Hi,
bin zwar in der Meerwasseraquaristik nur ein blutiger Anfänger, habe den Beruf des Kunststoffschlossers aber gelernt und auch 10 Jahre in dem Beruf gearbeitet. Ich möchte mich hier auf keinen Fall aufdrängen, oder als Schlaumeier aufspielen, wenn aber Fragen, oder Tips gebraucht werden, stehe ich gerne zur Verfügung. Es kann ja nicht schaden, wenn ich ein paar grundsätzliche Dinge hier gleich niederschreibe. 
Mit Interesse habe ich hier Eure Beiträge gelesen und mich dann entschlossen, diesen Beitrag zu schreiben.
Wie hier bereits jemand geschrieben hat, sollte man Fittings, Rohre, Platten etc., nicht im Zoofachhandel, Teichbau, oder so kaufen. Dort wird man immer viel mehr dafür bezahlen, als im Fachhandel/Kunststofftechnik.
Alle diese Bauteile werden für den Einsatz in Industrie und Handwerk hergestellt und wurden nur nach und nach in die Aquaristik übernommen. Jeder Zwischenhändler möchte und muß sein Geld am Verkauf der Teile verdienen. Je weiter man also dahin zurückgeht, wo die Teile ursprünglich mal herkamen, je billiger werden sie. Obendrein erhält man dort auch eine kompetente Beratung, denn kaum einer, der Aquarien-Händler usw. hat wirklich jemals eine solide Ausbildung/Anleitung zur Verarbeitung von z.B. PVC und dem Rohrleitungsbau erhalten. Ich sehe ständig, sogar bei gelernten Klempnern, wie unsachgemäß da mit Kunststoffen umgegangen wird. Da wird damals wie heute immer noch gefuscht, weil dieses "geklebe" ja keine Kunst ist und was soll man da schon großartig falsch machen? Genau diese Einstellung ist es aber, die dann wieder zu Problemen führt und dann heißt es wieder, von diesem ganzen Kunststoffscheiß halte ich gar nichts und das taugt doch alles nichts. In Wirklichkeit handelt es sich um sogenanntes Kaltschweißen, denn auch hier werden Moleküle (Ketten) ineinander geknetet/gepresst.
Durch das Lösungsmittel im PVC-Kleber, werden die äußeren Schichten der bestrichenen Flächen angelöst (Molekülketten werden beweglich) und nach dem ineinanderstecken von z.B. Rohr in Fitting-Muffe, baut sich ein Druck zwischen den sich aufquellenden Flächen auf, der die Molekülketten ineinander presst. Nach Verflüchtigung des Lösungsmittel, erstarren die Molekülketten wieder und die Verschweißung ist abgeschlossen.
Wichtig für eine korrekte Verschweißung ist es, das weder Fett, noch Staub auf den zu "verklebenden" Flächen vorhanden ist, der Kleber blasenfrei auf beide zu verklebende Flächen aufgetragen wurde (mit einem Borsten-Pinsel), passgenaue Fittings und Rohre verwendet wurden (wenn sich bei einer zu großen Muffe, nicht genug Druck aufbaut, können sich die Moleküle auch nicht richtig ineinander verkneten) und das falls z.B. ein Rohr in eine Muffe geklebt werden soll, das Rohr von außen an der Schnittkannte angefast und von innen gut entgratet wurde. Das wird gerne nicht gemacht, ist aber sehr wichtig!!!
Ohne Fase schert die scharfe Kante zu viel Kleber und angelöstes Material von der gegenüberliegenden Klebefläche ab und schiebt sie als dicke Wulst in den Fitting hinein. Dadurch hat man nicht nur eine schlechte Verklebung, sondern auch noch eine sehr unschöne, querschnittreduzierende Wulst, an der sich dann später auch noch Ablagerungen festsetzen, die auch wiederum den Querschnitt weiter reduzieren. Hochwertige Fittings haben diese Fase bereits, aber an jeder Rohrschnittstelle muß diese Fase von Hand erstellt werden. Je nach handwerklichem Geschick und natürlich auch Rohrdurchmesser, macht man das mit einem Messer/Teppichmesser und oder Winkelschleifer, oder Feile. Mit dem Grat an einem handlichen Stück Stahlblech, z.B. von einem ausgedienten Fuchsschwanz (Zahnung entfernen), läßt sich das auch prima machen. Jeder Kunststoffschlosser hat so ein Ding in der Tasche und nennt es Ziehklinge. 
