt das definitiv.

    Die Ozonreaktion findet überall statt, wo freies Ozon ist. Das SOLLTE vorzugsweise im Abschäumer oder Ozonreaktor ablaufen. Denn das ist das Problem bei Überdosierung. Wenn mehr Ozon im Abschäumer/Ozonreaktor eingetragen als im Abschäumer durch Oxidationsreaktionen wieder abgebaut wird, desto mehr freies Ozon verlässt den Abschäumer und kann in das Aquarium gelangen. Dort kann es Schaden anrichten.
    Wenn das Redoxpotential im Aquarium recht niedrig ist, dann wird der Schaden nicht sofort auftreten, weil das Ozon sehr schnell wieder von reduzierten Substanzen zerstört wird. Aber je mehr Substanzen durch das Ozon oxidiert werden, desto höher steigt das Redoxpotential und jedes freie Ozonmolekül benötigt längere Zeit, um auf etwas Oxidierbares zu stoßen. Die Konzentration an im Wasser gelöstem Ozon steigt an.
    Der Einsatz von Ozon ist also mit Fingerspitzengefühl durchzuführen; auf keinen Fall nach dem Motto: viel hilft viel. Wenn Ozon zu riechen ist, dann ist es bereits auf Dauer zu viel und KANN Schäden verursachen. Genaueres sagt natürlich nur eine kontinuierliche Redoxmessung aus. Aber auch die ist mit Tücken verbunden.