Thomas hat ja die entsprechende Passage zitiert. Danke Thomas 
Ich will mal ganz allgemein etwas Grundsätzliches zur KH, Calcium- und Magnesiumgehalt erzählen... auch auf die Gefahr hin, jetzt alle zu langweilen, weil es wird wohl etwas länger werden ...
TEIL 1 
KH: Die Karbonathärte entspricht per Definition dem Anteil an im Wasser gelösten Härtebildnern (die aquarisisch bedeutensten sind Ca2+, Mg2+, Sr2+), die aus der Auflösung von Carbonaten resultieren.
Also: Im jedem natürlichen Wasser sind irgend welche Inhaltsstoffe gelöst. Diese Inhaltsstoffe wurden letztlich aus Sediment oder Gestein herausgelöst. Angenommen, es regnet in den Dolomiten. Dann fließt Regenwasser (niedriger pH-Wert, so um pH=5)über Dolomit-Gestein, also Kalkhaltiges Gestein. Dann wird sich aufgrund des sauren Regenwassers Kalk, also CaCO3, lösen. Das heißt, es liegt in ionscher Form vor: Ca2+ (Calcium-Kation) und CO32+ (Carbonat). Wenn wir jetzt die Gesamthärte des Wasser und die Karbonathärte des Wassers messen, wären beide Werte rein theoretisch identisch, weil alle Calcium-Ionen aus der Auflösung aus Carbonaten resultieren.
In anderen Mischgesteinen sind aber z.B. neben Calciumcarbonaten auch noch Calciumsulfate vorhanden. Wenn sich beide lösen, dann erfassen wir (rein theoretisch) mit der Gesamthärtebestimmung sowohl die Sulfate wie auch die Carbonate, mit der Bestimmung der KH lediglich die Carbonate, so dass die Gesamthärte höher ist, als die Karbonathärte.
Weil wir im Meerwasser einens sehr hohen Anteil an Sulfaten haben, wird die Gesamthärtebestimmung immer so hohe Werte zeigen, das wir die Gesamthärtebestimmung vernachlässigen können. Für uns ist nur die Karbonathärte von Bedeutung, und zwar aus folgendem Grund:
Bei der biogenen Kalkfällung (Calcifizierung durch lebende Organismen wie Muscheln, Schnecken, Wirbeltiere (Knochen), Korallen, Kalkrotalgen ...) werden aus dem Wasser sowohl Calcium-Ionen als auch Hydrogencarbonat (HCO3-) oder Carbonationen (CO32-) räumlich zusammengebracht, und dann i.d.R. gezielt auf einer bestimmten "Unterlage" (=Matrix; vergleichbar mit einem Fundament, auf dem jetzt die Mauer hochgezogen wird) ausgefällt.
Dabei sind die Mechanismen, wie die beiden Ionen räumlich zusammengebracht und kontrolliret ausgefällt werden, zwischen den verschiedenen Organismen unterschiedlich (Korallen machen das z.B. anders als Kalkrotalgen).
Warum messen wir die KH:
1) Mit der KH messen wir indirekt den "Carbonathaushalt" und können damit indirekt beurteilen, ob die Bedingungen für die Calcifizierung günstig sind oder nicht.
2) Wenn die Karbonathärte hoch ist, haben wir entsprechend (logisch) viele Hydrogencarbonate/Carbonate im Wasser.
Organismen können Calcium mit Carbonaten nur deshalb miteinander ausfällen/reagieren lassen, weil es vereinfacht gesagt die Chemie so vor sieht. Auch wenn wir keine Korallen oder Kalkrotalgen im Aquarium haben, bilden sich z.B. auf dem Heizstab oder in den Pumpen Kalkablagerungen. Warum? Weil auch im Wasser irgendwann Calcium und Carbonate räumlich einander näher kommen und beide miteinander reagieren, und dabei ausfallen. Ausfallen heißt: Wenn eine chemische Reaktion zwischen zwei in Wasser löslichen Substanzen stattfindet, das Produkt aus dieser Reaktion jedoch schlecht wasserlöslich ist, dann wird es aus der Flüssigen Phase austreten und als Festsubstanz sichtbar werden und sedimentieren. Kalk ist wasserunlöslich, das wissen wir von der Waschmaschine und vom Badezimmer, deshalb gibt es Kalkkrusten.
Das Problem ist die räumliche Nähe zwischen den Substanzen. Wenn wir in einem 100 L Becken 1 Calciumion und 1 Carbonationen haben, dauert es wahrscheinlich 1000 Jahre, bis sich beide mal zufällig treffen. Wenn wir 1 Calciumion und 1 Millionen Carbonationen in diesem 100 L Becken vorfinden, dann dauert es vielleicht 30 Minuten, bis das Calciumion auf ein Carbonation trifft und beide miteinander reagieren und das Produkt ausfällt.
Wenn also die KH hoch ist, also viele Carbonate im Wasser gelöst sind, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, das Calcium und Carbonate miteinander reagieren.
Wenn wir also unseren Kalkreaktor voll aufdrehen, dann werden wir eine Menge Kalk lösen. Aber gleichzeitig wird die KH sehr stark ansteigen, dabei wird entsprechend die Wahrscheinlichkeit höher, das Ca2+ mit CO32- reagiert, und es wird dann so lange Calciumcarbonat ausfallen, bis beide Ionen im Wasser so weit "ausgedünnt" sind, das sie nicht mehr so wahrscheinlich miteinander reagieren.
Konsequenterweise haben wir uns durch diese Maßnahme wieder alles Calcium ausgefällt, was wir durch den Kalkreaktor zuführen wollten, vielleicht sogar noch mehr.
Genau so ist es mit Balling: Je mehr wir von der NaHCO3-Lösung ins Wasser kippen, desto höher wird die KH ansteigen und desto mehr werden wir uns die "mühsam" zusodierten Calciumionen wieder ausfällen.
Das ganze ist nur ein oberflächlicher Überblick und insgesamt noch etwas komplizierter, weil der pH-Wert noch eine wichtige Rolle spielt.
Wenn wir einen hohen Calciumgehalt haben, sagen wir mal 480 mg/L, dann funktioniert das meistens nur, wenn gleichzeitig die KH niedrig ist. Warum? Wären mehr Carbonationen vorhanden, würde die Ausfällung von Kalk wahrscheinlicher und ein solch hoher Calciumwert wäre gar nicht stabil. Also, wenn der Calcium-Gehalt zu hoch ist, gibt man Carbonate zu, z.B. Natriumhydrogencarbonat. Dadurch erhöht man sich die KH, mehr Carbonate liegen vor und reagieren mit dem Calcium zu Kalk, dieses fällt aus, landet in der Dekoration und folglich sinkt der Calciumgehalt. Natürlich sinkt dabei auch die KH wieder, weil ja Carbonate als Bestandteile des Kalkes mit ausgefällt werden.
Andersherum: Eine hohe Carbonathärte ist meist nur dann stabil, wenn der Calciumgehalt niedrig ist. In diesem Falle geben wir Calciumchlorid hinzu, entsprechend höher wird der Calcium-Gehalt und wiederum wird die Wahrscheinlichkeit für die Kalkausfällung sehr hoch. Folglich sinkt sowohl die KH als auch wieder der Calciumgehalt.