Hallo Corinna,
vielen Dank für Deine Antwort. In meinem Münchener Becken habe ich ein Paar Sexguttatas auf 550l gesetzt. Irgendwann haben sich die beiden nicht mehr vertragen und sich gehetzt, bis ein Tier zu grunde gegangen ist. Deswegen habe ich gezielt ein einzelnes Tier ausgewählt. Ich weiß, dass mein Becken gernzwertig für den Besatz mit Schläfergrundeln ist, jedoch gibt es kaum einen anderen Fisch als Alternative, der den Bodengrund so gründlich durchkaut. Im Vergleich zu Puellaris oder dern Goldstirn-Schläfergrundeln ist die Sexguttata noch ein zarteres Geschöpf.
Dass die Acroporen keine Einsteiger-Acros sind, ist mir bewusst. Wenn das Becken so eingefahren wäre, wie ich es erwartet hätte, wäre es auch kein Problem gewesen. Allerdings verhält sich die Einfahrphase mit Riffkeramik doch etwas anders als mit 100% Lebendgestein. Ich muss ehrlich sagen, dass ich mich etwas verschätzt habe. Lebendgestein macht vieles einfacher. Ich war der Annahme, dass, so lange ich die üblichen Parameter im Auge behalte, alles gut gehen würde. Da macht einem der künstliche Fels allerdings einen Strich durch die Rechnung.
Übrigens finde ich das, was sich bei mir und vielen anderen gerade abspielt, durchaus erklärbar und auch nicht negativ, wenn man darauf vorbereitet ist. Abgesehen von den bekannten Schwankungen bei den anorganischen Mengenelementen (sinkende KH, Lösung von Ca, Lösung von Si), die mir der Riffkeramik verbunden sind, führt eine andere Eigenschaft bei vielen Anwendern zu großen Problemen: Reduzierung der Nährstoffe. Heute habe ich mit einem Händler gesprochen, der meinte, an sich dürfe es keine Reduzierung geben, er betreibe seine Korallen-Nachzuchtanlage ja auch ohne Lebendgestein und ohne Probleme mit Limitierungen. Klar, er hat da ja auch keine vergleichbaren Oberflächen, die es gilt, mit einem Biofilm zu überziehen.
Ich denke, dass die hier so oft beschriebene Limitierung daher rührt, dass die Keramik eine große Oberfläche bietet, die zunächst besiedelt werden muss. Die poröse Struktur der Keramik bietet hier eine enorme Fläche. Die dort siedelnden Bakterien nehmen erst einmal alles verfügbare No3 und Po4 auf. Lebendgestein bringt einen ausgereiften Biofilm mit, der bei der Keramik vollkommen fehlt. Von daher gibt es hier da auch bei "Nullwerten" keine vergleichbaren Probleme.
Die Herausforderung beim Einfahren eines Beckens mit Riffkeramik besteht also anscheinend darin, nicht nur die üblichen Wasserwerte unter Konrolle zu haben, sondern auch die Besiedlung der Oberfläche der Keramik bestmöglich zu unterstützen. Ich denke, dass man ein Riffkeramikbecken erst mit einem Becken mit 100% Lebendgestein vergleichen kann, wenn die Oberfläche besiedelt ist. Hier wird es auch noch interessant, in wiefern die Diversität der Organismen eine Rolle spielt. Wenn man nach H. W. Balling und seinem Artikel in der aktuellen Koralle geht, müsste ein künstlich strukturiertes Becken ja mit den Start im Stadium eines Old Tank Syndroms bedeuten - eben wegen der fehlenden Diversität.
Da die Neubesiedelung irgendwann einmal abgeschlossen ist, muss ich darauf achten, dann die Futtermenge wieder zu reduzieren und einen darauf angepassten (Fisch-) Besatz zu haben, da hier keine neue Biomasse mehr gebildet werden kann und die bestehenden Bakterien nicht in der Lage wären, die anfallenden Stoffwechselrestprodukte zu verarbeiten.
An sich ist das alles trivial, aber es hat bisher kaum Threads mit Antworten auf die Fragestellung gegeben. In den meisten Threads endet es so, dass die Leute die Riffkeramik rausschmeißen, Lebendgstein einbringen und glücklich sind, dass alles wieder wie früher läuft. Das finde ich schade, denn mit der Keramik hat man viele Gestaltungsmöglichkeiten. Mein Becken würde aufgrund der Abmessungen die mit Lebengdestein nie so strukturierbar sein.
Ich würde jetzt gern noch auf den Mischbesatz zu sprechen kommen, aber dann wird das hier zu lang. Aber es gibt inzwischen doch einige Beispiele von Becken, in denen das hervorragend funktioniert. Ich glaube, dass hier die Pellets als stationäre Kohlenstoffquelle und Futter für Bakterien, die dann als Korallennahrung dienen in näherer Zukunft einiges mehr ermöglichen werden.
Gruß,
Thomas