Hallo Sascha,
ich denke nicht, das wir hier weit vom Thema abkommen, weil es iP letztlich auch hilft, ein eigenes Urteil zu bilden.
Überhaupt hast Du wohl zumindest theoretisch recht viel Wissen über das Thema DSB, und es macht natürlich um so mehr Spaß, auf dieser Basis zu diskutieren. Zumal das Thema hier im Forum sehr aktuell ist.
Bis auf die Artikel von Toonen ist mir die von Dir empfohlene Literatur bekannt. Danke für die Referenzen!
Zum Thema Infauna in marinen Sedimenten:
Live Sand hat selbstverständlich viele Vorteile und eine regelmäßige Neubeimpfung mit DSB Activator Kits bzw. Critterpacks ist auch nur förderlich.
Es ist ein ökologisches Konzept, das sich bei fehlender Störung eines Systems letztlich die am besten an das System angepassten Organismen durchsetzen und damit das System dominieren (Intermediate Disturbance Hypothesis).
Allerdings spielt dieser Aspekt der Kleinstfauna-Artenvielfalt hier denke ich keine große Rolle.
Ich will die Ergebnisse aus Amerika nicht in Frage stellen (das steht mir gar nicht zu), aber ich möchte sie hinterfragen!
In unseren Becken sind Amphipoden z.B. sehr dominant im Bereich der Sandoberflächen, und detritivorer Borstenwürmer innerhalb des Sandes. Das reicht meiner Meinung nach aber auch schon völlig aus, um den Sand erstens zu Beleben und zweitens durchzuwühlen. Abgesehen von der benthos-assoziierten Fauna wie tropsches Mysis oder Copepoden, die hier ihre Rückziemöglichkeit haben.
Ich denke nicht, das sich die Populationen dieser Tiergruppen in einem solchen System über die Jahre verändern, es sei denn, ihnen geht die Nahrung aus! Das muß natürlich berücksichtigt werden. Wenn jedoch eine zusätzliche Ernährung gewährleistet ist, sollte man hier langfristig eigentlich keine Probleme bekommen, eine größere Population weniger Arten aufrecht zu erhalten. Und ich weiß nicht, wie weit die Amerikaner im Bereich der Phytoplanktonfütterung sind? Vielleicht weißt Du darüber etwas.
Es sind viele Beobachtungen in unseren Hauptbecken gemacht worden, das eine Phytoplanktongabe gerade die Kleinstfauna sehr stark beleben kann. Ich selbst werde in einem - gerade aus Gründen der aktuellen Thematik - aufgebauten Refugium mit DSB an einem Experimentieraquarium eine Phytoplanktongabe ausprobieren, um die einzelnen Fortpflanzungsstadien der Kleinstfauna zu ernähren.
Ich denke hier liegt letztlich das Problem in der ganzen Sache, das die speziellen Ernährungsbedürfnisse der Kleinstfauna nicht berücksichtigt wurden oder werden.
Das die Artenvielfalt abnimmt, ist jedoch aus ökologischer Sicht wie gesagt beinahe vorprogrammiert.
Natürlich fehlt hier in Deutschland auch die Erfahrung mit DSB Filtern an sich, da sind uns die Amerikaner weit voraus, aber letztlich halte ich ein solches System alleine aufgrund der maximierten Stickstoffkreisläufe für eine geeignete Methode, der wir in Zukunft mehr Aufmerksamkeit widmen müssen. Übrigens liegen im Bereich der MM-Filter auch keine langfristigen Erfahrungen vor, ausser den von Leng Sy selbst gemachten.
Was die Verbackung des Sedimentes betrifft korreliert diese natürlich mit abnehmender Korngröße. Je feiner das Material, desto schneller wird es sich verdichten. Dazu müssen wir aber auch noch die Fließgeschwindigkeit des über dem Sandbett bedindlichen Wassers mit einbeziehen. Wenn diese recht hoch ist, werden zumindest die obersten Schichten regelmäßig umgeschichtet und verbacken dadurch nicht.