Nach jeder Klebung muß überschüssiger Kleber am Fitting abgewischt werden, denn der löst sonst Flächen an, die nicht angelöst werden sollten und schwächt das Material.
Da Kunststoff ein schlechter Wärmeleiter ist und somit die Reibungswärme bei der spanenden Bearbeitung (sägen, bohren, drehen, fräsen) nicht abgeführt werden kann, sollte ein entsprechendes Werkzeug und die passende Drehzahl/Schnittgeschwindigkeit, verwendet werden. Sägeblätter müssen gröber sein als für Metall, aber feiner als für Holz. Hohe Drehzahlen führen immer zu einer rubbeligen Oberfläche, weil das Material "schmilzt" und Klümpchen/Wülste bildet. Ab einer gewissen Temperatur verbrennt das Material sogar. Es entsteht bläulicher Qualm und beißende, giftige Dämpfe. Ein sicheres Zeichen für viel zu hohe Drehzahlen.
Von Hand sägt man ein PVC-Rohr am Besten mit der Feinsäge, oder einem Rohrschneider. Letzteres ist eine super Sache, denn es fallen keine Späne an, man hat weniger Arbeit mit der Nacharbeit an der Schnittstelle, der Schnitt ist immer gerade und man schneidet perfekt, genau an der Stelle, die man sich auch angezeichnet hat. Wer größere Projekte plant, oder regelmäßig PVC-Rohr verlegt, sollte diese Investition unbedingt tätigen. Es lohn sich!
Das für uns in der Aquaristik ein 90° Bogen besser geeignet ist als ein 90° Winkel, ist ja bekannt und sollte daher auch wenn der Platz es zuläßt, verwendet werden.
Bei Kugelhähnen immer darauf achten, daß sie vom Innendurchmesser nicht kleiner sind, als das Rohr. Falls ja, dann einfach den nächst größeren Durchmesser nehmen und mit Reduzierstück zurück auf den verwendeten Rohrdurchmesser gehen.
Die unterschiedlichen Materialstärken, um die es in Euren Beiträgen immer wieder ging, sind halt für die unterschiedlichen Druckansprüche gedacht. PN 10 (bis 10 bar) sollte auf jeden Fall für die Aquaristik immer ausreichend sein, denn alles darüber hinaus, ist nur unnötig schwer und teuer.
Die besten Hersteller von Fittings, Hähnen usw. sind FIP (Made in Italien) und GF (Made in Germany). Da kann man sicher sein, daß man höchste Qualität und Passgenauigkeit erhält und auch nach Jahren noch Ersatzteile bekommen kann.
Was die nicht im Programm haben, wird auch nicht gebraucht. 
Wie gesagt, Handwerks-Firmen die sich auf Kunststofftechnik spezialisiert haben, verarbeiten diese Teile in Massen und bekommen daher auch vom Hersteller die besten Preise. Die haben alle gängigen Teile auf Lager und was Rohre und Platten angeht, haben die auch Reste, die man mal vor Ort günstig schießen kann.
Als Kleber kann ich "Tangit" sehr empfehlen, wovon es auch einen guten Reiniger gibt, um alle Teile von Schmutz und Fett zu befreien. Da der Kleber nicht ewig haltbar ist, sollte man beim Kauf schon auf die Gebindegröße achten. Eine Tube ist zwar bei der Verarbeitung etwas nervig, aber für ein paar wenige Klebungen, völlig ausreichend. Achtung: Das Zeug ist nicht gerade gesundheitsfördernd und es sollte wenn möglich an frischer Luft verarbeitet werden.
Im Raum Hannover (Sarstedt) gibt es z.B. die Fa. Medora Kunststofftechnik. Dort bekommt Ihr alles was Ihr braucht und die können auch geplatzte PVC-Platten, Gehäuse, Abschäumer, etc. schweißen. Das gilt aber nur für diese hochwertigen Abschäumer usw., die aus vernünftigen PVC-Halbzeugen gefertigt wurden. Gespritzte, oder tiefgezogene "Plasticteile" von Massenprodukten wie Tunze, Eheim usw. gehören nicht dazu.
Medora Kunststofftechnik GmbH
Käthe-Paulus-Straße 14, 31157 Sarstedt
Tel.05066 690307
info@medora.de
Keine Angst, ich betreibe hier keine Schleichwerbung, denn ich habe mit diesem Unternehmen nichts zu tun. Ich kenne lediglich einige Leute die dort arbeiten aus alter Zeit und wende mich selbst an die, wenn ich mal etwas brauche.
So, das war es erstmal .....
Gruß Axel