Von Märchen und Mythen: Missverständnisse über Kalkreaktoren
"Kalkreaktoren lassen den pH-Wert im Aquarium sinken!"
Wenn ein Kalkreaktor richtig konzipiert ist und richtig betrieben wird, sinkt der pH-Wert des Aquariumwasser nicht. Im Gegenteil: durch die erhöhte Karbonathärte wird das pH-Niveau angehoben und die pH-Wertschwankungen (delta-pH-Wert) werden geringer. Wie weit die Karbonathärte angehoben werden darf, muss anhand des Tierbestandes entschieden werden.
"Kalkreaktoren produzieren unterschiedlich Calcium und Karbonathärte!"
Alle Kalkraktoren zerlegen das Kalkmaterial genau in die beiden Bestandteile, die Korallen und anderen kalkbedürftigen Tiere benötigen. In einigen Aquarien kann aber die Aquarienchemie durcheinander geraten sein, so dass z.B. überdurchschnittlich Karbonathärte verbraucht wird. Die fehlende Komponente muss per Pflegeprodukt (flüssig oder pulverförmig) nachdosiert werden. Wichtig ist, dass Calcium und Karbonathärte regelmäßig gemessen werden. Denn das Ungleichgewicht kann sich auch wieder abschwächen oder gar umkehren.
"Kalkreaktoren produzieren Phosphat!"
Ob ein Kalkreaktor Phosphat produziert und in welchem Maße hängt von dem eingesetzten Kalkmaterial ab. Natürliche Substrate wie z.B. Korallenbruch können sehr unterschiedliche Phosphatkonzentrationen enthalten - je nachdem aus welchen belasteten Gebieten das Material stammt und aus welchen Korallenarten sich der Korallenbruch zusammensetzt. Hochreine "künstliche" Materialien enthalten sehr wenig Phosphat. Je nach Konzept und Betriebsweise des Reaktors kann durch Chemosorption auch Phosphat dem Wasser entzogen werden.
"Korallenbruch ist besser löslich als künstliche Materialien!"
Die Löslichkeit unterschiedlicher Kalkmaterialien kann sehr differieren. Die Löslichkeit des Kalkmaterials hängt sehr stark vom Reinheitsgrad ab. Je reiner das Material, desto besser löst es sich. Die Struktur des Calciumcarbonats (Aragonit oder Calcit) spielt nur eine untergeordnete Rolle. Ob ein Kalkmaterial besser oder schlechter ist, hängt ebenfalls davon ab, wie der Kalkreaktor betrieben wird (Sättigungsbetrieb oder Leistungsbetrieb).
Wichtig! Wenn man ein anderes Kalkmaterial einsetzen will, muss der interne pH-Wert herkömmlicher Kalkreaktoren neu eingestellt werden. Oder man hat ein System, bei dem der pH-Wert automatisch angepasst wird.
"Die Leistung eines Kalkreaktors hängt nur vom Kalkvolumen ab!"
Diese Behauptung ist absolut falsch. Das Kalkmaterialvolumen ist nur EIN Faktor, der die Leistung beeinflusst. Die Leistung von Reaktoren unterschiedlicher Bauart kann anhand des Volumens nicht miteinander verglichen werden. Eigene Untersuchen haben ergeben, dass kleine Systeme mit besserer Technik erheblich höhere Leistungen erbringen können als großvolumige Reaktoren mit einfachem Aufbau.
"Dieser Reaktor bringt kein CO2 in das Aquarium!"
Das wäre ein Traum (in einigen Becken sogar ein Alptraum), ist aber chemisch absolut nicht möglich. Gelöste Karbonathärte kann nur mit der sogenannten Gleichgewichtskohlensäure existieren. Wichtig ist, dass Kalkreaktoren nur sehr wenig aggressive Kohlensäure - also mehr als die Gleichgewichtskohlensäure - in das Aquariumwasser leiten. Das ist praktisch nur möglich mit einer effektiven Neutralisierungsstufe oder wenn ein Kalkreaktor bei sehr geringer Leistung (sehr geringer Durchfluss) betrieben wird.
"Wird ein Kalkreaktor verwendet kann keine andere Methode zur Kalkdosierung benutzt werden!"
Auch diese Aussage ist nicht haltbar. Alle Methoden wie Kalkreaktor, Kalkwasser und Balling-Salze können miteinander kombiniert werden. Nur sollten man die Chemikalien nicht an exakt der gleichen Stelle zur gleichen Zeit dosieren.