Sers Beieinander!
Armin: Mei, was soll man da sagen. Einer der Vorposter hat's geschrieben: Das Silikon ist halt schlicht gerissen. Überlastet. Die Frage ist ja warum? Alterung? Ferndiagnose ist schwer.
Das arbeiten mit Silikon bei Ganzglasaquarien bedeutet das man a) abdichtet und b) klebt gleichzeitig. Letzteres also das Kleben ist das, was man betrachten sollte, wenn es darum geht, dass man eine tragfähige Verbindung für einen bestimmten Anwendungsfall herstellt.
Offensichtlich haben wir hier ja nicht das Problem, dass das Becken Undichtigkeit als primäre Ursache wurde, sondern die konstruktive Verbindung der Scheiben ist zerstört und in der Folge lief Wasser aus. Wichtig: Man kann das beste Silikon nehmen, wenn die konstruktiven Merkmale für den Anwendungsfall nicht stimmen, bringt das auch nix. Mein Lieblingsspruch: A fool with a tool is still a fool.
Es ist m.E. auch nicht so, dass man keine Ganzglasaquarien mit Silikon bauen könnte, die nicht halten. Ich hab jetzt seit ca. 35 Jahren Aquarien Glasaquarien und mir is noch nie eins ausgelaufen. Einige davon (die kleineren) habe ich selbst geklebt, die meisten habe ich "am Stück" gekauft und ein paar wenige wurden Vor-Ort verklebt. Bei großen Becken scheint mir eine Vor-Ort Verklebung übrigens wichtig - Transport ist immer ne Belastung für so ein Teil.
Irgendwann wurde es schon geschrieben: Klebefläche vergrößern. Eine große Klebefläche (natürlich passend zur Belastungsrichtung) ist immer eine gute Idee. Hier kommt auch das Thema "Dicke der Scheiben" ins Spiel. Es geht i.d.R. bei der Scheibendicke gar nicht so sehr darum, dass die Scheiben brechen könnten (für den Fall dass man nicht völlig unterdimensioniert). Glasscheiben können sich unglaublich weit durchbiegen, bevor sie brechen. Das ist meist kein Problem oder leicht konstruktiv lösbar. Man muss bedenken, dass die Klebefläche einer 19mm Bodenscheibe (am Rand) um knapp 27% größer ist als die einer 15mm Scheibe.
Klebeverbindungen sind grundsätzlich sehr gut auf Zug belastbar. Was auch noch so geht ist eine Scherbelastung. Gar nicht gut ist eine sogenannte Schälbelastung. Man muss jetzt noch wissen, dass sich eigentlich immer alles irgendwie biegt. Ist nur die Frage wie viel und wann es "bricht"
Wenn man sich jetzt eine senkrechte Scheibe seitlich geklebt an eine Bodenscheibe (so werden die Becken ja gebaut) vorstellt und dass sich die beiden Scheiben durchbiegen ("wölben"), dann hat man das Problem, dass die Klebenaht nicht rein auf Zug belastet wird, sondern das es sich hier (auch) um eine Schälbelastung (weniger Scherbelastung -aber meist sind es Mischbelastungen) handelt. Das ist halt nicht gut.
Wenn man sich jetzt vorstellt, dass man unten am Boden umlaufend zusätzlich Leisten einklebt, hat man folgenden Effekt, dass erstmal die Klebefläche vergrößert wird und die Durchbiegung nicht mehr ganz so groß ist. Mein neues Becken (wenn es nicht doch noch ein Plexibecken) wird, kriegt deshalb unten am Boden umlaufend Zugstreben. Und oben natürlich auch und dann noch zwei Querstreben, dann ist das konstruktiv schon mal nicht schlecht. Wenn man die Bodenscheibe dann noch teilt und am Boden über die Naht eine Querstrebe einbaut, dann ist das schon recht gut. Das diese ganze "Biegerei" und die Belastung der Klebeverbindungen idealerweise so minimal wie möglich gehalten wird, ist klar, deshalb sollte der Unterschrank auch stabil sein. Ich persönlich bin bei großen Becken ein Freund von gemauerten Unterschränken (Steindruckfestigkeit und charakteristische Mauerdruckfestigkeit anschauen), 40er MPX Platte und 10er Neoprenmatte.
Große Rahmenbecken werden schon verkauft. Da dies Auftragsfertigungen sind, stellt sich die Frage nach Marktfähigkeit ja nicht. Wenn's einer will, bestellt und bezahlt (hoffentlich) er es auch. Einer der renommiertesten und bekanntesten Aquarienbauer in Deutschland z.B. macht bei Becken im Bereich >200 x 80cm praktisch nur noch Rahmenbecken und verwendet auch VSG Scheiben (kann er machen, weil er auch kondensationsvernetzendes 2k Silikonv erwendet). Es ist auch nicht so, dass die Becken unten auf dem Rahmen stehen. Das wird anders gelöst. Oben ist das schon ein umlaufender Winkel, i.d.R. mit Querspange(n). Unten wird der Rahmen i.d.R. aber seitlich umlaufend an das Untergestell geschraubt und ist z.B. aus Flachstahl. Mag es auch andere Konstruktionen geben (gibt ja nix, was es nicht gibt) ich kenne das bei großen Becken aber nur so.
Ich kann sogar eine aktuelle Preisauskunft dazu geben: Ein 250x100x80 Becken kostet mit 19er Bodenscheibe und 2x12 VSG Scheiben und pulverbeschichtetem Rahmen oben und unten in einem Bereich von 10% das gleiche wie ein Plexibecken der Größe von Schuran. Der untere Rahmen wird von der Kiesblende verdeckt, der obere Rahmen vom Lichtkranz.
Was ich kritisch sehe, ist, dass viele Designaspekte von Nanobecken (z.B. Poolbecken mit glasbündigem Unterschrank) auf größere Becken übertragen werden, ohne das man genau hinterfragt ob das hier noch geht.
In diesem Sinne ...
Grüße von der Isar