Guten Morgen Bernd,
"Die Frage von Marcel ging um das Verhältnis NO3 zu PO4 und nicht um geeignete Höchstwerte!"
Genau das ist ja das Problem, dass sich das Verhältnis nicht linear auf alle Messbereiche anwenden läßt. Ich habe eben genau eine solche Situation provoziert, aber sowohl Du als auch Hans-Werner versteht meinen Standpunkt offenbar nicht.
Dein Rechenweg ist korrekt und auch das Redfield-Verhältnis hat prinzipiell eine Rechtmäßigkeit, aber eben nur dann, wenn man sowohl den entsprechenden Organismus als auch die entsprechende Umgebung betrachtet, für die 106 : 16 : 1 (C/N/P )überhaupt gilt. Und das ist im Riffaquarium nicht möglich. Wie Hans-Werner selbst schon sagte, es sind hier mehrere Untersuchungen gemacht worden, und jeder Organismus hat hier einen eigenen Optimalbereich, der durchaus gravierend von 106 : 16 : 1 abweicht.
Und was diesen Optimalbereich angeht, stellt auch kein im Labor bestimmtes Verhältnis Grenzwerte zur Verfügung, anhand derer wir einen Referenzbereich schaffen könnten, der die Anpassungsfähigkeit des jeweiligen Organismus beschreibt und definitert.
In oligotrophen, also nährstoffarmen Systemen, ist das Verhältnis zudem anhand absoluter Werte schwer zu bestimmen, weil man die Werte (außer in zuverlässigen Labormessungen, die aber nicht jeder bezahlt und in Anspruch nimmt) gar nicht zuverlässig bestimmen kann.
"Mit Deiner Anmerkung:" Du implizierst also, dass ein SPS-Becken keine Probleme im Makronährstoffgehalt aufweist, wenn Du 11 mg/l Nitrat und 1 mg/l Phosphat im Wasser nachweisen kannst", unterstellst Du mir eine Aussage, die nicht getroffen wurde. Über verträgliche Höchstwerte habe ich mich nicht geäußert!"
Ich sagte ja auch, dass Du eine solche Situation, wie ich sie als Szenario beschrieben habe, implizierst. Das bedeutet genau dass, was Du sagst: Du hast diese Aussage nicht getroffen, und das habe ich Dir auch nicht unterstellt. Sondern, ich habe darauf hingewiesen, dass man Dein in diesem Post als Optimum angegebenes Verhältnis von 11:1 Nitrat zu Phosphat zunächst einmal uneingeschränkt anwenden könnte. Das es mir hierbei nicht um Höchstwerte geht, sondern darum, dass das Verhältnis von 106 : 16 : 1 eben unter anderem an bestimmte Umgebungsbedingungen geknüpft, das hast Du wiederum bei Deiner Empfehlung von 11 : 1 Nitrat/Phosphat nicht berücksichtigt.
"Diskutiert werden kann sicher, ob das Redfield-Verhältnis, welches ja die in der Natur ( marines Plankton) vorhandenen Größenverhältnisse wiederspiegelt, der geeignete Ansatz ist. Da das Verhältnis von ca. 10 : 1 (NO3 : PO4) in der erfolgreichen aquaristischen Praxis weit verbreitet ist ( angeblich auch Cyanoplagen vermeidet) und Nährstofflimitierungen heute gerade bei der SPS-Pflege eher verbreitet sind als Überdüngungen, wüsste ich nicht, was an diesem Orientierungsrahmen so falsch sein sollte."
Der Orientierungsrahmen, wie Du ihn hier dargestellt hast, kann dazu führen, dass ein stiller Mitleser, der 11 mg/L Nitrat hat, jetzt so lange Phosphat ins Becken dosiert, um auf 1 mg/L zu kommen, und sich dann beschwert, dass ihm seine Acroporas alle eingegangen sind.
Jetzt faßt Du Dir an den Kopf und unterstellst mir, dass das ja an den Haaren herbeigezogen ist, klar. Aber ich und einige andere hier sind/waren seit Jahren im Einzelhandel oder sind Hersteller... was glaubst Du, auf welche Ideen manche Leute kommen 
Ich wüßte zudem nicht, wie Du es schreibst, dass diese Empfehlung weit verbreitet ist, weil sie eben auch (wie Hans-Werner und ich ja auch einig sind) die Dosierung von Aminosäuren oder partikulären Stickstoff durch Fisch- und Korallenfütterungen nicht berücksichtigt. Alleine aus diesem Grund wird das Redfield Verhältnis seit jeher und nicht nur durch mich sehr kritisch betrachtet. Mir sind keine publizierten oder öffentlichen Aussagen bekannt, die eben diese Empfehlung in die Welt tragen.
Was das Thema Cyanobakterien angeht, hier existieren ein dutzend verschiedener Ursächlichkeiten, die man immer differenziert und individuell betrachten muss, das hat nicht immer etwas mit Nährstoffen zu tun.
@ Hans-Werner: ich habe auch nicht geschrieben, dass Du mit irgendeiner Deiner Ausssagen falsch liegst.
Grüße
Jörg