Hallo Torben,
ich habe Acanthurus Arten grundsätzlich aus meinem Becken verbannt. Sicher kommen gleich wieder Kommentare von den Leuten, die Leucosternon, Achilles und Japonicus erfolgreich halten. Ich glaube aber, dass wir in den meisten Fällen das (vorzeitige) Ende der Haltung dieser Fische nicht mitbekommen. Das liegt nicht nur daran, dass sich der Aquarianer schämt davon zu berichten, sondern auch an den, auch in diesem Forum üblichen Killerphrasen, wie z.B.: "Wir haben es doch gleich gesagt", "das hättest Du wissen müssen", "Becken zu klein/zu jung", usw., die teilweise auch berechtigt sind, aber mit der Holzhammermethode übergebraten werden.
Ich hatte im Jahr 2007 einen Versuch mit einem jungen, gut genährten Leucosternon gewagt, der mich 90% meines Fischbesatzes gekostet hat. Und damit war das Thema erledigt. Aus den hier im Forum, sowie in anderen Foren vorhandenen Posts, kann man ganz klar zwischen den Zeilen lesen, dass es sich um Fische handelt, die überdurchschnittlich kritisch sind.
Mein Palettendoktor hatte damals immer mal wieder einen Punkt, dann wieder wochenlang keinen. Letztlich starb er daran, dass er trotz 30cm hohem Springschutz und Nachtlicht aus dem Becken gesprungen ist. Nicht aus dem aktuellen Becken, sondern aus dem 800 Liter im Jahre 2010. Nach der Erfahrung mit dem Weißkehl bin ich in den zwei Jahren mit dem Paracanthurus jeden Morgen ans Becken und habe mich erst vergewissert, dass es auch bei 2 bis 3 Punkten geblieben ist und kein anderer Fisch welche hat. Entspannend war das nicht, weshalb auch er für mich nicht in Frage kommt.
Jetzt stelle Dir mal vor, Du hast ein schön laufendes Becken mit einer gesunden Fischtruppe. Ist ein Weißkehl, Achilles, Japonicus wirklich so schön, dass es sich lohnt ein solches Risiko einzugehen? Oder ist es doch eher der Reiz einen Fisch erfolgreich zu pflegen, der nur durchschnittlich schön ist, aber dessen Pflege den meisten über einen längere Zeitraum hinweg nicht gelingt. Ich glaube, dass dies häufig auch ein Antrieb ist, diesen Fisch zu kaufen. Wenn ich mir jetzt vorstelle, dass ich meinen Fischbesatz vorsätzlich mit einem besonders kritischen Fisch gefährde und mir dann vorstelle, wie es so wäre, wenn es schief geht, verlieren diese Fische ihren Reiz für mich. Bernhard hat es ja schön beschrieben, wie es drei Monate mit UVC und Medizinalflocken war. Ich finde, unabhängig Dir und Deinem Becken, dass sich dieses "Theater" nicht lohnt.
Du möchtest gerne Kaiserfische halten. Das ist den meisten Leuten verwährt, weil ihr Becken deutlich kleiner ist. Wenn es im privaten Wohnzimmerbecken möglich ist, dann in Deinem. Diese Fische sind nicht ohne, aber wesentlich unanfälliger gegebenüber Punkten. Zumindest nach meiner Erfahrung. Wenn ich morgens ans Becken gehe, muss ich nicht damit rechnen, dass sie Punkte haben. Bei der Besatzplanung solltest Du mit einbeziehen, dass die Fisch in großen Becken wesentlich schneller wachsen und größer werden. Vor allem im Hinblick auf die Wasserbelastung und damit auch das Verhältnis Kilogramm Fisch pro 1000 Liter, aber auch den verbleibenden Schwimmraum nachdem die Korallen in Deinem Becken alles überwuchert haben.
Und ja, Zebrasoma finde ich gut. Da kann jeder sagen, dass der Hawaii-Dok langweilig sei. Ich finde ihn wunderschön, robust und für einen Doktorfisch mäßig aggressiv. Fische wie einen Gemmatum kaufe ich aus Prinzip nicht. Denn hier ist der Preis nur in der Seltenheit begründet. Ich kann es für mich persönlich nicht für gut heißen, einen Fisch nur deshalb toll zu finden, weil er so selten ist und noch ein weiterer aus dem Riff gefangen wurde. Das ist doch alles was dahinter steckt. Stellen wir uns vor wie es wäre, wenn es den Gemmatum in riesen Schwärmen rund um Hawaii gäbe und wir ihn ab 39,- Euro beim Händler bekämen, jedoch der leuchtend gelbe Flavescens ein seltener Fisch aus Mauritius wäre. Dann käme jetzt der Vorschlag, dass noch ein Flavescens wunderbar in Dein Becken passen würde, ganz im Gegensatz zu dem im Vergleich eher farblosen oder weniger leuchtenden Gemmatum, den man doch an jeder Ecke für 39,- Mäuse kaufen kann... Die Antwort kann sich jetzt jeder selbst geben...
Der Mensch ist halt irgendwo doch ein bischen Jäger und Sammler geblieben!
Guten Abend!
Christian