Algenwachstum auf der Sandoberfläche verlangsamt diese Fließgeschwindigkeit und entsprechend muß dies auch im System berücksichtigt werden. Andererseits trägt wie gesagt auch die Caulerpa-Rhizoidbildung dazu bei, das hier eine Verdichtung verlangsamt wird. Die meisten Aquarianer zwicken die Caulerpa in den im Wasser befindlichen Thallusbereichen ab, aber entnehmen dem Sediment keine Algen. Dadurch wird das Sediment mechanisch gestört und es wird neuer Siedlungsraum frei.
Du beschreibst, das die im Laufe der Zeit abnehmende Fauna der weiteren Durchmischung des Sedimentes nicht mehr nachkommen kann. Darüber hinaus sprichtst Du die Verbackung der untersten Sedimentschichten an. Die Kleinfauna hält sich jedoch sowieso nur in der obersten aeroben Schicht auf, und nicht in den tieferen anaeroben Schichten. Dass heißt, das diese Fauna gar keine Einfluß auf die Verbackung haben kann und dies entsprechend von Anfang an nicht verhindert. Die aerobe Schicht wird von dem ins Sediment eintretende Wasser determiniert, und darin halten sich die Organismen auf. Und nicht umgekehrt: zuerst muß im Sediment mal Sauerstoff vorhanden sein, bevor dort Tiere hinkommen.
Übrigens habe ich von Markus bereits Antwort erhalten, und er bestätigt, das die 2,5 cm Schichtdicke als unterste Grenze anzusehen ist und dies letztendlich auf sein eigenes Aquariensystem abgestimmt ist, aber nicht der Norm bzw. Ecosystem-Empfehlung entspricht.
Zur Korngröße: je kleiner, desto größer die Oberfläche. Das wird immer als der entscheidende Punkt angesehen. Allerdings verringert dies den Wasserdurchfluß im Sediment und damit letztlich den Stoffaustausch zwischen Bakterien und deren Mikroumgebung.
Eine zu große Korngröße wird zu einer verstärken Verdreckung des Sedimentes mit Detritus führen, was ebenfalls zu einer Verringerung des Wasseraustausches führt und weiterhin den Stoffaustausch zwischen aerober und anaerober Schichtung erschwert. Das heißt, die Stoffumsätze werden bereits im Detritus stattfinden und gelangen von hier aus eher wieder ins Wasser als in die tieferen Schichten.
Ich erachte persönlich eine Korngröße von 1-2 mm für geeignet. In wie fern ich dies noch in zwei oder drei Jahren sagen werde, weiß ich natürlich nicht, aber aus den mir im Moment vorliegenden Befunden und Erfahrungen sollte dies ein guter Kompromiss sein.
Ich bin deshalb dem DSB hinterher, weil es eine sehr einfache und günstige Alternative ist, unsere bisherigen Becken zu unterstützen. Und hier liegt ein weiterer Punkt: Unsere Becken werden gegenüber den amerikanischen Becken ganz anders betrieben und zielen mehr darauf ab, Korallenwachstum zu maximieren und den Eintrag von organischen Belastungen zu minimieren.
Die meisten Amerikaner versuchen v.a. die organische Belastung ihrer Becken abzubauen (viele betreiben z.B. keine Abschäumung ... und finde mal hier jemanden, der keinen Abschäumer hat) um ein gutes Korallenwachstum zu erreichen. Das ist ein deutlicher Unterschied, der sich letztlich auch in der Methodik wiederspiegelt!
Das heißt, wir sollten uns darüber bewußt sein, das unsere Becken so weiterlaufen wie bisher, aber durch einen DSB unterstützt werden, und den DSB nicht als zentrale Filterkomponente betreiben. Dieses Bild habe ich zumindest vor Augen!